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Erbrichter

Erbrichter hießen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit jene Mitglieder der dörflichen Gemeinde, die dem Dorfgericht vorstanden und dieses Amt an ihre Nachkommen weitergeben konnten, ohne dass der Inhaber der Niedergerichtsbarkeit, dies war häufig der Grundherr, Einfluss auf die Besetzung der Stelle nehmen konnte. Der Erbrichter erhielt einen Teil der Gerichtsgebühren und der fälligen Bußgelder, zumeist ein Drittel. Der Rest ging an den Inhaber der Gerichtsbarkeit.

Nicht selten kam die Erbrichterstelle in den Besitz des Lokators und seiner Nachkommen. Er wurde damit für die Verdienste um die Gründung des Dorfes entlohnt. Häufig war mit dem Erbrichteramt auch das Schankrecht verbunden. Deshalb heißen manche Dorfgasthöfe bis heute Erbgericht, so zum Beispiel auch in Seiffen das Hotel Erbgericht „Buntes Haus“. In seine Zuständigkeit fiel nur die niedere Gerichtsbarkeit, also vor allem Eigentums-, Fami-lien-, Erbrechte Grenzstreitigkeiten sowie die Registrierung und Überwachung von Ver-käufen. Teilweise wurden auch geringe Vergehen wie z. B. Beleidigungen und Raufereien verhandelt.

Wolf Preußler, der im 15. Jahrhundert Hüttenmeister in der Heidelbacher Glashütte war, hatte u.a. das Richteramt inne. Caspar Langer (1578-1655) ein zugezogener Berg-mann aus Pretzschendorf ver-diente in Seiffen seinen Lebensunterhalt als Zinnschmelzer und Bingesteiger und wurde vom Lehnsherrn zum Richter berufen.

Dem Richter stand bei seinen Entscheidungen noch ein Schöffengericht zur Seite. Dies waren in Seiffen zum Beispiel Vertreter aus alteingesessenen Bauernfamilien.
Auch der Hufschmied und Landfuhrmann Sebastian Kaden (1616-1686) war außerdem noch Gerichtsschöffe und übrigens mit Christina Sandig, der Tochter der Mortelmüllers Egidius Sandig verehelicht.

Erlebnispfad "Historisches Seiffen"

Mit dem Erlebnispfad "Historisches Seiffen" wird Besuchern und Einwohnern des Spielzeugdorfes Seiffen dessen Historie näher gebracht. An insgesamt 32 Gebäuden, wie dem Spielzeugmuseum, dem ehemaligen Wohnhaus der Schnitzerin Auguste Müller, der Staatlichen Spielwarenfachschule, dem Erbgericht oder auch am ehemaligen Verlagssitz von Hiemann und Sohn wurden Schilder angebracht. Der neue Erlebnispfad, der auf Initiative des Seiffener Tourismusvereines entstand, bietet eine Möglichkeit, Seiffen aktiv zu erkunden und den Ort auf historischen Pfaden abzuschreiten. Entstanden ist  ein kleiner und ganz spezieller Wanderführer für den Erlebnispfad. Dieser ist in der Touristinformation erhältlich.


Station 8 - Hotel Erbgericht "Buntes Haus"

Das Hotel verdankt seinen Namen der blumigen Malerei des Kunstgewerblers Gerhard Dreßler, der um 1920 den Gasthof, das ehemalige Erbgericht, ausgestaltete und mit Spielzeug und Volkskunst dekorierte.

Das „Bunte Haus“ liegt mitten im Zentrum des Ortes und ist das älteste Gasthaus im Spielzeugdorf. Erstmals wurde es vor 480 Jahren erwähnt und diente nicht nur zur Beherbergung und Beköstigung hungriger Reisender sondern auch als Örtlicher Gerichtssaal, in dem bis in das 20. Jahrhundert hinein Urteile gefällt wurden. Auch die Postkutsche machte in dieser Steller früher Halt. Die kleine Bierstube „Postkutsche“ erinnert hieran.

www.erzgebirgshotels.de