Zur Entstehung und frühen Entwicklung der erzgebirgischen Spielwarenfertigung

Entlang der vorzeitlichen Siedlungsbahnen im Erzgebirgsraum entstanden im Kammgebiet erste Befestigungen, darunter um 1240 die Burg Purschenstein. Deren Herrschaftsraum wurde zu einem Ausgangspunkt für die Entwicklung des erzgebirgischen Spielzeuggewerbes. Für den heutigen Bergflecken Seiffen im Purschensteiner Land erwiesen sich während der ersten Jahrhunderte die reichen "Seifenlager" von Bedeutung. Hier wurden durch Bergleute, genannt "Zinnseifner", aus dem Talschutt kleinste Zinngraupen ausgewaschen. Als "cynsifen" wird dann dieses Gebiet 1324 erstmals beurkundet. Um 1560 gilt auch der Grubenbetrieb in festem Gestein als gesichert.

Gern stellt man sich vor, daß der erzgebirgische Bergmann in seiner Freizeit gebastelt, geschnitzt oder auch gedrechselt habe und in dieser schöpferischen Muße der Grund für das Entstehen der einmaligen Spielzeugkunst zu suchen sei. In westerzgebirgischen Bergorten mit ihrem noch recht lange blühenden, ertragreichen Silberbergbau war volkskünstlerisches Feierabendschaffen wohl der Fall. Hier entstand daraus später ein Zentrum der Schnitzkunst und Klöppelei.

Den Seiffener Zinn-Bergmann führten jedoch nicht Zeiten der Muße zu einem Berufswechsel. Ihn zwang wirtschaftliche Not, den heimischen Werkstoff Holz gewerblich zu nutzen. Ein stetiges Auf und Ab und gravierende Verfallserscheinungen des Zinnbergbaus stellten die Frage Bergmann oder Holzdrechsler immer wieder als wichtige Existenzfrage. Anfänglich als Zweitberuf, geriet im 18. Jahrhundert die Holzbearbeitung mehr und mehr zum bestimmenden Gewerbe. Das Drechseln, als ergiebige rationelle Technik, stand im Mittelpunkt. Offenbar gestaltete sich der Verdienst beim Drechseln bald besser als im Bergbau. Viele, ihrer einstigen Betätigung entfremdete Bergleute, kehrten auch bei späterem kurzzeitigem Aufschwung des Berggeschehens nicht in ihre alten Berufe zurück. Knöpfe, Feder- und Nadelbüchsen sowie andere hölzerne Hohlgefäße waren die ersten Drechslerwaren und wurden bald in größeren Stückzahlen vertrieben. Langsam stieg dieses "Seyffen", trotz ungünstiger Verkehrslage, zum eigentlichen Mittelpunkt der Holzwarenfertigung auf. Das Geheimnis dieses Erfolges beruhte wohl vor allem darin, daß ein Menschenschlag am Werke war, der nachhaltig durch die Bedingungen des Zinnbergbaus geprägt war: Regsam, ausdauernd und opferbereit, werklich geschickt und anpassungsfähig. Diese geistige Haltung und das "bergmännische" Selbstverständnis der Seiffener setzten sich um in eine einmalige technologische und ebenso gestalterische Findigkeit, die später zu Wesenszügen der erzgebirgischen Spielzeugmacherei wurden.

Hausier- und Wanderhandel sowie Besuche von Märkten und Messen beförderten die Produktion. Für 1699 ist ein gewisser Johann Friedrich Hiemann überliefert, der neben Leinewand auch Erzeugnisse der heimischen Holzdrechselei zuerst mittels Schiebbock nach Leipzig zur Messe gebracht haben soll. Etliche Aufträge für Nadelbüchsen und Holzdosen seien die Folge gewesen. Auch Verlagshäuser, die um 1764 in Waldkirchen und Grünhainichen entstanden, führten Seiffener Drechslerwaren in ihrem Angebot. Die Leistungsfähigkeit wasserkraftbetriebener Drehwerke an den schmalen Bächen - oft umgebaute ehemalige Pochstätten - war enorm. Ein niedriges Lohn- und Preisniveau und die spezialisierte Holzdrechselei machten dieses erzgebirgische Wirtschaftsgebiet bald für auswärtige Auftraggeber interessant.

Text: www.spielzeugmuseum-seiffen.de