Das Rädern

war eine Strafe, welche ausschließlich an Männern vorgenommen wurde. Es galt als ehrloseste Form der Strafe und wurde nur bei Mördern oder Majestätsverbrechern vorgenommen. Dabei wurde der Verbrecher zuerst mit ausgestreckten Armen und Beinen auf den Boden gelegt und seine Hände und Füße an Pflöcken festgebunden. Unter die Glieder und den Körper kamen Hölzer, so dass er völlig hohl lag. Der Scharfrichter zerstieß ihm dann mit einem Rad sämtliche Glieder und das Rückgrat. Der Sterbende oder auch schon Tote wurde dann durch die Speichen des Rades geflochten und das Rad steckte man auf den Galgen oder einen Pfosten. Dort blieb der Hingerichtete, zur Abschreckung der Bevölkerung so stehen, bis er völlig verwest war.

So geschehen auch in Neuhausen, auf dem Richtplatz am Schwartenberg:

Am 7. Dezember 1718 wurde dort der 21 jährige Brandstifter und Raub-mörder George Fischer hin-gerichtet, nachdem er am 18. Februar des selben Jahres, zusammen mit einem Komplizen, eine 6-köpfige Heidelberger Familie auf das brutalste ums Leben gebracht hatte.

Alte Purschensteiner Richtstätte

Zu Beginn dieses zweiten Wegabschnittes möchten wir uns mit Ihnen in eine Geschichte hineinversetzten, die sich so über viele Jahrhunderte am Hang des Schwartenberges zugetragen haben kann und wird. Wir wollen uns fragen, was wohl in einem Fuhrmann vor sich gegangen sein wird, der folgendes erlebte:

Ein heißer Sommertag. Viele Tage schon ist er aus Leipzig kommend mit seinem schweren Frachtwagen unterwegs. Sayda, wo er eine Rast eingelegt hatte, liegt hinter ihm. An den Schwemmteichen vorbei ging es nach einer kleinen Anhöhe hinab zum Schloss Puschenstein und ins Dörfchen Neuhausen. Auf der Abfahrt ins Flöhatal scharrten die Schleifklötzer an den Eisenreifen der Wagenräder. In dieses monotone Geräusch mischte sich plötzlich ein anderes. Es kam von weit drüben am gegenüberliegenden Hang. Ein schreckliches Jammern und zwischendurch lautes Schreien war zu vernehmen. Erst glaubte der Furhmann, es sei die Stimme eines Tieres. Aber je näher er kam, war es gewiss: dies war ein Mensch! War da vielleicht jemand im tiefen Hohlweg verunglückt? Im Dorf würde er es erfahren. Doch die Menschen dort liefen bedrückt an ihm vorbei und sprachen nur leise von „Strafe“ und „Pein“. Mehrere Wächter mit Waffen begegneten ihm.

Nach einer kurzen Pause, in der seinem Wagen auch neue Pferde vorgespannt wurden, ging es dann mit vereinter Pferdekraft nun vierspännig den Schwartenberg hinan. 

Der Fuhrmann weiß: Gleich wird er auf einem Bergsattel auf halber Höhe dicht am Weg das hohe Rad erblicken. Auf das Schlimmste gefasst, erschauderte der Reisende bei dem Anblick, der sich ihm nun bot! Ein fast schon lebloser Körper ist, der Sonnenglut ausgesetzt, auf ein riesiges Kutschenrad gebunden, das auf einer zweimal mannshohen Stange befestigt ist. Nun weiß er auch, woher die Schreie gerührt hatten.

Der Fuhrmann hält kurz mit seinem Wagen auf der kleinen Anhöhe inne. Er bekreuzigt sich und in Gedanken versunken, treibt er die Pferde an, um nach dem letzten steilen Anstieg bald die nächste Ausspanne zu erreichen. Dort vermag ihm vielleicht jemand sagen, wer dieser Mensch sei, der hier gefoltert und auf so schreckliche Weise ums Leben gebracht wird. Was hat er wohl verbrochen? An der Ausspanne wird er sich und den Zugtieren eine Verschnaufpause gönnen.

So oder so ähnlich klingen die mündlichen Überlieferungen zur alten „Purschensteiner Richtstätte“, die man bewusst in die Nähe dieses alten Fernweges gelegt hatte. Auf die abschreckende Wirkung war alles angelegt. Auch Hinrichtung war öffentlich und das Volk war angehalten, daran teilzunehmen.

Das „Hohe Rad“ ist auf einer Karte von 1752 dargestellt. Noch heute befinden sich am Wege drei große Steine, die die Stelle der alten Richtstätte markieren sollen. Ein sym-bolisch aufgestelltes „Hohes Rad“ mit Texttafel steht seit 1989 ebenfalls hier. Erlebnisse, wie unser Fuhrmann sie hatte, gehören jedoch lange der Vergangenheit an.

Sie können also den Aufstieg gern wagen!

(Text: Dietmar Geyer, Neuhausen)