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Tipp: Technisches Museum „Alte Stuhlfabrik“

Aus den Zeiten, als die Stuhlproduktion in Neuhausen ihren Höhepunkt erlebte, stammen die Maschinen, die Sie im Technischen Museum besichtigen können. In der ehemaligen Fertigungsstätte VII des VEB Vereinigte Sitzmöbelindustrie Neuhausen  kann heute die Herstellung eines Stuhles vom rohen Holzbrett über die Polsterei bis zum fertigen Stuhl verfolgt werden.

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag
9.00 - 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag
9.00 - 17.00 Uhr

Kontakt:
www.nussknackermuseum-neuhausen.de



Vom unbedeutenden Straßendorf zum Industriestandort - Vom Industriestandort zum Erholungsort

Die Geschichte und Entstehung des Ortes Neuhausen ist untrennbar mit der Geschichte von Schloss Purschenstein verbunden. Der erste urkundliche Nachweis, der den Namen "castro Borssensteyn" (castro =befestigtes Lager) enthält, stammt aus dem Jahre 1289. Auch das Dörfchen Neuhausen versteckte sich anfangs unter dem Namen "Borsinstein". Erst seit 1586 erschienen in Urkunden die Namen Neuenhaus -Neuhause – Newenhausen – Newenhawse, offenbar in oben erwähntem Sinne „neues Haus“ oder Burg. Begründer und Namensgeber der Burg war der der böhmische Graf Borso II.

Noch bis ins 19. Jahrhundert war Neuhausen nichts anderes als ein kleines Straßendorf entlang der „Alten Salzstraße“, die hier im Tal die Flöha durchquerte. Die Burgherren ließen den Flussübergang schützen, gewährten Geleite zur Sicherheit der Fuhrleute und hatten dadurch auch gesicherte Einnhamen in Form von Zöllen und Geleitsgeldern.

Die Einwohner Neuhausens lebten weitgehend von der Waldarbeit und nur zweitlinig von der in dieser Höhenlage nur wenig ertragreichen Landwirtschaft. Viele mussten als Tagelöhner bei der Herrschaft arbeiten. Das Handwerk hatte bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts nur wenig Bedeutung. So werden 1810 nur 2 Schmiede, 6 Schneider und 2 Schuhmacher erwähnt.

Die vorteilhafte Lage an der Flöha und dem Frauenbach und der damit verbundenen Wasserkraft begünstigte schließlich die wirtschaftliche Entwicklung. Frühzeitig waren Mahl-, Öl– und Brettmühlen entstanden, sogar eine Pulvermühle ist für das Frauenbachtal überliefert.

Kurz vor 1700 errichtete ein Unternehmer Otte einen Eisenhammer und betrieb ihn auch einige Jahrzehnte erfolgreich. Damit begann er, ohne es seinerzeit zu wissen, ein Stück deutscher Industriegeschichte zu schreiben. Es war ein Zeughammer, d.h. man fertigte Teile wie Lager, Pleuelstangen oder Beschläge für Maschinen, die z.B. im Bergbau und anderweitig eingesetzt wurden. „Zeug“ oder „Gezeuge“ ist ein alter Fachausdruck für Maschinen, die meist noch viele Teile aus Holz besaßen. Wer sie fertigte, war ein „Zeugarbeiter“. Der Hammer wurde auch „Kunstmühle“ genannt, denn der Berg– und Hüttenmann bezeichnete seine Maschinen anfangs auch als „Künste“, z.B. ein Schöpfwerk war die "Wasserhebekunst“. Diese Neuhausener „Kunstmühle“ wird in der Fachliteratur als eine der ersten Maschinen-baufabriken in Deutschland angesehen.

Wie auch in den umliegenden Orten hatte in Neuhausen auch das Holzdrechseln Fuß gefasst. 1820 sollen sich bereits 100 Personen am Feierabend dieser Tätigkeit gewidmet haben. Mit der Gewährung der Gewerbefreiheit wuchs der Anteil der Handwerker dann sprunghaft an: 1878 werden 16 Schuhmacher, 23 Maurer und 126 beruflich tätige Drechsler genannt, ebenso 25 Stuhlbauer.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erlebte Neuhausen eine wahre "Gründerzeit“ im Stuhlmacherhandwerk. Aus zahlreichen Mühlen und Sägewerken entwickelten sich rasch Stuhlfabriken. Drechsler arbeiteten für die Stuhlindustrie, denn dem Modetrend entsprechend waren Stuhlbeine und Lehnenteile häufig gedrechselt. Ebenso benötigte man zunehmend Holzbildhauer zur Fertigung geschnitzter Teile. Ein ausgesprochener Wettbewerb zwischen den Stuhlfabriken war entbrannt. Wer konnte, stellte eine Dampfmaschine auf. Entscheidend verbesserten sich die Bedingungen noch mal mit der Eröffnung der Bahnlinie nach Neuhausen im Jahre 1895. Nun hatte Neuhausen eine direkte Verbindung zu den Industriegebieten von Chemnitz und Umgebung.

Einen nochmaligen „Schub“ brachte die Nutzung der Elektroenergie, besonders nach dem 1. Weltkrieg. Zunächst hatten sich einige Betriebe ihre eigene Stromversorgung geschaffen, bis man sich an das Überland-Stromnetz anschloss. So hat sich in den 1920er Jahren nochmals ein Aufschwung in der Stuhlindustrie ergeben. Bedeutend war auch der Wohnraummöbel produzierende Betrieb Carl Helbig mit seinem vielseitigen Produktionsspektrum.

Es war zugleich die Zeit, wo im Zentrum das Industriedorf Neuhausen ein fast städtisches Gepräge erhielt. Auch nach außen hin vergrößerte sich mit der Entstehung von Arbeiter-siedlungen das Ortsbild beträchtlich. Es entstanden Wohnungen und Geschäfte, Neuhausen erhielt ein Rathaus und das Postamt.

Nach Ende des 2. Weltkrieges kam es teilweise zur Enteignung der Stuhlbetriebsunternehmer. Andere wurden schrittweise mit in das planwirtschaftliche sozialistische System eingebunden. Höhepunkt dieser Entwicklung war die Schaffung des VEB Vereinigte Sitzmöbelindustrie (VSI), dem auch Betriebe anderer Orte Sachsens angehörten. 600 Arbeiter waren in sieben Betriebsteilen im Ort und weitere 200 in drei auswärtigen Betrieben beschäftigt. Mit der politischen und wirtschaftlichen Wende von 1989/90 endete die „Ära“ der industriellen Holzstuhl-fertigung in Neuhausen. Das mit dieser Industrie gewachsene einheitliche Ortsbild zerfällt und stellt die Menschen neue Herausforderungen.

Nach dem Niedergang der Holzindustrie gewann der Tourismus als Wirtschaftsfaktor zunehmend an Bedeutung. Bereits in der DDR hatten zahlreiche Betriebe aus ganzen Republik in und um Neuhausen Betriebsferienheime und Kinderferienlager errichtet. Nach der politischen Wende verloren diese mit der Schließung zahlreicher Fabriken ihre Existenzgrundlage. Doch im Laufe der vergange-nen Jahre fanden sich viele Investoren, die mit viel Liebe und Enthusiasmus, aber auch mit viel Geld dem Tourismus in der Region neues Leben einhauchten. Es entstanden zahlreiche neue Hotels und Ferienanlagen, die mit ihren abwechslungsreichen und lukrativen Angeboten dafür sorgen, dass Neuhausen wieder zu einem gefragten Ferienziel geworden ist.

(Text: Dietmar Geyer, Neuhausen)