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Von der Schafwolle

Zur Wollgewinnung werden Tiere geschoren. Dann wird die Wolle gewaschen, gekämmt, gefärbt oder gebleicht und häufig zu Garn versponnen. Die so entstandenen Fäden lassen sich dann zu Stoffen weben und zum Stricken verwenden oder sie werden von Hand zu Teppichen geknüpft. Die gereinigte und gekämmte Wolle kann auch zu Filz, einem Vliesstoff, verarbeitet werden. Filz entsteht bei der Bearbeitung des Schafwolle mit warmen Wasser und Seife, wobei sich die Fasern eng vernetzten. Typische Produkte aus Filz sind der Filzhut und der Filzpantoffel. Das Produkt wird auch als Dämmmaterial bei Hausbau verwendet.

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Großes Vorwerk - Schafstall und Signalstation

Ein imposantes Gebäude an der nördlichen Peripherie von Neuhausen ist das Große Vorwerk. Es steht an der Kreuzung zweier wichtiger alter Verbindungsstraßen: 1. die alte Landstraße, die Neuhausen und Sayda verbindet und aus der nahegelegenen „Alten Salzstraße“  hervorging und 2. der einstigen Poststraße Annaberg - Dresden.

Das „Große Vorwerk“ war, wie der Name schon sagt, einst das größte Vorwerk (Nebenhof) in der Herrschaft Purschenstein. Von hier aus wurden einst etwa 250 Hektar Land bewirtschaftet. Ein großer Stall bot 1500 Schafen Platz. Die Schafzucht war für die Herrschaft eine wesentliche Einnahmequelle, denn sächsische Wolle, besonders die aus dem Gebirge, war in vielen Ländern Europas begehrt. Ihre hohe Qualität verdankte sie der Tatsache, dass Kurfürst August die einheimischen Rassen mit den Merinoschafen aus Spanien kreuzen ließ. Etwa 500 Meter vom Großen Vorwerk entfernt findet man die sogenannten „Schwemmteiche“. In diesen wurden die Schafe vor der Schur gewaschen. Hierbei hatten die Untertanen der Herrschaft mitzuhelfen. Das Erbregister bestimmte: „Die von Neuhausen, Dittersbach und Seiffen helfen, den Schafen die Wolle abzunehmen, die Clausitzer, Friedebacher und Kämmerswalder fahren den Mist aus dem Vorwerk, dem Schafstall und der Schäferei hinaus, Heidersdorf und Pilsdorf samt Ullersdorf tun gleiche Dienste...“ Neben diesen Diensten mussten die Bauern das Durchziehen von Schafherden dulden, was auf sogenannten Hütewegen erfolgte. Die Tiere hielten sich aber wohl nicht so genau an die Vorschriften, denn es gab immer wieder Streitigkeiten mit dem Schäfer. - Mit der Ablösung der Fronen seit 1840 ging den Purschensteinern auch das Vorrecht der freien Schafstrift auf den Feldern der Untertanen und damit auch die Bedeutung der Schafzucht verloren. 1893 wurde sie deshalb endgültig eingestellt.

Doch das Große Vorwerk war nicht nur ein landwirtschaftlicher Betrieb. Mit einer Höhenlage von 677 m NN war hier eine Signalstelle eingerichtet, von der aus die Bewohner der Herrschaft vor Gefahr gewarnt wurden. Das "Purschensteiner Land“, dass im Mittelalter 500 Quadratkilometer mit fünf Burgen, vier Rittergütern, zwei Städten, einem Marktflecken und 39 Dörfern umfasste, hatte ständig kriegerische Angriffe zu befürchten. Bei herannahender Bedrohung zündete man ein Signalfeuer an, dass dann bei den Burgen in Sayda, Pfaffroda, Rechenberg und Purschenstein gesehen und weitergegeben werden konnte.

Auch die Kriegswirren späterer Jahrhunderte hat das Große Vorwerk gesehen. So lagerte hier im Jahre 1813 während der Befreiungskriege gegen Napoleon der preußische König Friedrich Wilhelm III. mit seinem Heer. Die Kosten hierfür hatte die Herrschaft aufzubringen.

Im nördlichen, d.h. dem einstigen Mittelbau, befinden sich im Erdgeschoss beeindruckende Gewölbe, die früher als Pferdeställe (Pferde zu Jagdzwecken und für Umspanndienste) und ein Teil im 20. Jahrhundert auch als Schankwirtschaft dienten. Frisches Quellwasser füllt ein noch vorhandenes, riesiges Wasserbasin. Im westlichen der drei Gebäudeteile war bis 1945 im Fachwerkoberge-schoss ein herrschaftlicher "Jagdsaal“ mit reicher Ausstattung untergebracht.

Das seit 2002 privat betriebene Anwesen wird heute schrittweise saniert und kann nach Voranmeldung besichtigt werden.


(Text: Dietmar Geyer, Neuhausen)

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