Frondienste

Für die einzelnen Ortschaften galten verschiedene Bestim-mungen (ein Auszug aus dem Erbregister von 1701):

„Die Untertanen haben nach Anordnung der Herrschaft ihre Schafe zu scheren. Die Bauern aus Neuhausen, Dittersbach und Seiffen treiben bei der Jagd durch das Tragen von „Keil-hauen“ und Klappern. Wer der Jagd fernbleibt, zahlt 6 Groschen Strafe. Die Wege in den Wäldern sind zu räumen. Die Einwohner Seiffens räumen den Schnee von den Landstraßen und den Gräben oder helfen dafür bei der Getreideernte. Die Seiffener fischen ihren Teich selbst ab und sie sind für die Purschensteiner Gärten und Anlagen zuständig. Die Untertanen bereiten das Brennholz für die Schmelzhütte in Seiffen vor und bringen es auch dorthin.“

Die jährliche Dienstzeit betrug für einen Angesessene zwei, für einen Häusler einen und für einen Hausgenossen einen halben Tag.

Von der Landwirtschaft

Das Klima des Erzgebirgskammes ist rau. Der Schnee fällt vereinzelt schon im Oktober und bleibt manches Jahr bis in den April liegen. Späte Frühjahrsfröste und zeitige Herbstfröste lassen die Saat nicht keimen oder das Korn nicht ausreifen. Immer wieder kam es vor, daß Kartoffeln aus dem Schnee gegraben wurden. Kaum 140 frostfreie Tage liegen im Mittel zwischen Aussaat und Ernte. Der Boden läßt den Anbau von Roggen, Gerste, Weizen, Kartoffeln, Flachs, Hackfrüchten und Hafer zu. Auch weiden Rinder an den grünen Hängen.

Die Bewirtschaftung ihres Gutes wurde durch Frondienste der Untertanen gewährleistet. Besonders in der Zeit der Bestellung der Felder und der Erntezeit hatte jeder Bauer und die arbeitsfähigen Mitglieder seiner Familie seinem Herrn zu dienen: Pflügen, säen,  Getreide- und Heuernte, Gartenland bestellen und pflegen, Getreide mahlen, Reparaturen an Zäunen u.ä.

Das übrige Land hatte die Herrschaft verpachtet. Damit  trug der Bauer das Risiko der Produktion selbst, der Grundherr konnte mit festen Einkünften rechnen. Anfangs wurden Abgaben, wie der Pachtzins mit Naturalien wie Getreide aber auch Fleisch, Gänsen, Hühnern, Eiern und Flachs bezahlt, später wurden sie zu Geldabgaben.

Die Untertanen waren verpflichtet, ihr Korn nur in den herrschaftlichen Mühlen mahlen zu lassen. Ziegen, Enten und Gänse durften gehalten werden, aber so dass sie an Feldern, Fischereien, Teichen und Wäldern keinen Schaden anrichten.

Der Bauernaufstand von 1525 richtete sich gegen die Feudalherrschaft. Die Bauern wollten von der Herrschaft die freie Nutzung von  Wild, Was-ser und Wald, sowie die Abschaffung der Frondienste. Große Schäfereien sollten verschwinden. Vor Purschenstein erschienen Aufständige.    

Im Dreißigjährigen Krieg wurden viele Bauernhöfe verwüstet. Ackerflächen lagen brach, Unkraut, Gestrüpp und  Bäume wucherten darauf. Es fehlte an Zugvieh und an Dünger. Finanzielle Verluste zwangen die Familie von Schönberg, Teile ihres Besitzes zu veräußern. Sie bemühten sich, die wüsten Hausstellen wieder zu besetzen und neue Untertanen anzusiedeln. Es wurden Glaubensflüchtlinge aus Böhmen aufgenommen.

Durch den Siebenjährigen Krieg (1756-63) entstanden erhebliche Schäden durch die Zahlung an die preußischen Besatzer. Einquartierungen, das Lagern der Truppen auf den Feldern und Wiesen, Plünderungen und das Wegführen von Pferden und Schlachtvieh mussten ertragen werden. Die tägliche Lieferung von Lebensmitteln an die Truppen wurden ebenfalls von der Bevölkerung verlangt. Hinzu kamen Missernten in den Jahren danach. Der Rittergutsbesitzer auf Purschenstein erhöhte die Abgabesummen und Dienste seiner Untertanen, um damit seine eigenen wirtschaftlichen Schäden schnell ausgleichen zu können. Die Löhne für das Gesinde wurden gekürzt, die Mägde ab 1771 zum abendlichen Spinnen angehalten. Es wurden gerichtliche Exekutionen durch-geführt wegen fehlender Malzfuhren, die ausgerechnet während der Erntezeit nachgeholt werden sollten. Um die Wollproduktion  zu steigern, wurde die Zahl der Schafe von 950 auf 1300 erhöht, die dann wöchentlich einmal über sämtliche Felder und Flure der Herrschaft hinweg zogen. Die daraus folgenden sinkenden Heuernten der Bauern verminderten deren Vieh-bestand. Den Müllern wurden Schweine unentgeltlich zur Mast gegeben und den Bauern verboten, ihre Ziegen im Wald zu hüten.      

In einigen Orten des Erzgebirges stieg der Preis des Scheffels Roggen vom Frühjahr 1770 bis zum Früh-sommer 1772 auf über das Zehnfache (von 1 Taler 4 Groschen auf 14 Taler), Der Preis für ein Sechspfundbrot auf das Sechsfache ( von 2 Groschen auf 12 Groschen). Der Wochenlohn eines Bergarbeiters betrug 24 Groschen, womit er in guten Jahren 12 Sechspfundbrote kaufen konnte.

Die Nachricht von den revolutionären Ereignissen in Frankreich 1789 und die Kunde von der Selbsthilfe der Bauern in andern Teilen Sachsens bestärkte den Widerstandswillen der Bauern des oberen Erzgebirges. Am 30. August 1790 zogen Bauern der umliegenden Ortschaften  zum Schlosshof in Neuhausen. Sie forderten einen höheren festgesetzten Lohn für das Gesinde, die Aufhebung des Gesindezwangs und die Abschaffung der Schafweide auf ihren Feldern und Wiesen. Weiterhin wollten sie in Zukunft keine Dienste mehr leisten.  Seiffener Bewohner erschienen nicht zum Flachsbrechen. Der Aufstand wurde am 13. September von der Herrschaft beendet und die Anführer in Haft genommen. Die Untertanen kehrten zu ihrer Arbeit zurück . Es hatte sich nichts geändert. Obwohl sich mancher Bauer von früh bis spät plagte, hatten er und seine Familie kaum genug zum Leben. Es war noch nicht möglich, größere Vorräte an Lebensmitteln anzulegen, so führten Mißernten folglich zu Hungersnöten. Wenn Schrot und Mehl verbraucht waren, bestand große Versuchung das Saatgetreide anzugreifen. Manchmal wurde etwas abgezwickt, in der Hoffnung auf eine bessere Ernte im nächsten Jahr. Weil das Heu oft in schlechten Zeiten nicht ausreichte, um das Vieh den Winter über zu füttern, musste eine Kuh nach der anderen geschlachtet werden. Das Futter reichte häufig nicht einmal für die Zugtiere.

Es gab wohl nur wenige Familien in unserer Gegend, die sich allein von der Land-wirtschaft ernähren konnten. Nebenerwerbe  waren gesucht. Es war auch üblich, dass Handwerker und Bergleute nebenher eine kleine Landwirtschaft betrieben, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Im Zuge der Staatsreform in Sachsen 1831 erlangten die Bauern ihre Freiheit von den Bindungen an den Grundherrn. Allerdings mußten sich die Bauern „loskaufen“. Die Ablösung erfolgte mittels Geld von der Landesrentenbank. Dabei wurden sämtliche Dienste und Abgaben kapitalisiert und mit 25 multipliziert, das bedeutete, dass den Grundherrn diese Abgaben und Dienste für weitere 25 Jahre im voraus mit einem Mal ausgezahlt wurden. Die Bauern zahlten das Darlehen mit 4 Prozent Zinsen zurück. Der Gesindezwang wurde 1833 aufgehoben. Ab 1837 durfte Bauernland von jedem gekauft werden. 1843 wurden Grund- und Hypothekenbücher eingeführt, um diese Ware zu verwalten.
Am 12.9.1840 beurkundete Utz von Schönberg für sich und seine Nachkommen den Wegfall der Dienste und Abgaben seiner Untertanen. Von der Bauernbefreiung und Grundentlastung erhoffte man einen schnellen Aufschwung der Landwirtschaft. Dazu war eine Verbesserung des Feldbaus und eine Erhöhung des Viehbestandes nötig. Dem einfachen Gebirgsbauern fehlte nicht nur das Geld, sondern auch die Aufgeschlossenheit gegenüber Neuerungen. Auch wurden viele Abgaben der Herrschaft durch höhere staatliche Steuern ersetzt.

Im Oktober 1945 wurde im Schwartenberggebiet die Bodenreform durchgeführt. 2292 Hektar Wald und Ackerland gingen aus dem Besitz der Herren von Schönberg in die Hände des Volkes.

(Text: Catrin Bilz, Seiffen)