Erste Siedler im Dunkelwald

Sayda war nicht nur ein Orientierungspunkt, es war wohl auch ein sehr früher Rastplatz für Händler und Fuhrleute, die ihre Waren über die Alten Salzstraße transportierten. Dies lässt vermuten, dass die Siedlung Sayda bereits vor ihrer frühesten Nennung, die im Jahr 1207 stattfand, existierte.

Spätestens nach dem Fund des Silbervorkommens bei Freiberg, beschleunigte man von Böhmen aus die Besiedlung des hiesigen Kammgebietes. Naheste böhmische Grundherren waren die Hrabišice, die Burggrafen von Bilin. Zur Unterstützung rief Slavko I. Zisterziensermönche aus Waldsassen und stiftete ihnen das Kloster Osek/Ossegg.

Zisterzienser waren mit dem notwendigen, technischen Wissen ausgestattet um Wälder urbar zu machen. Der einzige Weg der damals hinter den Kamm führte, war die Alte Salzstraße. Hinter dem Kamm, in Brüderwiese, wurden eine Kapelle und eine Klause, ein Wohnhaus, angelegt. Von hier aus fanden sie wohl das Zinnvorkommen in Seiffen. Zur Rodung des dichten Waldes legten sie Glashütten an. Drei dieser Hütten, die zu den ältesten im Erzgebirge zählen, arbeiteten um 1200 nahe der Alten Salzstraße. Bei Deutscheinsiedel fand man einen Topf, der aus dieser Zeit stammt.

Die Siedler kamen vorrangig aus dem mainfränkische Gebiet und aus Thüringen. Ob auch Slawen unter den Siedlern waren, ist nicht bekannt. Zu ihren Aufgaben gehörte natürlich auch die Betreuung der Kirchen, so vor allem der in Sayda. Mitte des 13. Jahrhunderts gründete Boresch I. die Burg Purschenstein. Mit der Burg Sayda und Purschenstein, verfügte dieser kleine Landstrich über zwei Konzentrationspunkte für eine verstärkte Besiedlung. Vor allem Bauern, aber auch Bergleute rodeten Teile des dichten Waldes und schufen so Freiflächen auf denen sie Häuser bauen und Felder anlegen konnten. Die Alte Salzstraße wurde so zur wichtigsten Siedelbahn im Osterzgebirge.

Die erste Besiedlungswelle

Ab Mitte des 12. Jahrhunderts veränderte sich das Gesicht des Ost-Erzgebirges innerhalb von weniger als einhundert Jahren ziemlich grundlegend. Im Süden war um 1158 das Königreich Böhmen gegründet worden, und im Norden hatte sich die deutsche Herrschaft inzwischen soweit gefestigt, dass immer neue Siedler ins Land zwischen Saale und Elbe einwandern konnten. Vor allem die energischen Markgrafen Otto (1156–90) und Dietrich (1197–1221) förderten die planmäßige deutsche Kolonisation des Landes. Gleichermaßen aktiv war auf der Südseite des Erzgebirges das Adelsgeschlecht der Hrabischitze, vor allem Boresch I./Borso I. (ca. 1150–1207).

Die Silberfunde bei Christiansdorf (dem späteren Freiberg) 1168 (lt. Legende durch Hallesche Salzfuhrleute) und, etwas später, die Zinnvorkommen bei Graupen/Krupka lenkten die Aufmerksamkeit auch auf das Ost-Erzgebirge. Es setzte ein regelrechter Wettlauf zwischen Böhmenund Meißen um die Besiedelung des Gebirges ein. An den Verkehrswegen wurden Burgen angelegt. In der Nähe der Alten Salzstraße entstanden Anfang des 13. Jahrhunderts die Riesenburg und etwas später Purschenstein. In der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Burg Rechenberg erbaut.

Die Herrscher von Meißen und Böhmen schickten Werber (sogenannte Lokatoren) gen Westen, vor allem ins immer dichter bevölkerte Thüringen und Franken, um mit Versprechungen über Steuervergünstigungen und sonstige Freiheiten Siedler ins Gebirge zu holen. So erfolgte die Gründung von Dörfern für damalige Verhältnisse ausgesprochen
planmäßig, zielgerichtet und in historisch sehr kurzer Zeit.