Tipp: Köhlerei im Seiffener Freilichtmuseum

Wenn Sie sich näher über das Leben und Arbeiten eines Köhlers informieren möchten, dann besuchen Sie doch das Erzgebirgische Freilichtmuseum in Seiffen! Sie finden dort ein Funktionsmodell eines Kohlemeilers in Originalgröße und eine Köhlerhütte aus Stein nach einem Vorbild aus dem 19. Jahrhundert.

Das Museum in der Hauptstraße 203 hat täglich von 9 - 17 Uhr geöffnet. Kontakt: Telefon: 037362-8388 oder 8239 www.spielzeugmuseum-seiffen.de

Vom Miriquidi zu Fichtenforsten - und zurück zu Naturwäldern?

Beitrag von Jens Weber aus "Grünes Blätt`l - Umweltinfos zwischen Wind- und Geisingberg", Januar 2008 (www.gruenes-blaettl.de)

Dichter, undurchdringlicher Urwald hätte das Erzgebirge bedeckt, wird gemeinhin angenommen. Ob der sagenumwobene Miri Quidi ("Dunkelwald") tatsächlich so dicht und undurchdringlich war, mag bezweifelt werden, aber weitgehend unberührt von Menschen blieb er bis Mitte des 12. Jahrhunderts sicher. Von da ab prägte der Mensch die Landschaft, rodete den Wald, wo immer die Böden ausreichend Ertrag versprachen, plünderten die Holzvorräte der verbliebenen Bestände und forsteten schließlich mit Nadelholz-Monokulturen auf. Die Mannigfaltigkeit der Wälder war dahin. ..

Der wilde Wald von „Hänsel und Gretel“

Nach Ansicht der Menschen im Mittelalter waren große, fast undurchdringliche Waldgebiete, Wälder vor denen man sich fürchtete, in dem böse Geister hausten, in dem man sich verirren konnte und wilden Tieren begegnete. Diese Haltung blieb über Jahrhunderte Bestehen.

Die alten deutschen Volksmärchen, wie „Hänsel und Gretel“, „Rotkäppchen“, „Jorinde und Joringel“, „Schneeweißchen und Rosenrot“, erzählen von den oft abergläubischen Vorstellungen. Für die Schönheiten des Waldes hatte man keinen Sinn. Nur in den Randgebieten, nahe der Siedlungen, wurde man heimisch, aber nur, weil man diese für sich nutzen konnte: Dort sammelte man Beeren, Kräuter, Pilze und Brennholz und von dort konnte auch das für den Bau von Häusern und Werkzeugen notwendige Nutzholz bezogen werden. Die Jagd, ob Klein– oder Großwild beschränkte sich ebenfalls auf die Randgebiete

Im Wald lebten nur die Köhler, die ihre Meiler zur Erzeugung von Holzkohle mitten im „wilden Wald“ ansteckten, weil dort das Holz nahe war. Von den Bewohnern der Siedlungen wurden sie ausgegrenzt, denn wer im Wald überlebte, der musste mit den bösen Mächten im Bunde stehen.


Kyrillisches Fichten-Mikado

"Willst du einen Wald vernichten, so pflanze Fichten, Fichten Fichten!"

Beitrag von Jens Weber, Grünes Blätt´l (www.gruenes-blaettl.de), Februar 2007

Dieser bissige Spruch kam mir in den Sinn, als sich am Abend des 18. Januar das Krachen umstürzender Bäume in das Tosen der Sturmböen mischte. Aufgeschnappt hatte ich den Satz 1991 von Georg Sperber, einem der profiliertesten Verfechter naturgemäßer Waldwirtschaft, bei einem Besuch im Steigerwald. Damals hatten die Orkane "Wiebke" und "Vivian" in den Fichtenforsten Bayerns gigantische Schäden verursacht, während sich die meisten Mischwälder der "naturgemäßen" Forstbetriebe erstaunlich robust zeigten.

Und auch bei "Kyrill" war es wieder der "Brotbaum" der Forstwirtschaft, den es am meisten erwischte.

Natürliche Fichtenwälder gäbe es von Natur aus im Erzgebirge vor allem in Frostmulden (auf armen und meist feuchten Böden). Ansonsten treten Fichten von Natur aus nur untergeordnet in Berg-Mischwäldern auf. Die Herrschaft wurde von der Natur bei uns fast überall der Buche zugedacht, in Mischung mit Weiß-Tannen, Berg-Ahorn, und eben auch Fichten. Nur in den höchsten Gebirgslagen, über 850 m, wäre das Klima vielerorts so rau, dass Fichten die Oberhand gewinnen könnten. Aber gerade ganz oben im Gebirge ist die Wuchsleistung der Bäume soweit eingeschränkt, dass sie nicht in den Himmel wachsen - Stürmen mithin keine allzu große Angriffsfläche bieten.

Anders ist es in den menschengemachten Fichtenforsten, die seit fast 200 Jahren unsere "ordnungsgemäß" bewirtschafteten Wälder prägen. Zweifellos wachsen die Fichten auf den klimatisch günstigeren Standorten, die von Natur aus eben Buchenmischwälder wären, viel schneller und größer als auf dem Erzgebirgskamm. Seit geraumer Zeit kommt ihnen auch noch reichlich Düngung aus den Stickoxid-Abgasen von Autos und Ölheizungen zugute. In dicht gepflanzten Beständen treiben sie sich gegenseitig in die Höhe, verlagern ihren Schwerpunkt sehr weit nach oben.

Der Sturm der vergangenen Woche hat nun ein paar Erkenntnisse mit sich gebracht, die lohnenswert sind, aufgeschrieben und diskutiert zu werden, bevor Harvester und Forwarder mit den gebrochenen Stämmen auch die Erinnerungen beseitigen. Noch ist allerdings die Reflexion recht spontan, ungeordnet und vorläufig.

Anders als man als meteorologischer Laie es hätte erwarten können, zog die breite Sturmfront nicht halbwegs gleichmäßig über das Land, sondern in kurzen, sehr heftigen Böen, unterbrochen von Momenten weniger starken Windes, ja teilweise sogar fast völliger Windstille. Offenbar führte dies zu einem heftigen "Aufschaukeln" der schwankenden Stämme, bis deren Elastizität oder das Haltevermögen der Wurzeln überfordert waren.

Am meisten betroffen waren zweifelsohne Fichtenforsten, die jahrzehntelang nicht durchforstet, in den letzten Jahren dann aber wegen der gegenwärtig (noch?) hohen Holzpreise plötzlich sehr stark gelichtet worden waren. Dies betrifft beispielsweise Bestände bei Bärenhecke, die einem österreichischen Holzunternehmer gehören. Hier wurden 2005/06 in einem Ruck teilweise 50 % aller Bäume herausgenommen. Die verbliebenen Exemplare, die ja dicht bei dicht in die Höhe gewachsen waren, hatten nun nur sehr weit oben eine kurze, kompakte Krone - und darunter einen sehr langen, dünnen Hebelarm.

Erstaunlich viele gleichaltrige Fichtenbestände (selbst solche mit schlimmen Schälschäden und extrem schlechtem Pflegezustand) scheinen halbwegs heil davon gekommen zu sein, solange nur tiefbeastete Randfichten genügend Windschutz gaben. Dies wurde offenbar in den letzten Jahren auch im Rahmen des "ökologischen Waldumbaus" nicht genügend berücksichtigt, wenn man glaubte, den in den Fichtenforsten gepflanzten Laubbäumen mehr Licht geben zu müssen (war wohl auch bissel mein Fehler bei uns im Bielatal - da liegen auch etliche der vor 30 Jahren gepflanzten Fichten lang).

Auch die Borkenkäfer-Notfällungen der letzten Jahre haben die Bestände aufgerissen, ebenfalls vor allem die sturmsichernden Randbäume. Trockenheit (die die Fichten anfällig macht gegen die Borkenkäfer) und Stürme werden nach den Klimawandelprognosen noch deutlich zunehmen.

Einzelstehende, tief bekronte Fichten hat es kaum einmal erwischt - es sei denn, irgendwelche Baumaßnahmen, Gewässerinstandhaltungen etc. haben ihnen zuvor irgendwann die Wurzeln beschädigt.

Besonders wurfgefährdet sind Fichten vor allem auch entlang der Bachläufe und in feuchten Senken. Die ökologischen Bedingungen kommen dieser Baumart zwar zunächst sehr entgegen, aber alle paar Jahrzehnte räumen hier Stürme besonders gründlich auf. Auf den nassen Böden wurzeln die Flachwurzler besonders flach, und Fäulnispilze greifen hier besonders schnell an.

Sehr flachgründig wachsen die Fichten auch auf den armen Quarzporphyrböden. Die herausgerissenen Wurzelteller offenbaren beispielsweise entlang der Hochwaldstraße arme Podsolböden, unter denen schon in wenigen Dezimetern Tiefe der taube Gesteinszersatz lagert. Die Nährstoffe befinden sich fast ausschließlich in der Humusauflage, also den obersten Zentimetern. Klar, dass die Bäume vor allem dort ihre Wurzeln ausbreiten. Verblüffend flachwurzelig wachsen dort auch die Kiefern (von wegen "Pfahlwurzler", wie die Kinder in der Schule lernen - das gilt nur für märkischen Sand, nicht für harten Erzgebirgsporphyr).

Erheblich stabilisierend auf die Bestände haben sich erwartungsgemäß Mischbaumarten ausgewirkt. Das gilt auch und ganz besonders für die bei vielen Förstern verhassten Birken. Selbst ziemlich biegsam und zäh, haben sie den Sturmböen einen Teil der Energie abgenommen. Naheliegenderweise hat es auch sonst unter den Laubbäumen nur wenige Opfer gegeben, da die unbelaubten Winterkronen nur wenig Angriffsfläche boten.

Wie gesagt: erstmal nur eine vorläufige, noch wenig tiefgründige Auflistung von Sturmeindrücken. Ich habe in den letzten Tagen versucht, ein paar schlauere Stimmen aus dem Internet zu filtern. Aber erstaunlicherweise hat sich bislang noch kaum jemand geäußert zu den Folgen des Orkans für Natur und Forstwirtschaft. Keine Pressemitteilung des Sächsischen Umweltministeriums, keine aktuelle Meldung der Forstvereine und -zeitschriften, Schweigen auch in der virtuellen Welt der Bundesbehörden.

Der Forstbezirk Bärenfels gab der Sächsischen Zeitung gegenüber eine Schätzung von 200.000 geworfenen und gebrochenen Bäumen ab - 50 % mehr, als dieses Jahr planmäßig geerntet werden sollte. Aber die Bestandsaufnahme ist noch lange nicht abgeschlossen. Dennoch: die meisten Waldbestände sind bei uns noch halbwegs intakt geblieben. Umgekippt hat Kyrill fast überall nur Einzelbäume; flächige Windwürfe sind eher die Ausnahme.

In den nächsten Monaten werden die Fichten-Förster beim Wettlauf mit den Borkenkäfer mächtig beschleunigen müssen. Seit dem Hitzesommer 2003 tummeln sich mehr als reichlich Kupferstecher und Buchdrucker in unseren Wäldern. Der letzte, erneute Rekordsommer hat den kleinen Tierchen noch einmal richtigen Schwung verliehen (und den feuchtebedürftigen Fichten zugesetzt). Der Tribut, den bereits in den letzten Jahren die Borkenkäfer gefordert haben, war annähernd so hoch wie der des Sturmes.

Wenn überhaupt, kann nur stabilen, vielschichtigen Mischwäldern die Zukunft gehören anstatt technikangepassten Forsten. Der "ökologische Waldbau" muß mit aller Konsequenz fortgeführt werden, auch wenn dies reichlich (Steuer-)Geld kostet.

Kyrill war nicht der letzte, der mit unseren Fichten Mikado spielen will.