Wie unser Erzgebirge früher hieß

Erzgebirge – ein fester Begriff - ein treffender Begriff, der den Erzreichtum und den damit zusammenhängenden Bergbau in den Vordergrund stellt. Doch wahrscheinlich wurden die reichlichen Bodenschätze erst seit der Besiedlung zu Tage gefördert und der Beginn der Besiedelung unseres Gebietes liegt gerade mal ca. 1000 Jahre zurück. Zu dieser Zeit war das Erzgebirge ein einziger Wald mit wenigen Lichtungen und die Alte Salzstraße von Halle über Sayda nach Prag vielleicht der einzige Weg übers Gebirge.

Dieser Wald war seit seiner Entstehung vor mehreren tausend Jahren fast unberührt. Der älteste Name, damit sind jedoch auch angrenzende Gebirge, vom Riesengebirge bis hin zum Böhmer Wald gemeint, wurde vom Römischen Kaiser Cäsar und Aristoteles überliefert und heißt „AKRYNIA“. Dieser Name geht auf die keltische Bezeichnung Erkynia, die Eiche zurück. Die Eichen waren auch zur Zeitenwende, als die Markomannen in Böhmen lebten die herausragendsten und wohl auch imposantesten Bäume.

Erstmals in einer Urkunde Kaisers Otto II. für den Bischof von Merseburg aus dem Jahre 974 tritt der vielzitierte Begriff „MIRQUIDO“ auf. Die Urkunde spricht vom Jagdwild im großen Walde Miriquidi. Er ist eine nordgermanische, altsächsische Bezeichnung und bedeutet: mirki = finster; widu = Holz oder Wald, also der „Finstere Wald“. 130 Jahre später schreibt Thietmar von Merseburg in seiner Chronik von einem großen Wald, der Miriquidi heißt und der den gesamten Meißnischen Gebirgszug einnahm. Dieser Name ist nun auf das Gebirge bezogen, dass die böhmischen von den sächsischen Wohngefilden trennte.

Seit der Kaiserchronik aus der Zeit um 1150 wird das Gebirge als "BÖHMER WALD“ bezeichnet. Diese Bezeichnung war fest verwurzelt. So erzählte Till Eulenspiegel, dass sich „aus Thüringen gen Dresden vor dem Böhmer Wald hub.“ 1575 zeigt die Reisekarte des Kurfürsten August zwischen Joachimsthal und Annaberg den Schriftzug „Böhmer Wald.“ Als Böhmer Wald blieb letztlich die Bezeichnung eines Grenzwaldes zwischen Bayern und Böhmen.

Sei Ende des 16. Jhd. wird der Name „Böhmer Wald“ immer mehr durch den Namen „ERZGEBIRGE“ verdrängt. Zuerst lesen wir den Namen bei Peter Albinus im Jahre 1589. Damit waren jedoch vorläufig nur einige wichtige Bergwerke bezeichnet. Ab 1626 spricht jedoch auch die Verwaltungssprache vom Erzgebirge. Trotz mancher weiteren Nennung als böhmischer Wald, so bei Schillers „Räuber“, wird „Erzgebirge“ zum festen Bestandteil der deutschen Sprache.

(Text: Dr. Albrecht Kirsche, Dresden)