Schule im Mittelalter

Im Mittelalter gab es auf dem Lande noch keine Schulen. Nur in größeren Städten wurden von der Kirche sogenannte „Lateinschulen“ unterhalten, die vorrangig den Söhnen wohlhabener Familien offen standen.

Teilweise gab es auch schon einfache Schreibschulen. Diese stellten den niedrigsten Grad der Bildung dar. Der Schwerpunkt des Unterrichts lag auf dem Erlernen des Lesens und Schreibens in der Volkssprache. Auch umherziehende Schulmeister gab es, die diese Fertigkeiten lehrten.

Mit der Reformation gab es nicht zuletzt auch durch die gewachsene Rolle der Kaufleute Bestrebungen, das Bildungswesen zu erneuern. So genannte „Deutsche Schulen“ sollten vermitteln, was ein junger Handwerker und Kaufmann nötig hatte: Lesen, Schreiben, Rechnen und etwas Geographie. Martin Luther rief dazu auf, das Schulwesen auch auf dem Lande durchzusetzen. In Sachsen geschah dies dann auch durch die von ihm angeregte Kirchen- und Schulvisitation. Diese wählte für die einzelnen Gemeinden Pfarrer und Lehrer aus und bestätigte sie auch, wenn sich diese in ihrem Amt bewährten.

Von einem rechten Schulmeister verlangte man Kenntnisse in Latein, „Arithmeticis“ und eine musikalische Vorbildung. Letztere war von besonderer Bedeutung, da bestimmte kirchendienstliche Aufgaben von ihm verlangt wurden. Das Singen bei Begräbnissen, bestimmte Verrichtungen bei Taufen und Hochzeiten gehörten ebenso dazu wie das Morgen- und Abendläuten. Das Einkommen des Schulmeisters hing oft von der Verrichtung dieser kirchlichen Dienste ab. Das Schulgeld berechnete man nach dem Lehrinhalt. Die Armut der Lehrer versetzte sie in die Rolle entwürdigender Bittsteller. Um jedes Hochzeitsessen, um jedes Taufmahl wurde gefeilscht.

600 Jahre Schule in Sayda

Im zweiten Stadtbrief der Stadt Sayda von 1463 ist zu lesen:"...Auch sollen die Bürger der Schule vorstehen und Macht haben aufzunehmen und zu bestätigen einen Schulmeister...". Aber auch schon vorher muss es eine Schule in Sayda gegeben haben. So wird im Bäckerinnungsbrief von 1443 festgelegt, dass bei Beerdigungen die "Chorschüler" mitwirken sollen.

Anfangs war die Schülerzahl gering. Vermutlich gingen nur die Kinder der bessergestellten Handwerker und Händler zur Schule. Mit der Einführung der Reformation war auch eine innere Umgestaltung der Schule verbunden. 1835 wurde ein allgemeines Schulgesetz erlassen und die allgemeine Schulpflicht eingeführt. 1870 unterrichten drei Lehrer 316 Schüler. 1884 besuchten von den damals 1581 Einwohnern 334 Volksschüler und 56 Fortbildungsschüler den Vormittags- und Nachmittagsunterricht. (Übrigens ist seit dem die Einwohnerzahl von Sayda fast konstant geblieben. Die Schülerzahl hat sich jedoch dramatisch reduziert. Im Jahr 2003 gab es nur noch ca. 150 Schüler aus Sayda.

Neuhausen bekam erst zweihundert Jahre später, als nächster Ort in der Region eine Schule. Als der erste Lehrer wird Stephan Richter 1599-1614 in den Kirchenbüchern genannt.

Zu dieser Zeit erhielt auch Seiffen seine eigene Schule. Kinder aus Deutscheinsiedel, Heidelberg, Deutschneudorf, Brüderwiese, Oberseiffenbach und Niederseiffenbach gehen dorthin zur Schule.

Die weiten Schulwege fielen den Kinder sehr schwer. Oftmals kam es zu Schulversäumnissen wegen der Witterung, fehlender Kleidung oder weil die Eltern das Schulgeld nicht aufbringen konnten. Der Neuhausener Pfarrer beschwert sich: „Zum Seyffen gehet kaum der 4. Teil der Kinder und zum Heidelberg kaum der 8. oder 10. zur Schule, und die geschickt werden, werden des Kühe- oder Viehhütens und des Pochens leider allzu zeitig herausgenommen.“ Er würde empfehlen, für die umliegende Orte eigene Lehrer anzustellen und weißt aber darauf hin, daß derzeit nicht daran zu denken sei. Die Einkünfte des Seiffener Lehrers sind schon so gering, daß sie unmöglich mit mehreren geteilt werden könnten.

Nachdem im 20. Jahrhundert jeder Ort seine Schule hatte, werden heute im 21. Jahrhundert wieder Schulen geschlossen und die Kinder müssen erneut weite Wege auf sich nehmen, wobei sie allerdings nicht mehr selbst laufen müssen, sondern gefahren werden.