Getreidehändler
Obsthändler

Pandels bunte Bühne

Dieses traditionelle Marionettentheater sorgt auch heute noch für Unterhaltung! Es ist seit Generationen in Familienbesitz. Hansi Pandel spielt mit traditionellen Marionetten und traditionell gemalter Dekoration eine "bunte" Palette des Puppenspiels - angefangen bei der Sage, über das Volksmärchen bis hin zum Varietéprogramm. Mit seiner Tourneebühne kann er überall auftreten.
Kontakt:
Heimatverein Mortelgrund

hans-joachim.pandel(at)mortelgr

Von Händlern und Märkten

Im Stadtbrief von 1442 wurde der Stadt Sayda das Recht bestätigt, Salz- und Wochenmärkte abzuhalten. Dieses Recht war im Mittelalter für die städtische Entwicklung von entscheidender Bedeutung. Denn mit den Marktprivilegien sicherte der Landesherr dem Markt auch seinen Schutz zu. Händler und Handwerker brauchten einen Wohnsitz, wo sich Waren stapeln und gar Gold– und Geldwerte horten ließen, ohne zu große Gefahr des Diebstahls oder Raubes. An gut geschützten Märkten siedelten sich Kaufleute an, die von hier aus ihren Fernhandel betreiben und ihre Waren auch vor Ort verkaufen konnten. Dies zog wiederum regionale Händler (so genannte Hausierer) an, die hier Waren einkauften, um sie wiederum in den oft weit verstreuten Dörfern anzubieten. Für die Dorfbevölkerung waren diese Händler unverzichtbar. Das zeigt schon das von ihnen angebotene Warensortiment: Eisenwaren, Nägel, Messer, Hausrat aus Zinn, Eisen oder Kupfer, Schwämme, Wagenschmiere, Mückenpulver, Stockfisch, Hering, Öl, Gewürze, Heilkräuter und vieles mehr. Umgekehrt brachten diese auch Waren aus dem dörflichen Handwerk ,wie Töpferwaren und Holzschuhe, sowie landwirtschaftliche Erzeugnisse, wie Eier, Gemüse und Geflügel, auf den Markt. Auch überregional tätige Hausierer gab es. So wird von welschen Pomeranzen– und Zitronenhändlern aus Italien berichtet, die in gebrochenem Deutsch („Kauderwelch“) ihre Waren feil boten. Bauern brachten ihre Erzeugnisse, nichtbäuerliche Leute zog es auf den Markt, um Lebensmittel einzukaufen. Nach und nach entwickelte sich eine Gemeinde um den Marktflecken.

Will man sich das Leben und Treiben in dieser Stadt vorstellen, muss man sich daran erinnern, dass die Ankunft oder Abfahrt eines großen Wagenzuges der Kaufleute ein bedeutendes Ereignis darstellte, dass die Stadt lange beschäftigte. An gewöhnlichen Tagen brachten Ausrufer Leben in die Gassen: Korbmacher, Hausierer, Kesselflicker, Messerschleifer, Lumpensammler, Schornsteinfeger, Bader und Kuchenbäcker boten ihre Waren und Leitungen feil. Das Auftreten von Wunderärzten, Zahnbrechern und Zigeunern sorgte für besondere Aufmerksamkeit.

Neben Salzmärkten fanden in Sayda regelmäßig Wochenmärkte statt. Hier wurden vorwiegend frische Nahrungsmittel (wie Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Milchprodukte) und andere Waren des täglichen Bedarfs zum Verkauf angeboten. Das Recht zum Abhalten eines drei Tage dauernden Jahrmarktes, jährlich am Sonntage nach Himmelfahrt Mariä (15. August), wurde 1468 verliehen. Später wurde noch ein Frühjahrsmarkt am Montage vor Christi Himmelfahrt eingeführt. Diese Märkte gehörten im Mittelalter zu den wichtigsten Ereignissen in der Gesellschaft. Händler kamen oft von weit her und verbrachten einige Zeit am Marktort. Sie ließen damit einen Teil des auf dem Markt erwirtschafteten Gewinns in Herbergen und Geschäften.

Ein Jahrmarkt war auch in sozialer Hinsicht von größter Bedeutung, denn hier wurden Nachrichten aus entfernten Gebieten ausgetauscht. Oft wurden auch kirchliche Sonderveranstaltungen gehalten. Gaukler, Wahrsager, Musikanten, Seiltänzer, und Marionettenspieler aber auch reisende Ärzte und Barbiere (meistens waren es eher Quaksalber) sorgten für beliebte Kurzweil für das Volk. Bettler, die im Mittelalter zum Stadtbild dazu gehörten, konnten auf reichliche Almosen hoffen, denn das Geld saß bei den Stadtleuten an jenen Tagen lockerer als gewöhnlich. Weniger willkommen waren die Beutelschneider, die Diebe.

Früher hatten die Kinder der umliegenden Dörfer, wie auch der Stadt Sayda schulfrei, wenn Jahrmarkt war, was sich sehr auf die Besucherzahlen auswirkte. Niemand blieb da daheim. In den Jahren 1859 bis 1863 haben im Schnitt 206 Händler je Markt ihre Ware angeboten. Im Sommer 1826 waren es sogar 262 Stände.

Den Wochenmarkt gibt es in Sayda heute noch, auch wenn Waren des täglichen Bedarfs in verschiedenen Geschäften erhältlich sind. Märkte mit besonderen Attraktionen gibt es z.B. bei Stadtjubiläen, wie der kürzlich stattgefundenen 800-Jahr-Feier.

Gaukler und Scharlatane

„Iß, trink, sei fröhlich, denn morgen wirst du sterben“, so lautete eine Maxime der mittelalterlichen Menschen, für die der Tod allgegenwärtig und deren Alltag von Kriegen, Hungersnöten und Epidemien bedroht war. Man feierte die Feste, wie sie eben fielen: kirchliche Feste, öffentliche Turniere, Schützenfeste, Jahrmärkte, Erntefeste und nicht zu vergessen, Verlobungen und Hochzeiten. Den herbeiströmenden „fahrenden Leuten“ bot sich ein reiches Betätigungsfeld. Auch wenn besonders die Kirche nicht gut auf das reisende Völkchen zu sprechen war und das gemeine Volk stets kriminelle Elemente unter ihnen vermutete, so war ihr Auftritt dennoch eine willkommene Abwechslung. Die Obrigkeit stand besonders den wandernden Spielleuten wohlwollend gegenüber. Das Motto „Brot und Spiele“ galt nicht nur im alten Rom. Auch im Mittelalter wussten die Stadtväter sehr wohl, dass man den Bedürfnissen der Menschen nach Unterhaltung und Abwechslung nachgeben musste, um den Frieden zu bewahren. Für die wandernden Spielleute und Gaukler gab es aber auch lange Wochen, in denen sie auf den Straßen umherirrten, ohne rechte Bleibe oder feste Einnahme.