Stände

Mit der Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität konnte sich ein wachsender Teil der Bevölkerung anderen Tätigkeiten als der Nahrungsproduktion widmen. Dies führte zur Arbeitsteilung und Spezialisierung, die Handwerk und Handel entstehen ließen. Aus dem Markt als Ort des Warentausches und der Geldwirtschaft entwickelten sich Städte. Der Grundherr des Gebiets, auf dem eine Stadt entstand wurde zum Stadtherrn. Als solcher stieg seine Macht, denn er konnte in Marktgebühren und Zöllen neue Einnahmequellen erschließen und mit der Stadt sein Territorium befestigen.

Großkaufleute gehörten meist zur reichsten und angesehensten sozialen Gruppe einer Stadt. Sie stellten meist den Bürgermeister und die Ratsherren, die für Verwaltung und Rechtsprechung (z.B. zu Marktgebühren, Steuern, Strafgewalt, Verleihung des Bürgerrechts und Gewerbeaufsicht) zuständig waren.

Zur weiteren Oberschicht zählten auch vermögende Bauern und reiche Handwerker.

Die Mittelschicht bestand aus der Masse der Handwerker, Händler und Krämer, zuweilen auch aus den Ackerbürgern.

Oft mehr als die Hälfte der Stadtbewohner stellten die Unterschichten (z.B. Gesellen, Tagelöhner, Mägde) und die Randgruppen (z.B. Bettler). Sie waren meist ohne Vermögen, konnten deshalb kein Bürgerrecht erwerben und besaßen keinerlei politische Mitspracherechte: Sie waren nur Einwohner, keine Bürger.

Isoliert in der Stadt, wohnten die Juden, die nur wenige Rechte hatten. Da ihnen die meisten Berufe verschlossen waren, ergriffen viele den Beruf des Geldverleihers, was sie bei der Bevölkerung unbeliebt machte.

Seit dem 11. Jahrhundert spricht man vom Bürger als einen eigenständigen Stand. Alle Stadtbewohner waren im Gegensatz zur Landbevölkerung frei. Löste sich eine Person aus der Landbevölkerung von seinem Grundherrn und wanderte ab in die Stadt, so konnte er das Bürgerrecht erlangen, vorausgesetzt sein Grundherr machte keine Ansprüche geltend. Um seine persönliche Freiheit zu erlangen musste er im allgemeinen ein Jahr und einen Tag in der Stadt leben. Das volle Bürgerrecht erlangte er jedoch erst, wenn er den Bürgereid leistete und sich verpflichtete seine bürgerlichen Pflichten zu beachten.

Handwerk und Innungen

In Sayda wird bereits 1209 eine Kirche erwähnt. Zu dieser Zeit waren demzufolge hier schon Menschen sesshaft. Aufgrund der Lage von Sayda mitten im Miriquidi und des rauhen Klimas waren es sicherlich nicht nur die Bauern, sondern auch Handwerker oder Händler die  sich hier am alten böhmischen Steig, der alten Salzstraße, niederließen. Handwerker wurden benötigt, um Reparaturen an den Handelsfuhrwerken oder das Beschlagen der Pferde vorzunehmen.

Im bäuerlich orientierten frühen Mittelalter existierten nur wenige handwerkliche Berufe, u.a. gab es Steinmetze, Maurer, Schmiede oder Müller. Viele Handelsgüter wurden von unfreien Bauern auf Fronhöfen oder von freien Bauern auf dem eigenen Land erzeugt. Vom Hochmittelalter an zogen begabte Handwerker in die sich entwickelnden Städte, wovon sie sich bessere Absatz- und Gewinnchancen versprachen. Die steigende Nachfrage änderte das Arbeitsverhalten von einer punktuellen Auftragsarbeit hin zu einer ständigen Produktion. Die hergestellten Waren wurden auf Märkten feilgeboten oder in Läden verkauft.

Im Zuge dessen schlossen sich die städtischen Handwerker zu Zünften (Innungen) zusammen. In den Zünften wurden die Regeln der jeweiligen Handwerksberufe aufgestellt und überwacht, beispielsweise Ausbildungsregeln, Arbeitszeiten, Produktqualität und Preise. Neben dieser wirtschaftlichen Funktion nahmen die Zünfte auch noch religiöse, soziale, kulturelle und militärische Aufgaben wahr. Alle Handwerker des Mittelalters mussten zur Berufsausübung in der Stadt Mitglied ihrer Zunft sein.

In Sayda blühte das Handwerk im 15.Jahrhundert, belegt durch die bestätigten Stadtrechte im Jahre 1442, auf. 1443 erhielten die Bäcker einen Innungsbrief, 1448 die Leineweber, 1480 die Schneider, danach die Schuhmacher, die Fleischer, die Schlosser, die Strumpfwirker, die Böttcher, die Tuchmacher und die Kramer und Schmiede, die Seifensieder und Strumpfwirker, die Tischler und Töpfer.  Jeder Innung standen zwei Meister vor, die vom Stadtrat ernannt wurden. Jede Innung hatte ihre eigene Fahne, eine Innungslade zur Aufbewahrung wichtiger Schriftstücke und ihr eigenes Siegel, das Emblem des Handwerks. Das Innungssiegel der Schmiede aus dem Jahre 1560 ist noch im Heimatmuseum vorhanden.

Vierteljährlich fanden Zusammenkünfte, die sogenannten "Morgensprachen" statt. Diese verband man mit einem guten gemeinsamen Essen. Beliebte Gerichte waren Rindfleisch mit Gemüse, Reis mit Rosinen, Schweinefleisch mit Sauerkraut oder Kalbfleisch mit Pflaumen. Getrunken wurden Bier und Branntwein.

Mehrere dieser Innungen haben noch bis ins 20. Jahrhundert bestanden.

Heute ist in Sayda das Elektro-, Bau,- Maler- und das Klempnerhandwerk ansässig. Es gibt ein Autohaus mit Werkstatt, ein Dentallabor, einen Augenoptiker, Holzwaren- und Holzspielwarenhersteller sowie einen Möbelbetrieb.

Bürgerrecht und Bürgereid

Noch zu Anfang unseres Jahrhunderts war nicht jeder Einwohner einer Stadt zugleich auch ihr Bürger.

Wer den Schutz eines städtischen Gemeinwesens in Anspruch nehmen wollte, mußte erst Bürger werden. Dieses persönliche Recht war nicht vererbbar und konnte nur durch Ableistung des Bürgereids erlangt werden.

Der Bewerber mußte nachweisen, daß er ehelich geboren, nicht leibeigen oder fremder Herrschaft untertänig und nicht in einen Prozeß oder Streitfall vor einem auswärtigen Gericht verwickelt war.

Da die Städte verpflichtet waren, den Angehörigen eines Bürgers in Fällen der Not Unterhalt zu gewähren, wurde seitens des Rates von den Bewerbern der Nachweis eines Kapitals gefordert.

Handwerker, die zum Zeitpunkt ihrer Niederlassung meist über nur geringes Kapital verfügten, hatten ihren Lehrbrief vorzulegen, den Nachweis über eine drei bis vierjährige Wanderschaft zu führen und ein Meisterstück anzufertigen. Dies als Beweis dafür, daß sie sich selbst ernähren konnten. Trotzdem wurde ihnen das Bürgerrecht vorerst nur für eine begrenzte Zeit gewährt.

Bei Aufnahme als Bürger hatte der Bewerber den "Bürgereid" zu schwören, in welchem er gelobte:

1. der Stadt die Treue zu halten,
2. dem Rat der Stadt gehorsam zu sein,
3. sein Recht nur vor dem Stadtgericht zu suchen,
4. alles was der Stadt oder dem Rat schaden bringen könnte sofort zu melden,
5. die Steuern pünktlich zu zahlen,
6. nicht ohne ErIaubnis des Rates wegzuziehen,
7. bei Aufgabe des Bürgerrechts die sogenannte Nachsteuer zu entrichten.

Da jeder Bürger, von wenigen Ausnahmen abgesehen, verpflichtet war die Stadt im Kriegsfall zu verteidigen, mußte jeder Neubürger eigene Waffen besitzen und nachweisen, daß er im Umgang mit diesen geübt war.

Bürger wurde nur Derjenige, welcher in der Stadt und nicht außerhalb der Mauern wohnte.

Es gab auch die sogenannten Pfahlbürger, das waren meist Tagelöhner, die außerhalb der Mauem, aber im Schutzbereich der Stadt wohnten und für die Bürger zur Verrichtung der Garten und Feldarbeit unentbehrlich waren. Mit ihnen wurden individuelle Aufnahmeverträge geschlossen und besonders niedrige Steuersätze festgelegt.

Das Bürgerrecht konnte auch als Strafe, ganz oder zeitlich begrenzt, entzogen werden.

Nach Ablegung des Bürgereids fielen auch Gebühren an.  Wenn ein Bürger sein Bürgerrecht aufgeben und die Stadt verlassen wollte, hatte er nachzuweisen, daß er all seine Schulden in der Stadt bezahlt hatte.

Grundstücke oder Rechte an diesen mußte er innerhalb eines Jahres nur an einen eingesessenen Bürger verkaufen, andernfalls fielen sie der Stadt zu.

Außerdem war eine Nachsteuer zu entrichten und der Abzugseid zu schwören.

(Quelle:www.ahnenforschungen.de, gekürzt)