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Tipp: Waldarbeiterhaus im Seiffener Freilichtmuseum

Das Museum in der Hauptstraße 203 hat täglich von 9 - 17 Uhr geöffnet. Kontakt: Telefon: 037362-8388 oder 8239 www.spielzeugmuseum-seiffen.de

Waldnutzung im Schwartenberggebiet

Mit dem Bau der ersten Siedlungen begann eine gezielte Nutzung der riesigen Wälder am Erzgebirgskamm. Die bäuerliche Bevölkerung gewann Holz für den Haus– und Speicherbau und die Herstellung von Werkzeugen und Gebrauchsgegenständen. Aber auch als Weide und für die Heugewinnung war der Wald wichtig. Gegen Zinsen durften die Bauern auf diese Weise Futterreserven erschließen. Bergbau und Hüttenwesen benötigten Holz. Und es gab noch die Glashütten, die den Wald regelrecht „verzehrten“. Bis in die Wälder hinein wurden Mühlen angelegt, sowohl im Mortelgrund als auch im Frauenbachtal gab es jeweils sieben. Bald breitete sich Waldgewerbe wie das Äschern, Köhlern, Pechsieden und die Waldbienenzucht (Zeidlerei) aus.

Die Grundherrschaft Purschenstein, der der größte Teil des Waldes gehörte, zog daraus einen enorm großen Nutzen. Neben den schon genannten Zinseinnahmen aus der bäuerlichen Futtergewinnung stand dem Grundherren der Gewinn aus dem Verkauf von Holz zu. Stattliche Einnahmen und natürlich auch Vergnügen waren auch an die Jagd geknüpft. Für die Untertanen der Herrschaft bedeutete das Letztere zusätzliche Dienste, wie Treiberdienste, Transporte und die Unterhaltung von Wildzäunen.

Durch die intensive Nutzung hatten die Wälder besonders im 16. Jahrhundert eine zunehmende Auflichtung erfahren. Auch mehr oder weniger große Freiflächen waren entstanden. Flurbegriffe wie "Blößenstein“ für einen Hügel südlich von Bad Einsiedel oder die „Heide“ deuten auf große kahle Flächen hin. Der gestiegene Holzbedarf führten bald zu Verordnungen, mit den Wäldern schonender umzugehen. So erließ Kurfürst August 1560 eine „Holzordnung“ für seine Wälder, deren Festlegungen sich auch andere Herrschaften, wie die Purschensteiner, zu eigen machten. Damit sollte der "wilde“ Holzeinschlag unterbunden werden. Gleichzeitig wurde das Jagdwesen neu geregelt.

Die Wertschätzung von Waldbesitz zeigte sich besonders im Bestreben von Kurfürst August, der bereits Herr über zahlreiche Berg– und Hüttenwerke war, seit 1556 auch die Purschensteiner Wälder käuflich oder auf anderen Wegen an sich zu bringen, was ihm aber nicht gelang.

Die gravierensten Auswirkungen für den einstigen großen Purschensteiner Waldbestand brachte der Dreißigjährige Krieg mit sich: Der durch die Kriegseinwirkungen hochverschuldete ... von Schönberg sah sich gezwungen, große Teile seines Waldes an den Kurfürsten zu verkaufen. Aus diesen Waldungen entstand später u.a. das staatliche Forstrevier Deutscheinsiedel.

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde eine geregelte und zunehmend in der Praxis gängige wissenschaftlich gestützte Forstwirtschaft notwendig. Besonders die Lehre von Johann Heinrich Cotta (1763-1844) setzte sich über-all durch. Auch die Purschensteiner Wälder erlebten den „Umbau“ zu exakt eingerichteten, überwiegend Fichten– Reinbestandsforsten. So bestehen sie zum großen Teil heute noch. Dies geschah vor allem in der Zeit des rührigen Schlossherren Utz von Schönberg (1804-1864). Seine Waldwirtschaft wurde sogar im Schrifttum als vorbildlich in Sachsen gepriesen. In jener Zeit wurden auch zahlreiche Landwirtschaftlich genutzte Flächen wieder aufgeforstet, was deutlich mehr Gewinn versprach.

1945 wurde mit der Bodenreform auch der Purschensteiner Wald enteignet und in Privatparzellen aufgeteilt. Etliche dieser neuen Besitzer schlossen sich zu einer Waldgemeinschaft zusammen. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg brachte der Forstwirtschaft auch den Durchbruch in der Technisierung. Vorbei war die Zeit, wo mühevoll nur mit der Axt und Handsäge das Holz gefällt und aufbereitet werden musste. Die Motorsäge ist nicht mehr wegzudenken und mittlerweile verrichten „Vollerntemaschinen“ alle Arbeitsgänge - vom Fällen bis zum Stapeln der tranportfertigen Hölzer.