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Die ältesten Glashüttengeschlechter im Erzgebirge

Dr. Albrecht Kirsche, Dresden

Ein wichtiges und interessantes Teilgebiet der Glashüttenforschung ist die Personifizierung einzelner Epochen oder die Forschung nach Personen, die ein bestimmtes Glas geschaffen haben. Dabei sind anfangs nur die entsprechenden Hüttenmeister, Glasmacher oder Glasmaler der behandelten Glashütte Ziel der Untersuchungen. Mit der Ausdehnung der Forschungen auf größere Gebiete, etwa auf das gesamte Erzgebirge oder gar darüber hinaus, werden verwandtschaftliche Beziehungen und vor allem Wanderungen und Migrationen der Glasmacher interessant. Bis in das 17. Jahrhundert wurde Wissen kaum durch Artefakte und nur sehr selten durch Bücher übertragen. Selbst Agricolas ?De re Metallica? ist wohl anfangs nicht von Fachleuten gelesen worden, sondern befand sich als Repräsentations- und Unterhaltungsobjekt in den Haushalten wohlhabender Familien. Die einzige Möglichkeit, Wissen zu verbreiten, war die direkte Wissensübertragung durch den Menschen selbst. Damit rücken natürlich die Personen selbst, ihre Tätigkeiten, Wanderungen und Migrationen,  in ein besonderes Licht. Außerdem waren Glasmacher oft die ersten Bewohner eines Dorfes, denn sie rodeten den Wald und bereiteten damit die Besiedlung vor. Im Dorf gehörten Hüttenmeister und anfangs auch die Glasmacher zur Oberschicht. Sie hatten somit relativ viele gesunde Kinder und verbreiteten sich so besonders stark.

Diese Besonderheiten sind es u.a., die die Glasmacher so interessant für die Genealogie werden lässt. Im Folgenden werden die Tätigkeiten, Verflechtungen und Wanderungen einiger Glasmachersippen aus Erzgebirge und Vogtland dargestellt.

Glashütten gehören zu den frühesten Gewerben im Erzgebirge. Bereits die Zisterzienser nutzten um 1200 ihren starken und sinnvollen Holzverbrauch, um den Urwald für die Siedlungsvorbereitung zu roden. Später nutzte man die Wanderglashütten bzw. ihre Rodungsflächen als Herrschaftsmarkierung. Gleichzeitig mit der Festlegung der Grenze zwischen Böhmen und Sachsen Mitte des 15. Jahrhunderts verstärkte sich der Bergbau, der ebenfalls sehr viel Holz benötigte und damit zu einem Konkurrenten der Glashütten wurde. Sie konnten nun nicht mehr große Flächen roden und das Holz allein zur Glasherstellung verwenden. Es musste nun selektiert werden. Dadurch wurde nicht nur die Anzahl der Glashütten gesenkt, sie wurden sesshaft und zu Waldpflegern. Mit der Übernahme der Glashütten durch kapitalkräftige Nichtfachleute  und der einfachen Mechanisierung des Fertigungsprozesses im 18. Jahrhundert, entwickelten sie sich zu Glasmanufakturen. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden mit dem Einsatz von Maschinen (Glaspressmaschinen, Schmelzwannen, Glasblasmaschinen) Glasfabriken.[1]

Jede dieser Epochen brachte auch ihre eigenen Familienverbünde hervor. So waren es im Industriezeitalter die Schotts, Siemens, die Müllersiefen, die Hirschs oder die Rönschs. Die Glasmanufakturen gehörten meist Adeligen, wie den von Nostitz, von Schönberg oder von Einsiedel.

Zu den ältesten Glasmacherfamilien, die Waldglashütten betrieben, zählen die Preußler. Da selbst gleiche Personen in unterschiedlichen Schreibweisen auftreten, vielfach gleiche Vornamen existieren und diese Familie sehr weit verbreitetet war und ist, gehört diese Familie wohl zu den komplizierteren Forschungsobjekten. Hellfritzsch[2] führt den Namen Preißler auf das mittelhochdeutsche Wort ?brisen? ?  ?einschnüren? zurück und Preußler auf einen Preußen zurück. Diese Erklärung könnte dahingehend untermauert werden, dass Slavko III. von Bilin (? ? um 1250) aus der Familie der Hrabiče , die das Klosters Ossegg/Osek stiftete, mehrere Jahre Bischoff in Preußen war. Als er in seine Heimat Dux/Duchcov zurückkehrte und Abt des Klosters Ossegg/Osek wurde,[3] könnte er Personen aus Preußen mitgebracht haben. Eben in Dux/Duchcov finden sich, mit Jakesch und Nikl Pruseler, die 1389 genannt werden, die bislang wohl frühesten Hinweise auf die Familie Preußler.[4]

Mit Bartol Preußler 1486, als Besitzer der Marienberger Glashütte und Justus Preußler, als Gründer der Glashütte Heidelbach, beide waren eventuell Brüder, werden die ersten Preußler im Erzgebirge erwähnt.

Die Marienberger Glashütte, die im Hüttengrund arbeitete und deren Erbgut heute noch im Ortsteil Dörfel steht, behauptete sich viele Jahr in unmittelbare Nachbarschaft der Silberstadt. Zum Vorteil gereichte dazu, dass Familienmitglieder der Preußler, so Benedix Preußler Berggeschworener, ja sogar Bürgermeister der Stadt war. Die Preußler beteiligten sich intensiv am Marienberger Bergbau. Sie besaßen Kuxe und trieben den für das gesamte Bergrevier wichtigen ?Glaserstolln?  im Hüttengrund voran. In Zeiten hoher Silberausbeute, wie etwa um 1541, legten sie die Glashütte still und widmeten sich ganz dem Bergbau. Mit den Jahreszahlen 1571 und 1573 sind Reichsadlerhumpen datiert und mit ?G.P? signiert. Sie werden dem Hüttenmeister Georg P. in Marienberg zugeschrieben. Georg hatte sieben Söhne, doch eine  Erweiterung des Betriebes oder gar ein Neubau einer Glashütte, war in diesem Bergrevier nicht möglich. So übernahmen nach dessen Tod im Jahr 1612 seine Brüder Joseph und Tobias I sowie seine Söhne Jakob II., Caspar, Hans Michael und Paul die Glashütte als Erbengemeinschaft. Drei seiner Söhne gingen nach Gablonz/Jablonec n.N. und gründeten dort Glashütten. Obwohl die Privilegien bis um 1700 die Glasproduktion gestatteten, wurde sie wohl bereits Mitte des 17. Jahrhunderts eingestellt. Seitdem stand die Pechherstellung im Mittelpunkt, wozu man ebenfalls das Glashüttenprivileg brauchte.

Justus Preußler wird im Türkensteuerregister von 1501 Glaser genannt. Im gleichen Verzeichnis wird Balzer Reckenziegel, wohl sein Schwager aufgeführt. Der Name Reckenzeigel steht  auch in Verbindung mit der Glashütte Wernesgrün und tritt später auch im böhmischen Isergebirge auf. Wolf P., Sohn des Bartol in Marienberg,  übernahm um 1535 die Heidelbacher Hütte von seinem (Onkel?) Justus. Wolf wandelte die Anlage von einer Wanderglashütte in eine sesshafte Glashütte. Bereits 1548 lieferte die Hütte Gläser an die spätere Kurfürstin Anna nach Annaburg. In seinem  Wohnort Seiffen war er auch als Richter tätig, was belegt, dass die Glasmacher zu dieser Zeit die sozial stärkere Gruppe gegenüber den Bergleuten im Dorf waren. Nach dem Tode Wolfs im Jahr 1572 führten seine Nachkommen namens Nikol diese Glashütte. Die Purschensteiner Holzordnung von 1588 bestimmte, dass das Holz für die Glashütte vom Heger anzuweisen sei. Wohl auch aus diesem Grund übergab Nicol II. 1607 seinem Bruder Caspar die Glashütte. Nicol II. wurde Heger in der Herrschaft Purschenstein und konnte so die Glashütte besser mit dem notwendigen Holz versorgen. Vor allem die Heidelbacher Glasmalerei erreicht vor dem 30jährigen Krieg einen hohen Stand. Der riesige Glasbedarf nach diesem Krieg, veranlasste Nicol III. nicht nur seine 1634 völlig zerstörte Glashütte wieder in Betrieb zu setzen, sondern zusätzlich eine neue Glashütte zu errichten. 1673 übergab er die untere Hütte seinem Schwiegersohn Elias und die obere seinem Schwiegersohn Johann Strauß, der 1641 an die Hütte gekommen war. Ende des 17. Jahrhunderts wird hier sowohl die Emailmalerei als auch der Glasschnitt ausgeführt, der von aus Böhmen stammenden Fachleuten um 1670 eingeführt. Im Jahr 1714 brannte die untere Hütte, die Preußlerhütte ab. Mit dem Verkauf dieser Glashütte durch Johann Gottfried P. im gleichen Jahr endete die Jahrhunderte währende Präsenz der Familie Preußler als Hüttenmeister und Glasmacher sowohl in Heidelbach als auch im gesamten Erzgebirge.

Diese und im Jahr 1721 auch die obere Hütte, kaufte der erste Direktor der Porzellanmanufaktur Meißen Cammer- und Bergrat Michael Nehmitz. Er war jedoch weder in der Lage die Porzellanmanufaktur noch die Heidelbacher Glashütte zu führen.  So verkaufte Nehmitz  1722 beide Hütten an seine Frau  Dorothea Sophia Nehmitz geb. Lichtwer. Diese kluge und wirtschaftlich beschlagene Frau, die aus einer bedeutenden sächsischen Familie stammte, führte das Unternehmen mit strenger und erfolgreicher Hand bis zu ihrem Tode 1754. Danach blieb die Glashütte im Besitz ihrer Nachkommen. 1801 übernahm sie der Gerichtsherr von Woydt auf Forchheim. 1819 kaufte sie Heinrich Kurt von Schönberg auf Pfaffroda. Aufgrund der Nähe der Bergstadt Freiberg und ihres Holzbedarfes kam es um 1826 zur Einstellung der Glasproduktion in Heidelbach.

Mitte des 16. Jahrhunderts arbeitete ein Glashütte in Lippersdorf, die von einem Hans Preußler, der wohl aus Heidelbach stammte,  betrieben wurde.

Für das Jahr 1671 verzeichnet das Neuhausener Kirchenbuch einen Christoph Preußler als Glasmeister zu Satzung.[5] Derzeit ist dies die einzige Information, die eine Glashütte in diesem Bergdorf anzeigt.

Auch in Hermsdorf bei Altenberg arbeitete um 1500 eine Glashütte, die von einem Andreas Glaser später Preußler geführt wurde.

Nach dem Schmalkaldischen Krieg kam es zur Verlegung der sächsisch/böhmischen Grenze im Raum Platten/Horni Blatná. Zur Sicherung der Grenze und zur weiteren Versorgung der Bevölkerung mit Glas, auch nachdem die Glashütte in Crottendorf wegen des vorhandenen Floßgrabens stillgelegt worden war, ordnete man die Errichtung einer neuen Glashütte in dem schlechten aber abgelegenem Waldstück, das man Jugel nannte, an. Gründer der Glashütte war 1571 der Sohn des Heidelbacher Hüttenmeisters Wolf P., Bastian  Preußler. Für die Glashütte, 8 Wohnhäuser und diverse Einrichtungen, wie eine Mühle, durfte 0,5 km2 Wald gerodet werden. Ansonsten bezog man das Holz aus einer Waldfläche von ca. 42 km2, woraus man jedoch nur schlechtes Holz beziehen durfte. Nach Bastians Tod übernahm sein Sohn Georg II. die Hütte in der Jugel. Nach dessen Tod im Jahr 1617 übernahm Bastians Bruder Georg I. die Glashütte. Er belieferte den Dresdener Hof u.a. mit Emailgläsern von guter Qualität. 1630 verkaufte er die Hütte an seinen Schwiegersohn, den Bortenhändler Christoph Löbel aus Platten/Horni Blatná. Die Jugeler Glashütte wurde später zum Spielball beim Kampf um Marktanteile der Blaufarbenproduktion, aber dennoch nahm sie in der erzgebirgischen Glasherstellung ein bedeutende Rolle ein. Von Jugel aus gingen der Glasmaler Georg III. Preußler an die Glashütte Grimnitz in Brandenburg, der Glasmacher Friedrich ins Isergebirge, um eine Glashütte zu gründen.  In der Jugel waren weiterhin u.a. Mitglieder der Glasmacherfamilien Markert, Schildbach, Greiner, Gundelach und Becher tätig. Um 1700 stellte die Jugeler Glashütte ihre Produktion ein.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts gewann das Kobalt zur Blaufärbung der Gläser immer stärkere Bedeutung. So kaufte Georg I. ein Blaufarbenwerk bei Platten/Horni Blatná. Nachdem er dort auch eine Glashütte gründete hatte, wurde er Bürger dieser Stadt, wo er "Preißler" genannt wurde. Nach dessen Tod führte entweder seine Frau Margarete oder sein Sohn Georg IV. das Unternehmen. Mit der Rekatholizierung und der damit verbundenen Vertreibung der Menschen evangelischer Konfession, flohen auch die Preußler nach Sachsen. Vielleicht führte Georg V. das Plattener Blaufarbenwerk noch bis um 1660.

Die ersten, namentlich nachweisbaren Glasmacher in Erzgebirge und Vogtland sind Mitglieder der Familie Schürer bzw. Schorer. Der Name stammt sicher von der gleichnamigen Tätigkeit des Schürers - der Mann der das Feuer regelt - an einer Glashütte. Bereits 1436 belehnt der Burggraf von Dohnyn (Dohna) die Brüder Caspar und Christoff Schorer  mit der Glashütte in Wernesgrün. Enderlein Schorer, der die Hütte 1470 erworben hatte, verkaufte sie an Hans Gleser. Die Glashütte bestand bis um 1650. Das Braurecht der Wernesgrüner Glashütte besteht bis heute.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Hütte lag die in Herlagrün, für die 1454 ein Clemens Schorer Zins in Form von "½ Schock guter Gleser" an das Zwickauer Amt zahlte. Die Hütte kam später an die Familie Gleser und existierte 1552 nicht mehr.

Zwar sind bislang keine Familienbindungen zwischen Wernesgrün und Crottendorf bekannt. Geht man jedoch davon aus, dass die Besiedlung des sächsischen Erzgebirges (außer Raum Seiffen) von Nordwest nach Südost verlief und sich die Wanderglashütten im Kammgebiet zur Grenzbildung konzentrierten, ist ein Verwandtschaftsverhältnis zwischen diesen Schürer anzunehmen. 1493 besaß Lorenz Schurer (sic!) die Glashütte in Crottendorf. Vier Jahre später übernahmen sein Sohn Hans Schorer das Erbgericht und Ambrosius Wander die Hütte. Dessen Sohn Peter Wander, der eventuell an der Universität in Leipzig studierte,[6] erhielt 1529 die Hütte. Wenige Jahre später kam es zu massiven Zinserhöhungen, die Peter W. darin bestärkten, nach Nordböhmen auszuwandern. 1559 übernahm die Hütte ein Christoph Schürer, der sie jedoch entsprechend der Holzordnung von 1560 im gleichen Jahr aufgeben musste.

  Ebenfalls wahrscheinlich, wenn auch bisher nicht nachgewiesen ist eine Verbindung nach Ansprung. Hier besaß der 1497 erstmalig erwähnte Caspar Schürer eine Glashütte auf dem Gelände der heutigen Jugendherberge Hüttstattmühle. Hier wurde 1504 sein Sohn Paul geboren, der 1528 als Glasmacher nach Kreibitz/Chřibska und 1542 eine eigene Glashütte in Falkenau/Polevsko gründete. Für seine Verdienste um das böhmische Glasgewerbe wurde er 1592 mit dem Titel "Schürer von Waldheim" geadelt. Wie kam Schürer auf den Namen "von Waldheim"? Ein Glasmacher Paul Schürer kaufte 1607 ein Waldstück in der Herrschaft Waldheim/Zaháji (Katastralgebiet Tachov)[7]. Dieser Paul Schürer kann nicht mit dem aus Ansprung identisch sein, denn er wäre zu dieser Zeit 103 Jahre alt gewesen...

1536 kaufte Christoph Schürer, Sohn des Asmus Schürer aus Burkhadtsgrün, die Eulenhütte bei Neudeck/Nejdeck. Hier erfand er die Smalte / blaues Glaspulver aus Kobalt. Da er keine Geldgeber fand, um diesen Stoff in großen Mengen zu produzieren, setzte er Niederländer über dieses Verfahren in Kenntnis, die damit reich wurde. Christoph Schürer selbst wurde von ihnen selbst um seinen Lohn betrogen. Er ging zurück in die Eulenhütte. Im 17. Jahrhundert wurde Smalte auch in Sachsen zu einem zu einem bedeutenden Produkt, an dessen Produktion sich nun selbst der Kurfürst beteiligte.

In Eibenberg/Tisová und Schönlind/Krasna Lipa bei Graslitz/Kraslice besaßen Schürer ebenfalls Glashütten. In Schönlind/Krasna Lipa war 1562 Hans Schürer als Glasmacher beschäftigt. Im Jahr 1625 ist hier ein Glasmeister David Schürer tätig, der außerdem ein halbes Blaufarbenwerk bei Platten/Horni Blatná besaß. Wenige Jahre später musste er Böhmen aus Glaubensgründen in Richtung Sachsen verlassen.

1571 verbot Kaiser Maximilian jegliche Glashütten auf seinem Grund und Boden. So wurden auch die Glashütten um Graslitz/Kraslice geschlossen. Die Glasmacher Peter und Kaspar Schürer aus Eibenberg/Tisová wandten sich deshalb dem Bergbau zu. Peter besaß 1591 30 Kuxe. Kaspar betrieb die ?Fundgrube samt Erbstolln zu Eibenberg?. Ähnlich den Preußler in Marienberg verschrieben sie sich dem Bergbau.

Von Graslitz/Kraslice folgte 1594 der Glasmacher Peter Hüttel, dessen Mutter eine geborene Schürer war, dem Ruf des hessischen Landgrafen und ging nach Altmünden bei Braunschweig. Dort errichtete er eine Glashütte. Er gilt ?in der neidersächsischen Glasgeschichte als Übermittler der Geheimnisse zur Herstellung weißen Glases und als Begründer der Emailmalerei.?[8]

Der Name Schindler könnte von einem Schindelmacher herrühren. Außerdem bezeichnen Glasmacher das Arbeiten in ihrer freien Zeit an den Öfen für eigene Rechnung als "schindern". Auch diese Tätigkeit könnte namensgebend  gewesen sein.

1552 kam der Glasmacher Kaspar Schindler aus Crottendorf an die Glashütte Heidelbach. Dessen Söhne gehörten zu den bedeutendsten Glasschneidern die nördlich der Alpen. Die Söhne Caspar, Georg, Paul und Wolf gingen 1610 nach Dresden. Während Caspar hier Hofglasschneider wurde, kehrte Wolf zurück nach Heidelbach. Paul arbeitete ab 1633 in Holstein-Gottrop und ging anschließend nach Kopenhagen. Georg arbeitete ab 1610 in Prag bei Caspar Lehmann, dem Kammerstein- und Glasschneider Rudolfs II.. Nach der Tätigkeit an einer Glashütte in Grünwald/Pastivny bei Gablonz/Jablonec n.N. ging er nach Dresden und wurde hier Hofglasschneider.

Im Weserbergland besaß bereits vor 1600 ein Matthias Schindler eine Glashütte. Zwischen 1600 und 1610 sind im Abendmalregister von Clausthal acht  Familien mit Namen Schindler aufgeführt. Bloss[9] vermutet, dass diese Familien ebenfalls aus dem Erzgebirge stammen. Wahrscheinlicher erscheint dem Verfasser jedoch, dass die Schindler aus dem Weserbergland ins Erzgebirge kamen.

Bereits 1615 arbeitete Andreas Hiemann als Scheibenmacher an der Glashütte Heidelbach. Wohl einer seiner Enkel namens Johann Friedrich Hiemann transportierte im Jahr 1699 erstmalig Seiffener Ware mit dem Schubkarren nach Leipzig. Um 1750 erhielt der Seiffener Verleger Johann Adam Hieman von Nürnberger Kaufleuten derart umfangreiche Aufträge zur Herstellung von gedrechseltem Holzspielzeug, dass weder die Anzahl der Drechsler, noch das Holz genügt, um diese Aufträge zu erfüllen. 1819 pachtete dessen Nachfolger Samuel Hiemann die Heidelbacher Glashütte auch um seine Holzerzeugnisse mit Glas zu vervollständigen. An dieser Familie wird der Einfluss der Heidelbacher  Glashütte auf die Seiffener Holzkunst sehr gut deutlich.

Die Preußler, Reckenziegel, Schindler, Schürer, Wander u.v.a.m. hatten an der Entwicklung und Verbreitung des Glasmachergewerbes großen Anteil. Sie gründeten Glashütten u.a. im Iser-, Riesen- und Adlergebirge ebenso im Böhmerwald, Bayerischen Wald und im Fichtelgebirge. Wo die Glasmacherfamilien des Erzgebirges tatsächlich herstammen konnte bislang nicht bzw. nicht zweifelsfrei geklärt werden. Ihren familiären Verbindungen nachzuspüren, um  ihre Herkunft zu erforschen und  ihre Wanderungen zu verfolgen, liegt sowohl in genealogischen als auch im technikhistorischen Interesse.

 


[1] Kirsche, Albrecht: Zisterzienser, Glasmacher und Drechsler: Erzgebirische und vogtländische Glashütten und Ihr Einfluss auf die Seiffener Holzkunst. München, Münster, New York 2005.

 

[2] Hellfritzsch, Volkmar, Stollberg, Brief an den Verfasser vom 31.3.1989.

 

[3] Beschorner, Hans: Die Herrschaft Riesenburg und ihre Besitzer bis zum Übergang in wettinischen Besitz i.J. 1398. In: Forschung zur Geschichte Sachsens und Böhmens. Hrsg.: R. Kötzschke, Dresden 1937.

 

[4] Schaffer, Walter: Zur Geschichte der Glasmacherfamilie Preußler, Preißler, Preisler. In: Familie und Geschichte, Heft 4/1993.

 

[5] Kirchenbuch Neuhausen, 1633/1675. S. 449.

 

[6] Klante, Margarete: Das Glas des Isergebirges. In: Deutsches Archiv für Landes und Volksforschung. 2/1938.

 

[7] Pocházka, Zdeněk: Sklářství v čéskem lese. Glasindustrie im Böhmischen Wald. Taus 1999.

 

[8] Bloss, Otto: Die älteren Glashütten in Südniedersachsen. Hildesheim 1977.

 

[9]  ebenda