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Erzgebirgspässe

Die ältesten Pässe des Erzgebirges

Der älteste Verbindungsweg zwischen Böhmen und Sachsen über das Erzgebirge ist zweifellos, der Nollendorfer Pass, der Dohna und Pirna mit Usti n.L./Aussig bzw. Teplice/Teplitz verbindet.
Doch als die Besiedlung des böhmischen Beckens weiter nach Norden fortschritt und den Fuß des Erzgebirges erreichte, war es für das salzlose Böhmen wichtig, eben das lebensnotwendige Mineral Salz nicht aus dem entfernten Salzkammergut im heutigen Österreich zu beziehen, sondern aus dem näher gelegenem Salzvorkommen in Halle an der Saale.
Diese Notwendigkeit trat wohl spätesten um die Zeitenwende  ein, als die Markomannen Böhmen besiedelten. So entstand  spätestens vor etwa 2000 Jahren ein Verbindungsweg zwischen Nordböhmen und Halle.
Ganz gleich ob man auf einer Landkarte das Zentrum von Magdeburg oder Halle oder Leipzig mit dem Zentrum von Prag mit einer Geraden verbindet, sie haben eines gemeinsam: Alle diese Luftlinien führen über das Gebiet Sayda - Purschenstein.
Dass diese alte Salzstraße der kürzeste Weg ist, war nicht das Wesentlichste. Wichtiger war, er konnte fast ausschließlich auf den Wasserscheiden entstehen, was bis ins 19. Jahrhundert von großer Bedeutung war. Das Gelände durch das dieser Weg führte, steigt vom Norden sehr seicht an. Einziger komplizierter Abschnitt war die Querung des Flöhatales, das durch die Burg Purschenstein gedeckt wurde und der anschließende steile Aufstieg zum Schwarten- bzw. zum Flöhberg. Ein anderer unschätzbare Vorteil dieses Weges, war die geringe Passhöhe. Mit nur ca. 760 m Seehöhe ist es der niedrigste Pass zwischen Osterzgebirge und Vogtland. (Passhöhen: (Nakléřov/Nollendorf 684m); Rübenau 844m; Reitzenhain 850m; Preßnitz 840m, Frühbuss/Přebuz 920m).
Diese zahlreichen Vorteile, die diese Salzstraße gegenüber anderen Pässen bot, lassen darauf schließen, dass  dies die früheste Verbindung zwischen Böhmen und den Städten Magdeburg und Leipzig im Altsiedelland, vor allem aber dem salzreichen Halle war und damit zu recht als die "Alte Salzstraße" bezeichnet wird. 

Für wohl jeden Pass übers Erzgebirge wird in Anspruch genommen, dass ihn der jüdische Sklavenhändler Ibrahim ibn Jacub genutzt hätte. Aufgrund der Entfernungsangaben die ibn Jacub mitteilt,  kann es sich wohl nicht um den Pass über Rübenau handeln, dieser führte zu dieser Zeit nicht über Kalek/Kallich und Červený Hradek/Schloss Rothenhaus, sondern über Blatno/Platten in die Gegend bei späteren Chomutov/Komotau. So ist es wohl doch die "Alte Salzstraße" über Sayda, die Ibrahim ibn Jacub  nutzte.

Natürlich wurde dieser Weg im Laufe der Jahrtausende auch verlegt, aber die Trasse, in dem er verlief, blieb relativ konstant. So war der Verlauf etwa: Halle/S. - Leipzig - Leisnig - Waldheim - Hainichen - Oederan - Eppendorf - Mittelsayda - Sayda - Purschenstein - Mnisek/Böhmisch Einsiedel - Most/Brüx - Prag.

Quelle: Dr. Albrecht Kirsche / Dresden 2007