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Das Erzgebirge

Das Erzgebirge (tschechisch: Krušné hory) ist ein Mittelgebirge und bildet die natürliche Grenze zwischen Sachsen und Böhmen. Knapp nördlich der Kammlinie verläuft die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien. Die höchsten Erhebungen sind Fichtelberg (1.215 m) und Keilberg/Klínovec (1.244 m) im Westerzgebirge und Loučná/ Wieselstein (956 m) im böhmischen Osterzgebirge und Kahleberg (905 m) im sächsischen Osterzgebirge.

Wie aus dem "Miriquidi" das "Erzgebirge" wird...

"Alles kommt vom Bergbau her."

Diesen Spruch hört man im Erzgebirge immer wieder. Tatsächlich gibt es nirgendwo in Europa eine Landschaft, die so umfassend und über einen Zeitraum von fast tausend Jahren vom Bergbau geprägt wurde, wie das Erzgebirge.

Deswegen gibt es Bestrebungen, die Montanregion (Bergbauregion) Erzgebirge als Weltkulturerbe unter Schutz zu stellen.

Der Name

Mit dem Namen "Erzgebirge" ist nicht eine gebirgige Landschaft in unserem heutigen Sinne gemeint, sondern die Ausdrücke "auf dem Gebirge" oder "auf den Erzgebirgen" sind abgeleitet aus der vor Jahrhunderten üblichen Bezeichnung "das Gebirge" als Mehrzahl von Bergwerk, bedeuten also das Gleiche wie das "Land der Erzbergwerke", "die Erzgebirge".
Erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts kommt das Wort "Erzgebirge" als Landschaftsname auf, davor, zur Zeit der Karolinger und der Sachsenkaiser, tauchen die Namen "Ferguna" (Föhren- oder Fichtenwald) und "Miriquido" und "Miriquidi" (Dunkel- oder Schwarzwald) auf. Das Erzgebirge erstreckt sich über eine Fläche von 4.000 km2 und ist zwischen 40 bis 70 km breit und 120 km lang.

Die Besiedlung

Im 11. Jahrhundert war das sächsische Erzgebirge durch seinen unwirtlichen Urwald-Charakter noch weitesgehend unbesiedelt.
Erst im 12. Jahrhundert begannen sich erste, bäuerliche Ansiedelungen zu entwickeln. 1168 wird der erste große Silberfund auf Freiberger Flur erwähnt. Cirka 40 Jahre später führte dies schon zur Stadtgründung Freibergs, die somit die erste, nachweislich durch den Bergbau gegründete Stadt ist.
Viele Orte lassen sich auch auf Klostergründungen zurückführen.

Bergbau

Nach weiteren sensationellen Silberfunden, zu nennen wäre vor allem der Fund am Schreckenberg zu Annaberg, zog es im 15. Jahrhundert Tausende nordbayrische, fränkische und mitteldeutsche Siedler in den unwirtlichen "Miriquidi". Durch die steigende Anzahl der Funde von verschiedenen Erzarten gelangten auch andere Handwerkszweige zu großer Blüte.
Die Wasserkraft der zahlreich im Erzgebirge vorhandenen Fluß- und Bachläufe wurde fortan von den weiterverarbeitenden Gewerken genutzt. Die gefundenen Erze wurden an Ort und Stelle weiterverarbeitet. So entstanden an den meisten Bergbaustandorten Schmelzhütten, Pochwerke (für die Zerkleinerung des Zinnerzes) und eine Unzahl wasserbetriebener Hammerwerke.

nach dem Bergbau

Als ab dem 16. Jahrhundert die Erzfunde abnahmen, mussten sich viele, bis dato im Bergbau beschäftigte Menschen umorientieren. Es entstanden Mühlen, die Lumpen zu Papier verarbeiteten und Flachs zu Leinöl. Da aus Flachs nicht nur Leinöl, sondern auch Garn produziert wurde, gab es in vielen Dörfern und Städten Leineweber.
Während des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763) kam der Bergbau dann in vielen Orten völlig zum Erliegen. Danach erholte er sich nur sehr mühsam oder in manchen Gegenden nie mehr.
Das Beschäftigungsproblem wurde durch andere Tätigkeitsfelder gelöst. Vor allem zwei Handwerke brachten es bis in die heutige Zeit zu großer Blüte und Berühmtheit: die Holzarbeit und die Spitzenklöppelei. Durch Wasserkraft angetriebende "Pochwerke", vorher für die Zerkleinerung von Erz bestimmt, wurden zu Drechsel-Werkstätten umfunktioniert. Wer keinen Wasserlauf zur Verfügung hatte, musste seine Drechselbank mit Muskelkraft betreiben. Vorerst beschränkte sich die Produktion auf Teller, Spinnräder und andere Haushaltsgegenstände. Anfang des 19. Jh. verlegte man sich mehr und mehr auf die Produktion von figürlichem Spielzeug. Wer kennt nicht die Weihnachtsfiguren aus dem Erzgebirge?

Kaiser, Könige und Fürsten

Die wohl bekannteste geschichtliche Begebenheit im Erzgebirge ist der Prinzenraub. Diese berühmte Kidnapping-Kriminalgeschichte kennt im Erzgebirge jedes Kind. Kunz von Kauffungen, ein Lehnsmann, der sich um den Lohn für seine Kriegsdienste betrogen sah, verschleppte im Jahre 1455 die zwei kurfürstlichen Prinzen Ernst und Albrecht, um ein Lösegeld zu erpressen. Die Prinzen wurden befreit. Kurz bevor sich Kunz von Kauffungen im Böhmischen in Sicherheit bringen konnte, wurde er gefangengenommen. Nur eine Woche später rollte sein Kopf über den Freiberger Marktplatz.

Die Geschicke des Erzgebirges wurde vor allem durch zwei politische Vertragsabschlüsse gelenkt:

  • 1459 der Vertrag zu Eger, wodurch Böhmen auf sein Territorium am Nordhang des Gebirges verzichtete.
  • 1485 die Leipziger Teilung. Sie gliederte das Erzgebirge in ein herzogliches Sachsen unter Albrecht, das von Dresden aus regiert wurde, und in ein Kurfürstentum unter Albrecht.

In den folgenden Jahrhunderten bedrückten zahlreiche Kriege, kurfürstliche und kaiserliche Scharmützel das Erzgebirgsvolk. Am schlimmsten haben den Gebirgsstädtchen die Schweden zugesetzt, die ab 1639 das Land überfielen, brandschatzten, plünderten und Kriegsgelder erpressten. Kaum waren die Schäden und Schulden aus "der Schwedenangst" mühsam behoben, bedrückten die Preußen im Siebenjährigen Krieg Sachsen auf ein Neues. Am Bayrischen Erbfolgekrieg, im Volksmund "Kartoffelkrieg" genannt, nahmen die Sachsen auf Preußens Seiten teil. Sie unterstützten damit Kaiser Joseph II., der einen Versuch unternahm, nach Aussterben der bayrischen Kurlinie Niederbayern und die Rheinpfalz zu annektieren.

Was Hungersnöte nicht schafften, das führte die immer wieder aufflackernde Pest fort. (Erst Anfang des 18. Jh. hatte man diese endlich besiegt.)

die letzten 200 Jahre...

Die Revolution 1848/1849 erschütterte das Erzgebirge schwerer als andere Landstriche, da 1847 ein Jahr der Missernte und des Hungers gewesen war.
Auch im Ersten Weltkrieg litt das landwirtschaftliche Notstandsgebiet sehr unter Nahrungsmangel.
Im Zweiten Weltkrieg führte Hitlers Einmarsch in Böhmen über die erzgebirgischen Straßen, die zu diesem Zweck vorher gut ausgebaut wurden. Manche Orte, obwohl kriegsfern, wurden von Bomben getroffen.
Nach dem Krieg wälzte sich der sudetendeutsche Flüchtlingsstrom durch diese Landschaft, die erst von den Amerikanern, dann von den Russen besetzt wurde.
Die Russen waren es auch, die ab 1945 jedes bergbauliche Fleckchen nach Uranvorkommen für ihre Atombomben absuchten. Wo sie fündig wurden, z.B. in Schlema, wurde ab sofort der Uranbergbau betrieben ("Wismut"), der erst mit der Wende zum Erliegen kam. (Das Wort "Uranbergbau" fand man zu DDR-Zeiten allerdings in keinem öffentlichen Medium. Da war nur vom Erzbergbau die Rede.)

Nach der Wende hat sich das Erzgebirge weiter verändert. Heute bietet es eine große Vielfalt touristischer Einrichtungen und es gibt überall Unterkünfte für jeden Geschmack und Geldbeutel. Viele Täler mit ihren idyllischen Dörfen oder die ehrwürdigen Bergstädte sind heute ganzjährig besuchenswert.