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Zur Geschichte von Duchcov (Dux)

Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes „Tockczaw“ stammt aus dem Jahre 1240. Später wurde der Ort in Duchczow und Dux umbenannt. Nach dem Beginn des Bergbaus in der Mitte des 14. Jahrhunderts besiedelten immer mehr deutsche Bergbauarbeiter die bisher böhmische Stadt. Bereits 1389 stellte die deutsche Bevölkerung die Mehrheit der Bürger. Daneben hatte die Stadt eine starke jüdische Gemeinde. 1390 wurde die erste Schule eröffnet, geleitet von Meister Jakob. Zu diesem Zeitpunkt gab es auch schon einen Bürgermeister und ein Altengericht. Neben der romanischen St. Georgskirche errichtete nach 1318 Agatha von Schumburg ein Dominikanerkloster, welches während der Hussitenkriege wieder aufgelöst wurde. Bis 1398 gehörte Dux den Herren von Riesenburg, danach kaufte es Wilhelm von Wettin dem völlig überschuldeten Borso VI. ab. Da der Handel ohne königliche Zustimmung erfolgte, war sie Gegenstand eines jahrzehntelangen Streits. 1412 ging die Stadt an den böhmischen König Wenzel IV. über. Aufgrund eines Friedenvertrages zwischen den Markgrafen von Meißen und der böhmischen Krone wurde die Stadt 1417 wieder an die Deutschen übereignet. Während der Hussitenkriege wurde die Stadt nach der Schlacht zwischen Andreas Prokop (Holý) und Friedrich von Sachsen niedergebrannt. Erst nach der Beendigung der Hussitenkriege kam es zum Wiederaufbau. Gleichzeitig gingen die Streitigkeiten zwischen der böhmischen Krone und den Markgrafen von Meißen weiter, bis die Stadt am 27. Mai 1459 durch den Vertrag von Eger Dux endgültig an Böhmen angeschlossen wurde. Am 12. September 1460 wurden die Stadtprivilegien bestätigt, die Stadt erhielt vom böhmischen König Georg von Podiebrad Stadtwappen und Siegel sowie das Braurecht. Die Verwaltung wurde Zbynko Zajíc von Hasenburg und danach Prokop von Rabstein übertragen. Infolge der Religionskämpfe in Böhmen kam es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Der Nachfolger Prokops, Heinrich von Rabstein, bedrohte dabei sogar die Besitztümer der Herzöge von Sachsen, die daraufhin Strafzüge nach Böhmen durchführten. Nach der Schlichtung siedelten die Herren von Sulewitz auf der Burg, die dann 1491 in die Stadt umsiedelten. 1512 errichteten die neuen Herren im Ort ein Renaissance-Rathaus. 1527 wurde Dux abermals verkauft, diesmal an Depolt Popel von Lobkowitz. Wenzel Popel von Lobkowitz baute die Stadtfeste der Sulewitzer weiter zum Schloss aus. Während des Dreißigjährigen Krieges kam es zu mehreren Besetzungen durch Schweden, die am 5. August 1634 einen Großteil der Stadt niederbrannten. Nachdem der letzte in Dux herrschende Lobkowitzer Franz Josef kinderlos gestorben war, übernahm die Witwe Polyxena von Lobkowicz (geborene von Talmberg) die Stadt, die 1642 den Grafen Maximilian von Wallenstein ehelichte. Sein Nachfolger, der Königgrätzer Bischof Johann Friedrich von Waldstein, ließ 1671 eine Brauerei erbauen und milderte nach seiner Ernennung zum Prager Erzbischof seinen Untertanen die Leibeigenschaft. Die Einnahmen aus Frondiensten und sonstige Finanzabgaben gehörten von nun an der Stadt. 1675 wurde die erste Brauerei erbaut, 1675-1695 das Schloss gänzlich renoviert. Nachdem Johann Friedrich Tod übernahm sein Bruder Ernst Josef von Waldstein die Herrschaft. Dessen Neffe Johann Josef von Waldstein wurde 1707 Universalerbe. Zwei Jahre nach dem Beginn seiner Regentschaft am 10. August 1709 brannte ein Großteil der Stadt einschließlich des alten Rathauses ab. Gleichzeitig erlebte die Stadt unter dem neuen Eigner ihren größten Aufschwung. Das Schloss wurde um zwei Seitenflügel verbreitert, 1721 wurde die Marienkirche fertiggestellt und am 12. September 1722 durch den Leitmeritzer Bischof Johann Adam Wratislaw von Mitrowitz eingeweiht. 1723 beendete man den Bau der St.-Barbara-Kirche und 1728 den des Schlosshospitals mit der Kirche Mariä Himmelfahrt. Aber auch für den wirtschaftlichen Aufschwung sorgte Johann Josef. 1713 gründete er eine Manufaktur zur Herstellung von Waffen. Im Schloss eröffnete er die Waldstein-Galerie. 1731, nach seinem Tod übernahm sein Neffe Franz Josef von Waldstein das Erbe. Auch er bereicherte Dux um zahlreiche künstlerische Werke, unter anderem durch Statuen aus der Werkstatt von Matthias Bernhard Braun. Nach dem Ausbruch der Pest, an der auch seine Frau Josefa starb, ließ er die Pestsäule der Heiligen Dreifaltigkeit errichten. Im Siebenjährigen Krieg wurde die Stadt, in der inzwischen Graf Emanuel Filibert von Waldstein herrschte, durch das preußische Heer völlig ausgeraubt. Nach dem Krieg errichtete der Graf in Dux eine Strumpfmanufaktur. 1763 wurde der erste Braunkohleschacht in Betrieb genommen. Der gebildete Josef Karl Emanuel von Waldstein trat 1774 die Nachfolge an. Er umgab sich gerne mit Künstlern und Wissenschaftlern. 1785 brachte er den Philosophen, Weltenbummler und Abenteurer Giacomo Casanova auf das Schloss. Dieser verbrachte als Schlossbibliothekar bis zu seinem Tod 1798 dreizehn Jahre in Dux. Aus dieser Zeit stammt auch der Großteil seiner Veröffentichungen. Auch Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Ludwig van Beethoven und der russische Zar Alexander I. zählten zu seinen Gästen. Nach seinem Tod 1814 übernahm sein Bruder Adam von Waldstein, ein bedeutender Botaniker, die Herrschaft. Er baute das Schloss im klassizistischen Stil um, legte den englischen Park im Schlossgarten an und errichtete ein Schlossmuseum. In den Folgejahren kam es durch frühe Todesfälle zum raschen Wechsel in der Herrschaft. Unter Anton von Waldstein besuchten wieder einmal Künstler das Schloss, darunter der Schriftsteller František Palacký und Frédéric Chopin. Auch die Stadt änderte und vergrößerte sich. Die alten Tore wurden abgerissen und es entstanden neue Unternehmen, darunter 1849 eine Zuckerfabrik und eine Glasfabrik. 1853 kam eine Porzellanmanufaktur des Inhabers Eduard Eichler hinzu. Im Preußisch-Österreichischen Krieg brachten die durchziehenden Heere Cholera nach Dux. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Eisenbahn gebaut und im Mai 1867 eröffnet. Dux wurde dabei zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Dux wurde durch die geförderte Kohle, durch Ziegeleien, Kalkwerke, Gießereien, Keramikfabriken und später Glasereien zu einer wichtigen Industriestadt. Der Bergbau führte immer mehr Menschen nach Dux und war fast auch sein Untergang. Durch den Abbau und die Unterhöhlung mussten immer wieder Teile der Stadt abgerissen werden. Der industrielle Aufschwung wirkte sich auch auf die Bevölkerungszahl aus. Hatte Dux zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch 772 Einwohner, waren es 1900 bereits 11.921. Die Tschechen bildeten dabei nur eine Minderheit. Die Industrie benötigte jedoch auch gut ausgebildete Facharbeiter. 1872 wurde deshalb eine Bergfachschule eingerichtet. Aber der Bergbau forderte auch Opfer. bei Bergunglücken 1879, 1893, 1900 und dem größten am 3. Januar 1934 kamen über 240 Bergarbeiter ums Leben. Ende des Jahrhunderts wurde Dux an das Telefonnetz angeschlossen (1881), die elektrische Beleuchtung in Betrieb genommen (1892) und eine Post eröffnet (1893). Weitere öffentliche Gebäude wurden der Öffentlichkeit übergeben, so im Jahre 1896 das städtische Museum und die Bezirkshauptmannschaft. 1902 weihte man die evangelische Kirche ein, geplant von den Dresdner Architekten Graebner und Schilling, 1911 kam das Bezirkskrankenhaus hinzu und 1914 das Gebäude des Gymnasiums. Nach der Gründung der Tschechoslowakei 1920 zählte die Stadt Dux 12.513 Einwohner, davon 5.965 Tschechen, am 1. Dezember 1930 13.040 Einwohner, am 17. Mai 1939 waren es 9.646 und am 22. Mai 1947 8.229 Bewohner. Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, dass nach dem Ersten Weltkrieg eine Wirtschaftsflaute Dux heimsuchte. Dux schloss sich in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg nicht mehrheitlich den Sudetendeutschen Partei Konrad Henleins an. 1933 stand an der Spitze der deutsche Antifaschist und Sozialdemokrat Karl Schlein, der kurz vor der Okkupation der Stadt am 9. Oktober 1938 ins Exil nach Schweden flüchtete. Nach der Besetzung zog sich ein großer Teil der tschechischen Bevölkerung in das Landesinnere zurück. Nach der Befreiung übernahm am 8. Mai 1945 der Nationalausschuss unter Leitung von Josef Skalník die Geschicke der Stadt. Unter Beschuss der sowjetischen Armee brannte am 10. Mai 1945 die Kirche Maria Verkündung aus und mit ihr gingen einige wertvolle Kunstschätze verloren. Aufgrund der Beneš-Dekrete wurde der Anteil der deutschen Bevölkerung, der sich nicht gegen die Besetzung der Tschechoslowakei durch die Nationalsozialisten ausgesprochen hatte, 1945 enteignet und vertrieben. Erst nach und nach kam es zur Nachbesiedlung mit tschechischer Bevölkerung. Unter dem kommunistischen Regime kam es zu weiteren Zerstörungen von Kulturdenkmälern, die dem Bergbau weichen mussten, so der größte Teil des Schlossparks, das Hospital und die Kirche Mariä Himmelfahrt. Aber auch Verkehrswege wurden abgerissen und nur teilweise wieder aufgebaut. Erst in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts kam es zur Restaurierung von Kultur- und Denkmalobjekten. Heute ist Duchcov durch seine Nähe zu Naturschutzgebieten ein Ausgangspunkt für Freizeitaktivitäten.

Quelle: Pavel Koukal: Duchcov v zrcadle dejin (Dux im Spiegel der Geschichte) ISBN 80-86467-10-4