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Stadtbild

Das auffallendste Merkmal einer mittelalterlichen Stadt war der mächtige Mauerring, der die Bewohner vor Feinden  schützte und ihr ein burgähnliches Aussehen verlieh. Innen bildete der Markt den Mittelpunkt. Am Markt und in seiner Nähe lagen meist auch die steinernen Häuser der Kaufleute, das Rathaus und die Kirche. Auch der Schandpfahl, an dem Straftäter zur Schau gestellt wurden, befand sich dort. In engen Gassen lebten die Handwerker und die ärmeren Teile der Bevölkerung. Hier herrschte die Fachwerkbauweise vor.

Da in der Stadt auch sogenannte Ackerbürger wohnten, die mit ihren Gespannen durch die Gassen fuhren, war es um die Sauberkeit nicht zum Besten bestellt. In Sayda war nur die  Hauptstraße gepflastert. Es gab keine Kanalisation.  Die drei Hauptprobleme, die sich daraus ergaben, waren die Wasserversorgung, die Abfallbeseitigung und die Verschmutzung der Umwelt durch gewerbliche Betätigung. Die häusliche Wasserversorgung war noch weitgehend Privatsache, der Hausmüll wurde auf die Straße geworfen und das Abwasser lief die Gosse hinunter. Erst gegen Ende des Spätmittelalters verbesserten sich die Lebensumstände durch öffentliche Grundwasserbrunnen, bessere Trinkwasserleitungen und strengere Auflagen bei der Entsorgung des Abfalls und der gewerblichen Abwässer.

Befestigte Handelsstadt

Stadtbefestigung Sayda

Spätestens im 14. Jahrhundert, vermutlich nach Herrschaftsantritt der Familie von Schönberg, hat sich der Ort Sayda mit einer Stadtbefestigung umgeben. Das Recht hierzu war im Mittelalter ein besonderes Privileg, denn die Stadtmauer bot dem sich entwickelnden Marktplatz, der Stadt und dem Herrschaftssitz zusätzlichen Schutz vor Angreifern. Mit dem Erlangen des Befestigungsrechtes bot Sayda vor allem durchziehenden Händlern noch mehr Sicherheit für ihre wertvollen Waren und gewann hiermit an Bedeutung.

Die Mauer wurde vermutlich Stein und Lehm errichtet. Die Mauerkrone war begehbar und nach Außen hin mit einer Brüstung mit Schießscharten versehen. So gesichert konnte die Stadt nur durch die 4 vorhandenen Stadttore: das Freiberger und das Böhmische Tor, an der Handelsstraße gelegen, das Wassertor und eine Pforte im Nordosten der Stadt passiert werden. Torwächter kontrollierten wer in die Stadt hinein oder hinaus wollte. Für Waren wurden Zölle fällig.

Das Freiberger Tor wurde 1809 abgetragen und das Böhmische 1827. Zur 800 - Jahr - Feier entstanden beide symbolisch für einige Zeit neu. Die Mauer musste mit der Vergrößerung der Stadt und dem Wiederaufbau nach zahlreichen Stadtbränden nach und nach weichen. Heute kann noch ein fast ringförmiges System aus Erdwällen rund um Sayda besichtigt werden. Im Südwesten hat der Wall eine Breite von 6 bis 8 und eine Höhe von 3 Metern. Sonst ist ein doppelter Wall mit unterschiedlichen Breiten und Höhen erkennbar. Dieses Befestigungssystem Saydas steht seit 1972 unter Denkmalschutz.

Im Jahre 1442 bestätigte Heinrich von Schönberg Sayda das Stadtrecht. In dem Stadtbrief wird u.a. das Recht verbürgt, innerhalb einer Meile allein Bier zu brauen und zu schenken und Salzmarkt und Wochenmärkte zu halten, Zins und Geschoß zu erheben, die Gastung zu setzen, Brückenzoll zur Unterhaltung der Brücken zu erheben, das Innungswesen zu regeln, Erlaubnis zum bauen und zum Handeltreiben zu erteilen. Es gibt auch strenge Regeln für die Bewohner der Stadt. So wurde z.B. verboten, des Nachts mit brennenden Spänen (statt Laternen ) auf die Gasse zu gehen, bei den Wassertrögen zu waschen, damit das Wasser nicht verunreinigt werde. Fütterungen durften nicht in die Häuser gelegt werden und es war verboten, allein zu hüten, d.h. sein Vieh nicht durch den Stadthirten auf dem bestimmten Platze, der Viehtreibe, hüten zu lassen. Auch war es verboten, lange Messer zu tragen.