Von der Waldarbeitersiedlung Georgendorf und der Hasenbrücke

In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts besaß der Bürgermeister von Dresden, Hans Hase, einen Eisenhammer in Dorfchemnitz. Für den Betrieb benötigte er Holzkohle. Zur Erzeugung dieser Kohle kaufte er 1584 in Böhmen, unmittelbar jenseits der sächsisch / böhmischen Grenze, ein Stück „Stockraum“ (= Waldstück zur Holznutzung) auf 20 Jahre, um 600 Thaler vom böhmischen Grafen Georg von Lobkowitz dem Jungen.

Das geschlagene Holz wurde auch gleich an dieser Stelle verkohlt. Damit er die Kohle auf kürzestem Wege zu seinem Hammerwerk bringen konnte, ließ er anstelle des alten Mönchsteges, eine 120 Ellen ( = ca. 68 m ) lange Brücke über den Grenzfluss Fleyh / Flöha errichten. Der Steg war „Mönchsteg“ genannt worden, weil er früher von den Mönchen aus Ossegg ( Osek ) benutzt wurde. Auf sächsischer Seite geriet Hans Hase wegen dieses "illegalen“ Grenzüberganges mit dem Besitzer der Herr-schaft Purschenstein, Caspar von Schönberg, in Streit. Caspar von Schönberg besaß seine Zollstellen an der Straße Freiberg – Sayda – Purschenstein – Brüx und war nicht ge-willt, Nebenwege zu gestatten, die vielleicht seine Einkünfte geschmälert hätten. Daher hinderte er auch Hans Hase jene Straßen und Wege zu benutzen, die von Hasens Brücke über Caspar von Schönbergs Grund und Boden nach Dorfchemnitz führten. Hans Hase wandte sich darauf an den Kurfürsten August. Dieser beauftragte den Berg-hauptmann Lorenz von Schönberg auf Reinsberg mit der Vermittlung. Beide Streit-parteien wurden nach Dresden geladen und am 23. September 1585 kam es zu folgendem Vergleich: Hans Hase durfte "seinen” Grenzübergang behalten und bekam eine Straße nach Dorfchemnitz zugewie-sen. Hans Hasens Fuhrleute durften diese Straße nicht verlassen und nur so viel Holzkohle transportieren, wie Hase für seinen eigenen Betrieb benötigte. Hans Hase musste die Straße auf eigene Kosten instand halten und für die Benutzung dem Herr-schaftsbesitzer Caspar v. Schönberg jährlich 12 Gulden bezahlen.

Durch diesen Vertrag entstand Rechtssicherheit. Nun konnte Hans Hase die Holzkohle ungehindert nach Dorfchemnitz und auch zu seiner Schmelzhütte in Clausnitz transportieren. Man kann davon ausgehen, dass ab 1585 / 86 die Waldrodungen auf der böhmischen Seite der Flöha zügig vorangingen und jene freie Fläche entstand, die eine Dorfgründung möglich machte. Das neue Dorf wurde nach dem damaligen Grundherrn „Georgenthal” benannt.

Die Siedlung und auch die „Hasenbrücke“ gelangten schnell an Bedeutung. Immerhin verzeichnete sie Mathias Oeder bereits 1591 in seiner Karte im Auftrag des Kurfürsten gezeichneten Karte.

In dieser ist nicht nur eine Brücke über die Flöha, un-mittelbar nach dem Zusammenfluss von Fleyh (Flöha) und Grenzbach (Steinbach), also die „Hasenbrücke“, eingezeichnet, sondern auch eine Mühle und 3 Haussymbole am Fleyhbach, ein kleines Stück oberhalb ( flussaufwärts ) von der „Hasenbrücke“. Dabei kann es sich nur um das spätere Georgendorf handeln.

In sächsischen Dokumenten wurde der Name „Georgenthal” noch bis weit in das 17. Jahrhundert verwendet. In Böhmen findet man bereits ab 1596 nur noch die Bezeichnung „Georgen(s)dorf”.

Der kleine Ort Deutschgeorgenthal, auf der sächsischen Seite der „Hasenbrücke“, entstand erst später.

Das heutige Brücklein trägt noch immer den Namen "Hasenbrücke”.