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Die Klostergärten

Neben der Bausubstanz aus acht Jahrhunderten ist es vor allem das hochkarätige gartenkünstlerische Erbe, auf dem die kulturhistorische Bedeutung und die besondere Ausstrahlung der Abtei Osek gründen. Im Gegensatz zu vielen anderen vergleichbaren Anlagen sind hier neben den Klostergebäuden auch die Gärten in ihrer baulichen Substanz und Dimension nahezu vollständig erhalten.

Gärten existierten in Osek seit der Gründung des Klosters im 12. Jahrhundert. Nach wie vor erlebbar ist der mittelalterliche Raumeindruck des Paradies-gartens inmitten des gotischen Kreuzganges. Die mittelalterlichen Obst-, Gemüse- und Kräutergärten des Klosters sind heute nicht mehr nachweisbar. Die frühen Traditionen des Obstbaus und der Karpfenzucht sind in Osek aber noch immer lebendig. Vor allem in den großen repräsentativen Gartenanlagen vom Beginn des 18. Jahrhunderts finden Einfluss und ökonomische Stärke des Klosters ihren Ausdruck. Unter Abt Hieronymus Besnecker entstanden seit 1726 der Abtgarten, der Konventgarten und der Novizengarten, die reich ausgestattet mit Pavillons, Wasserbecken, Fontänen, Parterres und Figurenschmuck ihren weltlichen Nachbarn in keiner Weise nachstehen.

Der repräsentative Garten für den Abt und seine Gäste wird ab 1726 vermutlich nach Plänen von Octavian Broggio auf einer kleinen Terrasse vor der Prälatur errichtet - mit Blumenparterres, Springbrunnen und den beiden seitlichen Gartenpavillons. Bis Ende des 18. Jahrhunderts wurde auf insgesamt vier Terrassenstufen schrittweise ein dramatisch gestufter Barockgarten entwickelt, mit zahlreichen Wassereffekten, Treppenanlagen, Wandelgängen und reichem skulpturalen Schmuck.

Der Konventgarten für die Mönche des Klosters entstand ab 1728. Er ist geprägt von zwei großen, ruhigen Ebenen, die ursprünglich in aufwendig bepflanzte Parterreflächen unterteilt waren. Kleine Fontänen belebten den Gartenaufenthalt. Der Gartensaal des Konvents und die grottenähnliche Kapelle in der südlichen Umfassungsmauer der Klosteranlage beschreiben die Hauptachse des Gartens. Vom Westpavillon führt eine zweiarmige Treppe in den Novizengarten. Dieser liegt erhöht und bietet interessante Blickbeziehungen in den Konventgarten. Ende des neunzehnten Jahrhunderts wurde der Novizengarten vergrößert und ein vormals außerhalb des Klostergeländes liegender Fischteich integriert. Heute sind weite Teile beider Gärten mit Obstbäumen bepflanzt.

Der Obstgarten nimmt den gesamten südöstlichen Teil des Klosterareals ein. Hier wachsen unzählige Apfel- und Birnbäume, die im Herbst eine reiche Ernte bringen. Teile des Gartens sind heute als Gehege für Damhirsche eingezäunt. Außerhalb der Klostermauer liegt der große Küchengarten. Er wurde 1661 als Nutzgarten angelegt und ist bis heute ähnlich parzelliert wie auf der Vedute von 1738. Das statt-liche Tor zum Küchengarten, der heute von Oseker Bürgern zum Gemüseanbau genutzt wird, liegt direkt gegenüber der Klosterpforte. Im oberen Teil existiert noch der alte Klosterfriedhof für verstorbene Konventmitglieder.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges verlor das Kloster Osek seine wirtschaftliche Grundlage und wurde zum Opfer einer verfehlten Politik, die auch die Gärten nicht verschonte. Die in Osek internierten Nonnen nutzen die Flächen des Konventgartens zum Obst- und Gemüseanbau, konnten sich der Pflege der historischen Substanz aber kaum widmen. Die Gärten verwahrlosen zusehends. Nachdem das Kloster 1964 zum Kulturdenkmal ernannt wurde, begann die Staatliche Denkmalpflege in den 1970er Jahren mit groß angelegten Renovierungsarbeiten, die jedoch mit der Wende abrupt endeten und einen bis heute weitgehend ausgeräumten Abtgarten hinterlassen. 1995 wurde das Kloster mit seinen Gärten zum Nationaldenkmal der Tschechischen Republik erhoben.
 
Der großartige architektonische Rahmen der barocken Gärten blieb trotz vieler Umge-staltungen und Vernachlässigung bis heute erhalten. Fehlende kontinuierliche Pflege führte jedoch in den vergangenen Jahrzehnten zum Verfall des gartenarchitektonischen Erbes. Vordringliche Aufgabe ist nun der Erhalt der historischen Substanz.