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Romwegkarten

Anlässlich des Heiligen Jahres 1500, das einen starken Zustrom von Pilgern nach Rom versprach, hat Erhard Etzlaub (ca. 1460-1532, Kartograph, Astrologe, „Kompassbauer“ und Doktor der Medizin) die als Holzschnitt ausgeführte Romweg-Karte im Maßstab von ca. 1:5,6 Mio. (41 x 29 cm) mit dem Titel „Das ist der Rom-Weg von meylen zu meylen mit puncten verzeichnet von eyner stat zu der andern durch deutzsche landt“ erstellt und damit die früheste Straßenkarte Mitteleuropas geschaffen. Die Karte ist wie alle Karten Etzlaubs gesüdet (Süden liegt oben), drei Himmelsrichtungen sind mit Aufgang, Mittag und Under-gang beschriftet. Der Straßenverlauf ist wieder-gegeben, Entfernungen zwischen den Städten sind durch Punkte im Abstand je einer Deutschen Meile (7,4 km) messbar, politische Grenzen sind durch unterschiedliche Farbgebung angemerkt, soweit die Blätter (nach Vorgaben des Autors) koloriert wurden. Zeichner, Holzschneider und Drucker werden nicht genannt. Die Karte verzeichnet das Gebiet zwischen dem 58. Breitengrad (Viborg, Dänemark) und dem 41. (Neapel). Die Daten hierfür hatte Etzlaub wohl aus Informationen reisender Kaufleute gesammelt und teilweise wohl auch der nicht erhaltenen Klosterneuburger Fridericuskarte von etwa 1421 entnommen. Eine zweite verbesserte und erweiterte Ausgabe dieser Pilgerkarte erschien 1501 unter dem Titel „Das sein dy lantstrassen durch das Romisch reych ...“; wurde von Georg Glogkendon gedruckt.

Pilgerreisen

Pilgerreisen zu den heiligen Stätten des Christentums in Europa, die man zur Bekundung der eigenen Frömmigkeit oder als Akt der Buße unternahm, waren im Mittelalter sehr beliebt. Die christliche Wallfahrt etablierte sich als ein Glaubenszeugnis, insbesonders weil die Wege zu den Wallfahrtsorten oft weit, mühsam und möglicherweise gefährlich waren. Die Einkünfte durch die Pilger kamen den Durchreiseländern, den Ritterorden (die Schutz verkauften) und den Orten der Pilgerreiseziele zugute (vergleichbar den Einnahmen, die heute von Touristen ausgehen). Auch die jeweiligen kirchlichen Institutionen erzielten nicht unwesentliche Einnahmen.

Im frühen Mittelalter hatten viele christliche Wallfahrten im westlichen Christentum  das Heilige Land zum Ziel. Als besondere, gewaltbegleitete Form der Wallfahrt entwickelten sich mittelbar auch die Kreuzzüge, mit politisch-strategischer Bedeutung. Als sich die Christen aus dem Heiligen Land zurückziehen mussten und die dortigen Pilgerstätten für Jahrhunderte nur schwer erreichbar waren, traten im christlichen Westen Reliquien und Gräber von Heiligen in leicht erreichbarer Nähe der Gläubigen lange Zeit stärker in den Vordergrund. Hierzu wurden Stätten für Wallfahrten kirchlich gezielt gefördert. Zu den bevorzugten Zielen dieser Reisen gehörte nun das spanische Santiago de Compostela, wo man das Grab des Apostels Jakob vermutet.Die Pilgerfahrt endete in der Kathedrale von Santiago. Dort stand unterhalb des Hochaltars ein mamorner Sakrophag mit den sterblichen Überresten des hl. Jakob. Nach dem Berühren des Reliquienscheins kauften sich die Pilger das Symbol des Heiligen, eine Jakobsmuschel, bevor sie den Heimweg antraten. Andere Pilger zog es zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus in Rom.

Heute werden christliche Wallfahrten gewöhnlich als zeichenhafte Darstellung der Lebensreise aufgefasst. Der Aufenthalt am fremden heiligen Ort imaginiert vielen Menschen bisher verschlossene Bereiche ihres Seelenlebens und ihrer Gefühle.