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Zur Geschichte der Stadt

Die Stadt Brüx entstand im Zusammenhang mit dem so genannten Landesausbau im Erzgebirgsvorland und im Erzgebirge am Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Der Landesausbau war ein Teil der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung. Die Stadt wurde vermutlich in den 1220er-Jahren durch das Geschlecht der Hrabischitze mit Unterstützung durch das Kloster der Kreuzherren vom Prager Zderaz angelegt. Eine von der älteren Forschung und auch heute noch vermutete hölzerne Brücke, über die angeblich bereits Ibrahim ibn Jakub Ende des zehnten Jahrhunderts nach Prag gezogen sei und von der die Stadt ihren Namen haben soll, muss nach den Ergebnissen der archäologischen Forschung dagegen ins Reich der Legende verwiesen werden.

Kojata von Brüx, der letzte Nachkomme der Familie der Hrabischitze, hinterließ im Jahre 1227 sein ganzes Vermögen dem Kloster der Zderazer Kreuzherren. Aber wahrscheinlich schon 1229, spätestens jedoch 1238 ging die Stadt in den Besitz den Premysliden über. Aus den 1230er- bis 1250er-Jahren stammen auch die ältesten archäologischen Belege aus den Grabungen im alten Stadtkern. Das älteste Stadtsiegel stammt aus dem Jahre 1257.

Brüx war eine reiche mittelalterliche Stadt mit allen Rechten, welche der Stadt von Premysl Ottokar II., Johann von Luxemburg und Karl IV. erteilt wurden. Am Ende des 14. Jahrhunderts wurden entlang der Stadt Weinberge angelegt. Infolge der Neubesiedlung hatte die Mehrzahl der Bewohner die deutsche Nationalität.

In den Hussitenkriegen (1419-1434) war Brüx ein Zentrum der Katholiken. In der Zeit von 1455 bis 1515 war die Stadt von mehreren Großbränden betroffen. Während einer bewundernswerten schnellen Stadterneuerung begann im Jahre 1517 der Meister Jakob Heilmann aus Schweinfurt, eine neue Dekanatkirche zu bauen. Es wurde auch ein neues Rathaus im Renaissancestil gebaut. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt mehrmals von schwedischen Truppen erobert. Im Jahre 1646 wurde zum ersten und letzten Mal durch eine Kriegslist auch die Burg auf dem Schlossberg Burg Hnevín (Landeswarte) erobert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor die Stadt ihre wirtschaftliche und politische Bedeutung.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderten Kohlebergbau und Industrie den Charakter der Stadt (Zucker- und Porzellanfabrik, Stahlwerk, Brauerei). Das Stadtmuseum wurde gegründet. 1870 erhielt Brüx durch die Aussig-Teplitzer Eisenbahn den ersten Eisenbahnanschluss. Besonders für den expandierenden Kohlebergbau wurden viele Arbeiter überwiegend tschechischer Nationalität nach Brüx verpflichtet. Um 1930 hatte die siebzig Jahre zuvor noch rein deutsche Stadt ein knappe tschechische Mehrheit.

Bei der Schwemmsandkatastrophe im Jahre 1895 verursachten untertage vorgetriebene Bergwerksstollen einen Fließsanddurchbruch, einige Häuser versanken samt ihren Bewohnern in der Erde, andere wurden unbewohnbar.

Im Jahre 1900 wurde die Verbandmaterialfabrik RICO erbaut, im Jahre 1901 wurden die Städte Brüx (Most) und Kopitz (Kopisty) bis nach Johnsdorf (Janov u Litvínova) durch eine Straßenbahn verbunden. Im Jahre 1911 wurde das damals modernste Theatergebäude in Österreich-Ungarn eröffnet, die Trinkwasserversorgung der Stadt wurde von 1911 bis 1914 durch den Bau einer Talsperre in Kreuzweg (Krizatky) gelöst.

Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Brüx für einige Wochen zur Provinz Deutschböhmen. In keiner anderen mehrheitlich deutschen Stadt Böhmens war der Widerstand gegen die tschechische Besetzung so groß wie hier. Ein erster Besetzungsversuch am 26. November 1918 durch schwache tschechische Truppen wurde von der Brüxer Volkswehr ohne Kampf abgewiesen. Am 27. November griff tschechisches Militär in Bataillonsstärke die Stadt von Nordosten her an. Nach stundenlangen Straßenkämpfen musste die weit unterlegene Volkswehr am späten Nachmittag kapitulieren. Die letzten Deutschen ergaben sich erst am 28. November, nachdem angedroht worden war, die Stadt mit Artillerie zu beschießen. Auf deutscher Seite waren sechs Tote und mehrere Verletzte zu beklagen, die Zahl der tschechischen Opfer ist unbekannt.

Auch in Brüx wurde am 4. März 1919 für das Selbstbestimmungsrecht der Völker und gegen die tschechische Besetzung demonstriert. Anders als im nahe gelegenen Kaaden wurde die Demonstration in Brüx nicht zerschlagen.

Bis zur Weltwirtschaftskrise der Dreißiger-Jahre wurde Brüx rasch ausgebaut. Danach wanderten viele Einwohner aufgrund wirtschaftlicher Nöte nach Nordamerika und Australien aus. Nach dem Anschluss des Sudetenlandes 1938 an das Reich wurde im nahen Maltheuern ein großes Hydrierwerk errichtet (Hermann-Göring-Werke), um aus Kohle Treibstoffe herzustellen. Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt darum ein häufiges Ziel alliierter Luftangriffe, welche erhebliche Zerstörungen verursachten. Viele deutsche Brüxer sowie mehrere hundert nichtdeutsche Zwangsarbeiter kamen dabei ums Leben.

Mit 1. April 1941 wurden die benachbarte Stadt Kopitz und die Gemeinden Rudelsdorf an der Biela, Strimitz und Tschausch in die Stadt Brüx eingegliedert. Die Stadt Brüx hatte am 1. Dezember 1930 43.260 Einwohner, am 17. Mai 1939 waren es 36.454 und am 22. Mai 1947 35.330 Bewohner.

Aufgrund der Beneš-Dekrete wurde der Teil der deutschen Bevölkerung, der sich nicht gegen die Besetzung der Tschechoslowakei durch die Nationalsozialisten ausgesprochen hatte, 1945 enteignet und vertrieben. In den Fünfziger-Jahren erfolgte der Bau neuer Siedlungen unterhalb des Schlossberges (Hnevín). 1964 begann infolge des Kohlebergbaues der vollständige Abriss der Stadt und die Errichtung einer Plattenbautenstadt auf der grünen Wiese zwei Kilometer südlich.

Vom alten Brüx besteht heute nur noch die historisch wertvolle Dekanatskirche, die in einer spektakulären Aktion samt ihren Fundamenten auf Schienen an ihren neuen Standort verschoben wurde. Für die Aufnahme des Kohletagebaus wurde der Jan-Hus-Schacht geschaffen, der die Beseitigung der Altstadt erzwang und alle bauhistorischen Strukturen zerstörte. Nach der Sprengung des Stadtzentrums Anfang der 1960er-Jahre blieben ein altes Villenviertel aus dem Ende des 19. Jahrhunderts unterhalb der Burg und etliche Bauten aus den 1920er-Jahren erhalten.

Das Leben in Brüx/Most und der gesamten Region wurde durch die Schwerindustrie, den Kohlebergbau und die Chemieindustrie geprägt. Zum Ende des 20. Jahrhunderts begann eine Neuorientierung auf Leichtindustrie und Dienstleistungen. Schwerpunkt ist jedoch nach wie vor der Braunkohlebergbau und die Rekultivierung der vom Tagebau verwüsteten Bodenoberflächen.

Rekultivierte Flächen werden zu Erholungs- und Badezwecken, aber auch für den Obst- und Weinbau genutzt. Vor allem unter Motorsportbegeisterten ist das Autodrom Most ein Begriff. Die Veranstaltungen auf dieser Rennstrecke waren zu Zeiten des Eisernen Vorhangs auch ein sehr beliebter Treffpunkt der Motorsportfreunde aus der DDR.

Das in der neuen Stadt entstandene Stadttheater ist ein moderner Bau, der zum Wahrzeichen Mosts wurde. Brüx verfügt heute über einen Flughafen sowie einen Stadtverkehr mit mehreren Bus- und Straßenbahnlinien.

Auf dem Hausberg von Brüx, dem Hnevín (Burgberg), befindet sich die Burg Landeswarte, dabei handelt es sich jedoch nicht um eine mittelalterliche Burg, sondern um einen historisierenden Gaststättenbau aus dem Jahre 1906, in den erhaltene Teile der alten Burgruine einbezogen worden sind.

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