Sie sind hier: Erlebnisführer / Böhmisches Erzgebirge / Osek - Litvinov - Most / Most / Kirche und Spital

Das Barockspital und die Kirche des heiligen Geistes

Im Jahre 1515 brannte die alte Brüxer Pfarrkirche nieder, die sich damals in der Mitte des Friedhofs befand, und zwar beim Weg, welcher zur Saazer Landstraße führte. Vom Bauwerk haben sich seine östliche Krypta und das Innenumfassungsmauerwerk des westlichen Turms erhalten. (Die Gründung der Kirche im Zeitraum zwischen den Jahren 1253 bis 1257 ist indirekt durch die Urkunde vom Papst Bonifaz VIII. aus dem Jahre 1296 dokumentiert, das Bauwerk war ursprünglich eine frühgotische Dreischiffsbasilika)

Am 20. August 1517 begann der Bau einer neuen Kirche. Projektant dieser Kirche war Jakob Heilmann aus Schweinfurt. Diese Kirche entwarf er als ein großes Hallendreischiffsbauwerk mit Innenstützen, einem Pentanpresbyterium mit Prismenturm und Umgang in der Hauptvorderseite, einem Vorraum bei der nördlichen Wand und einer nordwestlich situierten Sakristei.

Im ersten Baujahre verliefen die Abrissarbeiten, erst im Jahre 1518 überreichte Meister Jakob den Entwurf des neuen Bauwerks. Die Bauleitung nahm Georg (Jörg) aus Maulbronn auf. Im Jahre 1531 übernahm die Bauleitung nach Meister Jörg Meister Peter, vielleicht Heilmann.

In den Jahren 1880-83 wurde die letzte große Instandsetzung durchgeführt, bei welcher das Interieur durch Beseitigung eines Teils des Barockinventars, einer neuen gotischen Wandbemalung und Installierung einer neuen gotischen Einrichtung erneuert wurde.

Im Jahre 1932 wurde eine Instandsetzung unter der Leitung des Architekten Karl Kühn durchgeführt – die Erneuerung des Mörtelbewurfs vom Bauwerksaußenmantel und die Restaurierung von Steinelementen

Der große Hauptaltar entstand in den Jahren 1735-39, seine plastische Verzierung aus der Werkstatt des Bildhauers Bartholomäus Eder und das große Altarbild von Josef Kramolín stammen aus dem Jahre 1773.

Im Oktober 1975 wurde die Kirche um 841,1 m in die Nähe des Spitals und der Kirche des Heiligen Geistes verschoben und auf einen zweigeschossigen Stahlbetonuntergrund abgesetzt. Die Verschiebungsgeschwindigkeit betrug 1-3 cm pro Minute.

Zur Rettung der Kirche wurde die Variante ihrer Verschiebung über eine Bogentransportstrecke ausgewählt.

Aufgrund von Projekten der Prager Firma Transfera, einer Organisation des Kulturministeriums der Tschechoslowakischen Republik wurde die Verschiebung der Kirche durch Mitarbeiter von VEB Průmstav Pardubice und Škoda Pilsen realisiert

Vorsitzende der Expertenkommission des Kulturministeriums der Tschechoslowakischen Republik war Akademiker Stanislaus Bechyně, ab dem Jahre 1969 dann Alois Myslivec, unter dessen Leitung die Kommission die Projektierungstätigkeit und die eigene Realisierung dieser Aktion verfolgte

Das Außenwandmauerwerk und die Trag- und Stützpfeiler wurden verfestigt, der Rest des Westturms wurde abgerissen. Die Außenwand der Kirche verankerte ein Betonkranz und von innen und außen wurde die Kirche durch eine Stahlkonstruktion umklammert

Unter alle statisch wichtige Punkte des Bauwerks wurden auf der errichteten Gleisanlage 53 Transportwagen eingeschoben, die auf einem hydraulischen Prinzip arbeiteten.

Die Hydraulikanlage steuerte 4 Auslegerarme, welche die Kirche schleppen, eventuell bremsen sollten. Die Arbeiten wurde durch einen Computer gesteuert, es wurde aber dabei nicht ein manueller Eingriff ausgeschlossen. Die Gleisanlage auf der Streckenaufschüttung wurde im Verlaufe des Transports der Kirche von hinten nach vorn verlegt. Die Vorarbeiten haben sieben Jahre gedauert (Es mussten dabei alle Häuser niedergerissen werden, die im Weg standen, der ehemalige Bergbaubetrieb Richard wurde verschüttet, etc.)  Nach 27 Transporttagen wurde endlich die Kirche an ihren neuen Standort abgesetzt.

Bis zum Jahre 1988 verliefen die Restaurierungsarbeiten, im Jahre 1993 wurde sie nochmals feierlich eingeweiht.

Nach dem Vorbild der süddeutschen Gotik hat die Kirche nur ein Turm. Das Exterieur wirkt einfältig und schlicht, die Wände sind glatt und flach, die Umfassungsmauer ist durch zwei Fensterbänder zergliedert, die untenliegenden Fenster gehören den einzelnen Kapellen und der Oberfenstergürtel gehört den Seitenschiffen der Halle. Den Innenraum der Kirche bildet eine große Halle, welche in drei Schiffe mit sieben Paaren von Achtseitigen Pfeilern aufgeteilt ist. Zwischen die Stützpfeiler wurden 16 Kapellen eingefügt, zwei seitliche Vorkirchen, eine Sakristei, eine östliche doppelte schneckenförmige Treppe und eine westliche schneckenförmige Treppe. Jede der Kapellen hat sein eigenes Rundgewölbe und ist seinem Donatus – den Zünften, den Patriziern und eine der Hierarchie, dem Abt Bartholomäus aus Ossek eingeweiht.

Im Interieur der Kirche wurde eine Exposition der Gotik- und Renaissancekunst des Nordwestböhmens installiert, das Souterrain der Kirche dient als Ausstellungsraum für die Nordböhmische Galerie.

Im Jahre 1995 wurde der Umbau des ehemaligen städtischen Barockspitals beendet, wo derzeit auch die Regionalgalerie für die bildende Kunst ihr Hinterland hat.

Bis ungefähr zum ersten Drittel des 14. Jahrhunderts war das Kreuzherrenspital die einzige Einrichtung seiner Art in Most. Dann hat sich die Stadt ein eigenes Spital vor seinen Stadt- mauern beim Prager Weg erbaut. Der erste schriftliche Bericht darüber bezieht sich zu dem Jahre 1351.

Das Spital, das im Jahre 1723 im Barockstil umgebaut wurde, ist länglich, einstöckig, mit drei Gebäudeteilen, mit einen langen Mittelgang und einem Lünettengewölbe. Die Hauptstirnfront des Gebäudes mit fünf Fensterachsen gliedert ein Gurt- und Dachsims. Die Fenster befinden sich in Stuckblendrahmen, das Dach ist ein Walmdach mit Dachziegeln bedeckt.

Die Baureparatur der kleinen gotischen Kirche des St. Geistes, die mit dem Stadtspital ein Ganzes bildet, begann auch im Jahre 1995. Die Spitalkirche des St. Geistes ist heute das älteste Bauwerk, das aus der alten Stadt aufbewahrt wurde. Diese Einschiffkirche, die vor erster Hälfte des 14. Jahrhunderts gebaut wurde, ist der einzige Beweis der gotischen Architektur in Most (Brüx) vor dem Jahr 1515.

Es handelt sich um ein Einschiffbauwerk mit dreiseitigem Abschluss und einem Grundriss, welcher bei den übrigen Spitalkirchen in anderen Städten damals üblich war. Das Interieur ist durch zwei Fenster beleuchtet und durch ein profiliertes Spitzbogenportal zugänglich. Einer von den Befestigungsbolzen der Gewölberippen war mit dem Wappen des Gottesgrab- Kreutzritterordens von Zderaz (bei Prag) gekennzeichnet, da die Kirche eine Filialkirche zur Pfarr- (Dekan-) Kirche in Most war. Hier hatten nämlich die Bürger aus Zderaz das Einreichungsrecht. Der Chor ist mit einem Feld der Kreuzgewölbe und einem Gewölbescheitel gedeckt. Das Kirchenschiff hat eine flache Holzdecke.