Sie sind hier: Erlebnisführer / Spielzeugland im Silbernen Erzgebirge / Sayda-Neuhausen / Hohlwege / Reisen im Mittelalter

Reisen im Mittelalter

Die meisten Menschen kamen im Mittelalter zeitlebens kaum über Strecken von 25-30 Kilometer von ihrem Wohnort hinaus. Niemand reiste, der nicht reisen musste.
Die Straßen waren einsam und menschenleer, besonders wo sie durch größere Waldgebiete führten. Kein Wunder, dass man immer wieder von räuberischen Überfällen hörte.

So schlossen sich vor allem Großkaufleute, die ihre Wagen über weite Strecken schickten, zu größeren, durch Bewaffnete geschützte Gruppen zusammen. So war man auch in der Lage, sich gegenseitig bei Achs– oder Wagenbrüchen zu helfen.

In der Nähe von Städten sah man auf den Straßen wohl Händler, Bauern die zum Markt gingen oder von dort kamen, Hirten, die ihre Herde zur Weide trieben, Leute, die zum Gerichtstag gingen oder zum sonntäglichen Gottesdienst und Kinder, die zur Schule liefen. Bettler versuchten in der Stadt ihr Glück. Der Lehnsherr ritt oder fuhr mit seinem Gefolge aus. Berittene Boten brachten die neuesten Nachrichten, Gaukler sorgten für Kurzweil. Größere Züge von Reisenden waren auch hier selten. Da waren die Salzhändler und in Kriegszeiten Söldnertruppen.

Der meiste Verkehr ging zu Fuß oder zu Pferde vor sich. Pferdewagen waren zu dieser Zeit noch ungefedert und so waren längere Fahrten kein Vergnügen.
Bei Regen waren die Straßen so aufgeweicht, dass Kaufleute, Krämer und Fuhrleute schwere Unfälle erleiden konnten. Besonders bei der Talfahrt, wo die Wagenräder durch Holzklötze gebremst wurden und mehr rutschten als fuhren. Blieb ein Wagen im schlammigen Boden stecken, konnte er nur durch ein Vorgespann wieder herausgeholt werden.

Die Straßen in den Dörfern und Städten waren meist so schmutzig und kotig, dass man in der feuchten Jahreszeit bis zum Knöchel ja gar bis zur Wade im Mist waten musste. Und wenn nicht Matsch das Gehen lähmte, so wurden Steine bei dünnem Schuhwerk oder Barfußlaufen zur Qual.

Stets bestand für die Reisenden die Gefahr, unter den schwierigen Lebensbedingungen unterwegs zu erkranken. Selbst der Kräftigste lief Gefahr. In jedem Ort, den er durchquerte konnte eine Seuche ausgebrochen sein. Nicht immer wurden die Wanderer gewarnt. Einmal angesteckt trugen sie dann die Krankheit von Dorf zu Dorf und Stadt zu Stadt weiter, bis sie vielleicht irgendwo selbst erkrankten und starben.

Gelegentlich traf man am Wegesrand Wirtshäuser. Jedoch trugen diese nicht gerade dazu bei, das Reisen angenehmer zu machen. Oft mussten auf engstem Raum mehrere Reisende essen, schlafen, sich waschen und die Kleider wechseln. Unterwegs waren die Reisenden auf die Gastfreundschaft ihrer Mitmenschen angewiesen. Waren sie vertrauenswürdig, rückten auch Bauern– oder Handwerkerfamilien enger zusammen, um einen Gast aufzunehmen. Auch in Klöstern erhielten diese bereitwillig ein Nachtlager, Reisende edler Herkunft auch in den Herrscherhäusern.

Die Salzhändler waren anfangs mit Lasttieren unterwegs. Nach diesen sind auch die alten Wege benannt: „Saumpfad“ (Saum=Lasttier). Dabei führte der Händler das Leittier am Halfter, die weiteren Pferde liefen hinterher, immer am vorderen Tier angebunden. Auf dem Rücken trugen die Pferde ledernde Säcke, die das wertvolle Salz vor Feuchtigkeit schützten.

Später war die Salzstraße so breit, dass sie mit Pferdegespannen befahren werden konnte. Man konnte nun größere Lasten befördern, kam dafür aber langsamer voran. Etwa 20-30 Kilometer konnte ein Fuhrwerk am Tag schaffen. Ein von zwei Pferden gezogener Wagen konnte rund 35 Zentner Salz transportieren, ein Saumpferd konnte etwa 125 Kilogramm Salz tragen.


(Text: Catrin Tolksdorf-Bilz)