Wie man Mühlsteine schärfte...

Die Mühlsteine nutzten sich beim Mahlen von Getreide immer wieder ab und mussten deshalb nachgeschärft werden. Ein Paar Mühlsteine aus Sandstein, das täglich zehn Stunden in Betrieb war, musste etwa aller 10 Tage neu geschärft werden, Steine aus härterem Gestein etwa alle 3 bis 4 Wochen. Die Steine nutzten sich außen stärker ab als in der Mitte. So musste dies beim Nachschärfen mit ausgeglichen werden, damit wieder die ganze Fläche zum Einsatz kommen konnte. Dann vertiefte der Steinmetz noch die Furchen, die für das Auswerfen des fertigen Mehls notwendig waren - eine mühselige und ungeliebte Arbeit.

So klapperte die Mühle am rauschenden Mortelbach

Der Mortelbach und das Langenwiesenwasser, lieferten ausreichend Aufschlagwasser für eine Vielzahl von Mühlen im Mortelbachtal. Neben bergbaulichen Anlagen sind im 16. Jahrhundert drei Mühlen urkundlich belegt: eine Getreidemühle, eine Ölmühle und eine Sägemühle. Zwischenzeitlich gab es auch eine Walkmühle.

Die Mortelmühle wurde 1443 erstmals urkundlich erwähnt. Sie war über viele Jahrhundert die bedeutendste Mühle der Herrschaft von Schönberg auf Purschenstein. Alle Bewohner der Stadt Sayda waren aufgrund des Mahlzwanges gezwungen, ihr Getreide hier malen zu lassen. Die Mortelmühle hatte lange Zeit sechs Mahlgänge. Nur durch die Anlage von zwei Mühlgräben, welche Aufschlagwasser aus zwei Tälern heranführten, war es möglich diese anzutreiben. Sie ist die einzige Mühle in Sachsen, welche über zwei solcher Mühlgräben verfügte. 1875 erhielt der damalige Besitzer der Mühle die Schankkonzession. Von da ab entwickelt sich die Mortelmühle zu einer sehr beliebten Ausflugsgaststätte. Bis 1910 wurde ein Mühlrad mit einem Durchmesser von über 10 Metern betrieben. Dieses Wasserrad war eins der Größten an Mahlmühlen in Europa. Bis 1966 wurde mit einer Francis-Turbine elektrischer Strom erzeugt.

Inzwischen sind die Mühlgräben zugewachsen, das Mühlrad verschwunden, die Radstube verbaut und die Turbine verschollen. Nach langem Leerstand wurde im Jahr 2000 mit Hilfe eines Heimatvereins mit der Rettung dieses historischen Gebäudes begonnen.


Von Mühlen und Getreidemahlen

Die Erfindung des Wasserrads stellte einst einen Meilenstein in der Entwicklung der Technik dar, da durch die Nutzung der Wasserkraft gegenüber der Muskelkraft zusätzlich mecha-nische Energie nutzbar gemacht werden konnte. Bereits in römischer Zeit wurden Wasserräder für den Antrieb von Mahlmühlen genutzt. Seit dem 12. Jahrhundert waren Wassermühlen in Mitteleuropa weit verbreitet.

Die Wasserräder können nach Art des Wasserzulaufs klassifiziert werden. Je nach Gefälle, der Differenz zwischen Zu- und Ablauf (Ober- und Unterwasserspiegel) werden verschiedene Wasserräder eingesetzt. Oberschlägige Wasserräder werden bei Gefällen von 2,5  bis 10 Metern und Wassermengen bis zu 2 m³/s eingesetzt, so auch bei der Mortelmühle. Bei einem oberschlächtigen Wasserrad strömt das Wasser in einer Rinne etwa beim Radscheitel in die wasserdichten Zellen des Rades. Das Rad wird dann durch die Gewichtskraft des aufgenommenen Wassers (Aufschlagwasser) in Bewegung versetzt. Das Wasser wird bei einem kleinen Wehr, einige 100 m oberhalb des Wasserrades, vom Mutterbach abgezweigt und in einem künstlichen Kanal mit wenig Gefälle zum Rad geleitet. Dieser Kanal wird oft als Mühlgraben bezeichnet. Das Wehr dient der Regu-lierung der zuströmenden Wassermenge. Der letzte Teil des Kanals vor dem Rad wird Gerinne genannt. Es besteht häufig aus Holzbrettern oder Metall. Am Gerinne ist ein Freifluter, auch Leerschuss genannt, angebracht, welcher bei Stillstand des Wasserrades das Wasser am Rad vorbei-leitet. Da solch ein Wasserrad im Winter Vereisungsproblemen ausgesetzt war, wurden viele Räder mit einem Rad-stube umbaut. Diese schützte nicht nur vor Eis, sondern verhinderte auch ein Austrocknen bei Stillstand, wodurch es bei hölzernen Bauteilen zu unregelmäßigem Gang des Rades kommt.

In Getreidemühlen wurden Getreidesorten wie Weizen, Roggen und Dinkel zu Mehl verarbeitet. Das Getreide wurde, bevor es vermahlen wurde, sorgfältig gereinigt und mit Wasser benetzt, damit das Wasser in die Schale (Kleie) eindringen kann, die sich so besser vom Mehlkörper tren-nen lässt. Das Getreide wurde dann mit Walzenstühlen ver-mahlen und das Mahlgut anschließend auf einem Plansichter gesiebt. Dabei wurde das Mehl abgesiebt und der grobe Rest (Schrot) nochmals vermahlen bis alles Mehl herausgelöst war. Bei diesem Vorgang fallen eine ganze Reihe von Zwischen- und Endprodukten an: Mehl,  Grieß, Schrot und Kleie.