Leimkraut

Das Nelkengewächs fand früher verschiedene Anwendungen, die auch von Kurfürstin Anna empfohlen wurden. Junge Triebe, als Suppenbeilage oder Gemüse gekocht, regen den Stoffwechsel an. Der Sud aus Wurzelabkochungen bringt Linderung bei spröder, trockener und leicht entzündlicher Haut. Auch Seifenlauge wurde aus den Wurzeln gekocht. Heute hat die Pflanze kaum noch eine Bedeutung.

Kurfürstin Annas Hofapotheke

Kurfürstin Anna (1532-1585), die Frau August des Starken, war zu Lebzeiten eine hochgerühmte und angesehene Frau. Die Tochter des dänischen Königs Christian III. hatte von ihrer Mutter Dorothea das Spinnen, Handarbeiten, allerlei über Heilkräuter, das Hauswesen und die Landwirtschaft erlernt. Später bildete sie sich autodidaktisch über Literatur und Experiment weiter und stand in regem Briefwechsel mit berühmten Ärzten jener Zeit. Mit den Jahren wurde sie zu einer gefragten Expertin für Haus, Garten und landwirtschaftliche Fragen, die auch ihre Rezepte für Küche und Keller gern weitergab.

Kurfürstin Anna betrieb zusammen mit ihrem Mann, der den Forscherdrang seiner Frau unterstützte und teilte, eine Musterlandwirtschaft auf dem Gut Ostra bei Dresden, die den Gutshöfen im ganzen Land als Vorbild dienten. Von hier aus gab der Kurfürst Anleitung und Befehl an seine Untertanen, um deren Ver-sorgung mit Nahrungsmit-teln zu verbessern. Unter dem Kapitel „Heidelberg - Erzgebirgsisches Freilichtmuseum“ finden Sie noch mehr hierzu.

Da die Kurfürstin auch um die heilende Wirkung von Kräutern und anderen Stoffen und diese auch anzuwenden wusste, betätigte sie sich auch als Heilerin und Apothekerin. Die Heidelbacher Glashütte belieferte 1548 die von ihr eingerichtete Apotheke in Annaburg. Dort und auf der Burg Stolpen befanden sich ihre Labore. In ihnen experimentierte sie u.a. unter der Anleitung von Dr. Paul Luther, dem Sohn des Reformators Martin Luther. 1581 legte sie die Dresdener Hofapotheke an.

Ihr Wissen gab Kurfürstin Anna gern weiter. So unterrichtete sie junge Mädchen in der Kräuterkunde und gab ein Rezeptbuch heraus. Ihr Empfehlungen und Mixturen waren bis in die Herrscherhäuser Europas gefragt. Ihre Mixturen gab sie aber auch unentgeltlich an Arme ab. Diese Tätigkeiten brachten ihr hohes Ansehen, aber auch den Ruf der Zauberei ein. Nur ihre Zugehörigkeit zum höchsten Adel Europas und ihre ausgeprägte protestantische Frömmigkeit bewahrten sie vor einer ernsthaften Verfolgung als Hexe.

Ungeachtet ihrer vielen Schwangerschaften und fünfzehn Kinder, die sie geboren hat, beleitete sie ihren Gemahl überall hin: Zu Reichs– und Kurfürstentage, zu befreundeten Fürsten und zu Jagdzügen. Oft wünschte sich Anna bald wieder daheim bei ihren Kindern zu sein, von denen nur vier, drei Töchter und ein Sohn das Erwachsenenalter erreichten. Barbara von Schönberg war die Erzieherin der der Töchter Dorothea, Anna und Elise.

(Text: Catrin Bilz, Seiffen)