Walen, die „Goldsucher“ am Schwartenberg

Der Schwartenberg, der höchste Berg des Landes zwischen Sayda und tschechischer Grenze, bietet Besuchern nicht nur einen herrlichen Rundblick, er kann auch die Phantasie beflügeln. Denn die Vergangenheit des Berges ist  geheimnisumwo-ben.

Zunächst stellt sich die Frage nach dem Namen „Schwartenberg“. Er kann auf verschiedene Weise gedeutet. werden. Man meinte früher, als es am Fuße des Berges noch mehr Wald gab, seine kahle Kuppe glich einer "swarte". So bezeichnete man die behaarte, aber schon zum Teil kahle Kopfhaut.  Bergleute betitelten jedoch auch eine starre Steinkruste so.

Wie dem auch sei. Am Schwartenberg soll in früheren Jahrhunderten Goldgräber am Werk gewesen sein. Es wird berichtet, dass sogenannte „Walen“ vom Frauenbachtal aus einen Stollen in den Berg getrieben und einen reichen Goldschatz entnommen haben sollen.

Jene „Walen“ spielen in den Sagen des Erzgebirges eine geheimnisvolle Rolle, wobei dies keine Phantasiegestalten wie etwa Elfen, Riesen oder Zwerge waren. Ihre Beschreibung basiert vielmehr auf echten Erinnerungen der Gebirgsbewohner, die hier und da etwas ausgeschmückt wurden. „Walen“ sollen tatsächlich noch bis in das 19. Jahrhundert im Erzgebirge beobachtet worden sein. Hiervon berichten zahlreiche Chroniken.

Das Wort „Wale“ kann man von dem althochdeutschen Wort „Walah“ ableiten, welches mit „Fremder“ zu übersetzten ist. Diese Fremden, die auch vielerorts „Venetianer“ genannt wurden, sollen aus dem fernen Venedig ins Erzgebirge gekommen sein, um hier nach Bodenschätzen zu suchen. Wie berichtet wird, hatten sie es besonders auf Rohstoffe für die Glasherstellung abgesehen.

Ihr fremdländisches Aussehen und ihre Sprache, ihre Lebens-gewohnheiten und ihr geheimnisvolles Tun in den Wäldern werden die Phantasie der Einheimischen beflügelt haben. Die Walen waren auch tatsächlich Träger von Ge-heimnissen, zumindest erweckten sie den Anschein, denn sie waren sehr um die Geheimhaltung ihrer Fundstellen bemüht. Außerdem brachten sie gewisse chemische Aufarbeitungsmethoden zur Anwendung, die den Erzgebirgern wie Zauberei vorkommen mussten.

Wann die ersten Walen ins Erzgebirge kamen, lässt sich nicht mit Genauigkeit sagen. jedenfalls berichtet der Chronist Christian Gottlob Lehmann im Jahre 1764, dass die Walen sich im Gebirge viel besser auskannten, als die Einheimischen. Sogar Gold sollen sie in den Flüssen und Bächen gefunden haben. Der Annaberger Chronik ist zu entnehmen, dass die Walen nach Entdeckung der Silberlagerstätten auch in ihr Gebiet gekommen sind. Und ihre Art, die erzhaltigen Gesteine zu bearbeiten eine größere Ausbeute brachten, als die deutschen Bergleute es vermochten.

Um ihre Fundstellen später wieder aufzufinden, brachten die Venetianer bestimmte Zeichen in Bäume oder Felsen und trugen entsprechende Angaben in ihre Merkbücher ein. Vielleicht findet der aufmerksame Wanderer auch heute noch einen Hinweis ihr Tun.

Ob man im Schwartenberg nun tatsächlich Gold gefunden hat, das lässt sich heute nicht mehr belegen. Spätere Versuche es den „Venetianern“ nachzutun blieben jedenfalls erfolglos. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts hatte Caspar von Schönberg vom Bergamt in Freiberg zwar das Schürfrecht auf Gold erhalten, von großen Funden wird aber nichts berichtet. Ebenso scheiterte ein Unternehmen, dass um 1876 einen erneuten Versuch startete. Aber wer weiß....?

Jedenfalls lohnt es sich den sagenumwobenen Berg zu besteigen oder auch mit dem Auto zur Aussichtsplattform zu fahren. Sie werden, natürlich nur wenn das Wetter mitspielt, mit einer phantastischen Aussicht belohnt werden!

(Text: Catrin Bilz, Seiffen)