Zölle zahlte man schon vor Jahrhunderten

Salz war in Böhmen immer Mangelware, in den Halleschen Salinen jedoch reichlich vorhanden. Wen wunderts da, daß von Halle über Leipzig, Leisnig, Oederan, Brüx bis Prag seit alters her ein Handelsweg verlief, auf dem die weiße Kostbarkeit nach Böhmen gebracht wurde.

Handelswege standen im Mittelalter unter dem Schutz der Burgvögte, auf deren Territorium sie verliefen. Dieser Schutz mußte selbstredend von Händlern und Kaufleuten bezahlt werden. Zollstationen an Grenzübergängen sind durchaus keine Erfindung der Neuzeit. Auf dem Wege von Frauenstein zur böhmischen Grenze ließ Kurfürst Johann Georg II. (1657 bis 1680) an zwei Stellen, bei Rechenberg und Klostergrab, "Licent" von den Salzhändlern einfordern. Als nun durch den Dreißigjährigen Krieg die Wirtschaft und der Handel arg gelitten hatte, gab es nach 1650 einige Händler, die versuchten, die Licentgelder zu sparen und die Zollstellen zu umgehen. Dem Kurfürst hatte man davon berichtet, und er reagierte postwendend.
Am 10.November 1675 ließ er an seinen "...lieben Getreuen Caspar Heinrich von Schönbergk zum Porstenstein..." (Schloß Purschenstein in Neuhausen) ein Schreiben anfertigen, in den er seine Forderungen nach den zahlenden Licentabgaben eindeutig bekräftigte:

"...Als begehren wir hiermit befehlend, du wolltest kraft dieses hinfüro von allen durch - und nah Böhmen gehendem Salze ... Vier Groschen Licent-Geld neben dem alten gewöhnlichen Zolle gleichfalls mit abfordern, einbringen und auf deine geleistete Pflicht treulich berechnen, auch damit hierunter niemand verschont bleibe und ohne Abrichtung solcher Licent-Gelder nichts vom Salze über die Grenze verschleift noch verfahren werde aller Oerter, sonderlich wegen der Grenze, sowohl nachts als tages fleißig Aufsicht bestellen und die befundlichen Deliquenten und Verbrecher zu gehöriger Strafe ziehen..."

Auf diese und andere Art versuchte der Kurfürst die Staatsfinanzen aufzubessern. Und obwohl die Folgen des langen Krieges schwer auf dem Lande lasteten, wurden in der Residenz Träume verwirklicht, zu denen Johann Georg II. durch die Hofhaltung des französischen Königs inspiriert worden war.
43 Jahre war er bereits alt, ehe er die Nachfolge als Kurfürst von Sachsen antreten konnte. Seine Sehnsucht nach Prunk, Festen, Ritterspielen, Maskeraden und Jagden wollte er sich so recht verwirklichen. Und das war teuer! Die echte barocke Hofhaltung ließ in Dresden Bauwerke entstehen, wie 1664 das neue Schauspielhaus und den Großen Garten mit dem ersten Barockpalais.

Am letzteren konnte sich Johann Georg II. nur kurze Zeit erfreuen, bereits 1680 starb er in Freiberg.

Text von Helga und Heinz Kaden aus "Von Sachsen bis ins Böhmerland", 2. Auflage 2002, Druck und Verlagsgesellschaft Marienberg mbH, ISBN 3-931770-14-1