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Klosterschule und Volksbildung

Die Oseker Klostergemeinschaft war von Anbeginn an Zentrum der Kultur und Bildung. Neben der im vorangegangenen Kapitel erwähnten Arbeit Skriptorium trugen die Mönche auch zur Volksbildung bei.

Direkt im Kloster existierte eine Schule in der Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet wurden. Klosterschulen hatten  zunächst nur die Bildung von Klostergeistlichen zum Ziel. Oft wurden in ihnen Söhne der höheren Gesellschaft auf ein Leben als Geistlicher oder Mönch vorbereitet. So wurden sie in der Kunst des richtigen Schreibens, des guten Sprechens und der Kunst des Überlegens und Diskutierens geschult. Außerdem übten sie sich im Kirchengesang. Der Unterricht umfasste weiter das Bibelstudium und die Er-lernung kirchlicher Ordnungen und Regeln. Auch das Studium antiker Klassiker gehörte dazu.
Die Mehrheit der Schüler hatte sich jedoch keinesfalls freiwillig für diese „Karriere“ entschieden, sondern war von ihren Eltern in die Obhut des Klosters gegeben worden. Denn diese jungen Klosterschüler waren in der Regel die zweiten Söhne oder nachgeborenen Kinder beiderlei Geschlechts aus kinderreichen Familien. Als solche hatten sie keine nennenswerte Erbschaft oder Mitgift zu erwarten. Im Dienst der Kirche konnten sie jedoch zu Ansehen und Macht gelangen. Außerdem bestand für den Landesherren die Möglichkeit, wenn er eins seiner Kinder von der Kirche ausbilden ließ, dieses später auf den sehr einflussreichen Posten eines Abtes zu setzen. Der Abt war ja der oberste Verwaltungsbeamte des betreffenden Gebietes, der über die Ländereien und sonstigen Reichtümer des Klosters herrschte. Diese waren oftmals von adligen Gönnern mit diesem Wohl-stand ausgestattet worden.

Das übliche Alter für die Aufnahme eines Jungen als Schüler eines Klosters betrug sieben Jahre. Am Tag seines Eintrittes führten ihn seine Mutter und sein Vater (oder ein anderer Vormund) während der Messer zum Altar. Feierlich wickelten seine Eltern seine rechte Hand in das Altartuch, küssten sie und boten sie dem Priester an. Nach der Messe nahmen die Eltern Abschied, und er Knabe erhielt feierlich sein neues Gewand. Die Abtei stellte ihm außerdem eine Matratze und ein Kopfkissen aus Stroh, ein Leinentuch, eine Wolldecke und ein Messer zur Verfügung. Wie den anderen Mönchen war es dem Klosterschüler strengstens untersagt, persönliche Dinge zu besitzen.  Er hatte sich auch den anderen Kloster-regeln zu unterwerfen.

Jeder Schüler wurde in Latein und Allgemeinwissen strengstens geprüft. Er musste Frömmigkeit, Gehorsam, Fleiß und Friedfertigkeit gegenüber den anderen loben. Und er brauchte eine große Portion Durchhaltevermögen. Wollte ein Schüler im Anschluss an seine klösterliche Ausbildung zum Studium an eine Universität, musst er eine Abschlussarbeit schreiben. Als Abgangszeugnis galt ein Bericht des Rektors über Lebenswandel, Fleiß und die Gründlichkeit des Schülers, der sicher auch vom Abt gegengezeichnet wurde.

Später trug das Oseker Kloster auch zur allgemeinen Volks-bildung in seinem Einflussbereich bei. So ließ Abt Kajetán Březina von Birkenfeld für die Volkschule in Alt-Osek 1749 ein neues Gebäude erbauen. Abt Salesius Krügner ließ 1836 eine Mädchenschule errichten. Abt Athanasius Bernhard gründete eine Privatschule für Mädchen und betraumte mit ihrer Leitung die Borromäerschwestern.