Fleyh, ein verschwundenes Dorf

Autor: Catrin Bilz (Quelle: u.a. Frank Preißler)

Fleyh gibt es nicht mehr. An seiner Stelle glitzert der Wasserspiegel einer großen Talsperre und außer der Erinnerungen in den Köpfen existiert wohl nur noch die alte Holzkirche, die nach Ceský Jiretín versetzt wurde.

Fláje (früher: Fleyh) war ein Dorf im mittleren Erzgebirge in Böhmen. Es hatte seinen Namen vom Fluss Flájský Potok (deutsch: Flöha), der bei dem Ort entspringt. Seit dem Bau der Talsperre besteht Fláje nur noch aus sechs Häusern und ist ein Ortsteil der Gemeinde Ceský Jiretín.

Fleyh, an einem uralten Handelsweg über das Erzgebirge - auf halber Wegstrecke zwischen Rechenberg und Ossegg / Riesenburg - gelegen, wurde vermutlich im 13.-14. Jahrhundert gegründet. Die älteste, bisher bekannte, urkundlich Erwähnung Fleyhs findet sich 8. November 1413  im Stadtbuch von Dux, wo ein Merteyn, Richter von der Flewe, genannt wird.

Das Dorf Fleyh gehörte zur Burg Riesenburg, deren Herren 1398 die Burg und die Stadt Dux verkauften. 1459 fiel das Erbe an die böhmische Krone und erhielt mehrere Eigentümer, bis es 1523 Diepold von Lobkowicz übereignet wurde. Später übernahm die Witwe Polyxena von Lobkowicz die Ländereien. Diese heiratete Maximilian von Waldstein. Nach ihrem Tod 1642 erbte ihr Mann Maximilian von Waldstein Fleyh, in deren Eigentum es bis 1848 blieb.

Weil der Boden um Fleyh wenig Ertrag brachte, aber es große Waldgebiete gab, beschäftigte sich der Großteil der Bevölkerung mit der Be- und Verarbeitung von Holz. Interesse an diesem Holz hatten auch die Sachsen. Und so wurde 1624 bis 1629 ein Flößgraben, die „Neugrabenflöße“, von der Flöha über Georgendorf (heute: Ceský Jiretín) bis nach Clausnitz gebaut, der dort zur Freiberger Mulde führte. Seine Überreste kann man noch heute finden.

1583 wohnten in Fleyh neun Familien, im 18. Jahrhundert waren hier 34 Landwirte, 2 Müller, 2 Schneider, jeweils ein Metzger, ein Fuhrmann, Dorfhirte und Lehrer mit ihren Familien ansässig. Die Zahl der Einwohner wuchs bis 1833 auf 491 an, die 88 Häuser bewohnten, 1850 lebten hier bereits 603 Personen.

Während der Reformation wechselte ein Großteil der Einwohner des Ortes, unter Einfluss des nahen Sachsens, zum Protestantismus. 1653 erbauten sie ein evangelisches Gotteshaus. Die 1563 errichtete katholische Kirche wurde nicht mehr genutzt und verfiel. Im Zuge der Gegenreformation in Böhmen, die bereits 1621 von Kaiser Rudolph II. veranlasst worden war, sollte der protestantische Teil der Bevölkerung wieder zum katholischen Glauben bekehrt werden. Doch die Fleyher zeigten sich hartnäckig. Ganze 47 Jahre dauerte es, bis einige wieder zu einem Wechsel bereit waren, nicht freiwillig, wie man in den Quellen lesen kann. Etwa die Hälfte der Einwohner verließ ihren Heimatort Fleyh und flüchtete ins evangelische Sachsen.

Die katholischen Geistlichen gewannen wieder die Oberhand im Ort. Die Schule wurde renoviert, ein Pfarrhaus erbaut und die alte Kirche erweitert. Es handelte sich dabei um eine Holzkirche auf einer Steinplatte, dem Heiligen Johannes dem Täufer ge-widmet. Die Kirche wurde vor dem Bau der Talsperre (1958- 1960), samt der sich darin befindliche Statue aus dem 15. Jahrhundert  nach Georgen-dorf (heute: Ceský Jiretín) verlegt und 1995 restauriert.
Mit dem Bau der Talsperre Fláje wurden Fleyh sowie die im Einzugsgebiet gelegenen Ortsteile Motzdorf und Willersdorf aufgelöst.