Grenz - Kindergarten

„Guten Morgen !“ – „Dobré ráno !“ - „Ahoj !“, so klingt es morgens bei uns in Deutschneudorf.

Wir, das sind 45 deutsche und tschechische Kinder (von 1 - 9 Jahren) und fünf Erzieherinnen, die in der Kindertagestätte unweit der Grenze zu Tschechien leben. Im September 2005 haben wir unser schönes neues Haus bezogen.

Neugierig geworden?

Kindertagesstätte „Wichtelhäusl“
Talstraße 38
09548 Deutschneudorf
Tel. 037368 / 247 o. 12760
www.kita-deutschneudorf.de

 

 

 

Deutscheinsiedler Sattel

Über die bereits 1250 als oppidum urkundlich erwähnte, 680 m ü. NN. hoch gelegene ehemalige Rast- und Zollstelle Sayda und den mit 720 m ü. NN nur wenig höher gelegenen und damit vergleichsweise flachen Gebirgssattel bei Deutscheinsiedel führte im Mittelalter die alte Handelsstraße Leipzig - Prag (Praha). Dabei passierte sie Wurzen, Leisnig und Oederan, bevor sie über Sayda die Grenze bei Böhmisch-Einsiedel (Mnisek) erreichte. Die hier befindliche Zollstätte von Brüx (Most) erreichte auch eine Querverbindung von Marienberg aus.

Geschützt wurde dieser Alte Böhmische Steig, wie der Pass von Sayda auch genannt wurde, u.a. durch die Zoll- und Geleitsburg Purschenstein am rechten Ufer der Flöha, welche später Sitz eines Amtmannes war. Die Stadt Sayda gehörte ab 1300 zum Königreich Sachsen und gelangte er nach der Leipziger Teilung von 1485 als böhmisches Lehen in den Besitz der Wettiner. Zu dieser Zeit hatte der Gebirgsübergang seine Bedeutung als Handelsweg aber bereits zugunsten der benachbarten Pässe verloren. Zwar ist überliefert, dass der Weg 1555 in Sayda selbst sechs Ellen tief ausgefahren war, was auf die frühere Bedeutung hinweist. Gleichzeitig förderten landesherrliche Anweisungen im östlichen Erzgebirge seit 1318 eine Wegführung über das benachbarte Freiberg, sie besagten ...daß nirgends Wagen nach Böhmen fahren sollten außer über die Stadt Freiberg. In späteren Jahren, insbesondere im Siebenjährigen Krieg und in den Befreiungskriegen wurde der Pass mehrfach von Heeresverbänden benutzt, die wiederholt vorallem die Stadt ausplünderten.

Die Bedeutung des Deutscheinsiedler Sattels als niedrigster Gebirgsübergang zwischen Vogtland und Osterzgebirge wird anhand des Berichtes des arabischen Kaufmannes Ibrahim Ibn Jacub deutlich, der diesen Pass mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits 965 (nach anderen Quellen 973) als Übergang nach Böhmen nutzte.

Über den Sattel sollte zudem in den 1920er Jahren mit der Schweinitztalbahn eine sechste Erzgebirgsquerbahn gelegt werden. Zu DDR-Zeiten wurden mit der Erdgasleitung "Nordlicht" (1972) und der Chemieproduktenleitung Böhlen - Oberleutensdorf (Litvinov) zwei weitere ökonomisch bedeutsame Infrastrukturleitungen über diesen Sattel geführt.

Nach 1945 wurde der Grenzübergang in Deutscheinsiedel wie auch in Deutschneudorf und Deutschkatharinaberg gänzlich geschlossen. Und es sollte bis zum Jahre 2002 dauern, dass sich Deutsche und Tschechen auf diesen Wegen wieder direkt begegnen konnten. Damals öffnete in Deutscheinsiedel  ein Übergang für PKW.

Seit 2007 können PKW´s und Fußgänger die Grenze, ohne Kontrollen, an beliebigen Stellen passieren. Für die vier tschechischen Kinder im Kindergarten  Deutschneudorfs hat dies auch einen ganz praktischen Nutzen: Sie können von ihren Eltern jetzt mit dem Auto bis vor die Tür gefahren werden - ohne Umweg oder einen langen Fußmarsch.