Klima am Erzgebirgskamm

Das Klima des Erzgebirges ist hart und kräftig, ja oft rau. Der Schnee fällt vereinzelt schon im Oktober und bleibt manches Jahr bis in den April liegen. Späte Frühjahrsfröste und zeitige Herbstfröste lassen die Saat der Bauern nicht keimen oder das Korn nicht ausreifen. Immer wieder kam es vor, dass Kartoffeln aus dem Schnee gegraben wurden. Kaum 140 frostfreie Tage liegen im Mittel zwischen Aussaat und Ernte.

Die von Nordwest nach Südost ansteigende Pultscholle des Gebirges ermöglicht ein lang anhaltendes Abregnen bei West- und Nordwestwetterlagen ermöglicht und ruft eine im Vergleich zum Tiefland fast doppelt so hohe Niederschlagsmenge hervor. In Kammlagen kann diese auf über 1.100 Millimeter ansteigen. Da ein Großteil des Niederschlages als Schnee fällt, bildet sich in vielen Jahren eine mächtige bis in den April anhaltende Schneedecke. Es können Föhnwinde, aber auch der so genannte Böhmische Wind bei beson-deren Südwetterlagen auf-treten. Die Jahresmitteltemperaturen erreichen nur Werte von 3 bis 5 °C.

Im Transportwesen führen diese winterlichen Temperaturen und die Schneefälle vor allem auf den Passhöhen selbst in den Wintermonaten bis in die heutige Zeit hinein zu Verkehrsbehinderungen und –ausfällen. Dabei sollen den Berichten älterer die Winter in den vergangenen Jahrhunderten noch härter als heute gewesen sein, wenn man den Chronisten Glauben schenken darf. Lang anhaltende Frostperioden und durchgehende Schneedecken, meterhohe Verwehungen und wiederholte Schneestürme haben einzelne Wege und Pässe über Wochen un-passierbar gemacht. Die Bevölkerung war regelmäßig von der Umwelt abgeschnitten. Das Vieh erfror in den Ställen und noch im April soll so viel Schnee gefallen sein, dass Häuser und Keller zugeschneit wurden.

In neuerer Zeit werden bei Südwetterlagen Schadstoffe der Braunkohlebetriebe Tschechiens über den Erzgebirgskamm getragen, was besonders in den 1970er Jahren zum Sterben großer Waldbestände führte. Nach dem Einbau von Schadstofffiltern erholt sich die Natur seit den 1990ern wieder und von dem großen Sterben ist, zumindest für den Laien, nichts mehr zu sehen. Gelegentlich gibt es aber noch Geruchsbelastungen und auch gesundheitliche Probleme bei den Bewohnern der Kammregion, so dass weitere Anstrengungen zum Umweltschutz unternommen werden müssen.

Nicht unerwähnt werden soll die Hochwassergefahr in den Tallagen des Gebirges, die besonders während der Schneeschmelzen bzw. bei sommerlichen Gewittern auftreten. Hochwasser haben in der Vergangenheit wieder-holt, zuletzt im August 2002, teilweise beträchtliche Zerstörungen an den Zufahrtstraßen zu den Erzgebirgspässen geführt.