Heidelberg von einer Exulantensiedlung zum Ortsteil Seiffens

Ursache für die Gründung Heidelbergs war der Zuzug von böhmischen Glaubensflüchtlingen. Zunächst hatten diese in Seiffen Zuflucht gefunden. Beengte Wohnverhältnisse und beschränkte Erwerbsmöglichkeiten machten die Ausweitung des Siedlungsgebietes um Seiffen notwenig. So baten vor allem die Neuankömmlinge die Grundherrschaft auf Purschenstein im Siedelland außerhalb der Seiffener Flure, das sie schließlich auch bekamen. Die Orte Oberseiffenbach, Niederseiffenbach und Heidelberg entstanden auf diese Weise.

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges stand auf dem Heidelberger Gelände noch Wald. Er war allerdings durch die nahe Glashütte, den Berg– und Siedlungsbau schon stark gelichtet. Den dünn gewordenen Wald nutzten die Seiffener Bauern und Häusler als Viehweide, wodurch der Boden noch mehr ausgelaugt wurde und der Baumbestand immer weiter zurück ging.

Im Falle Heidelbergs führte der aus Brüx eingewanderte Riemer Elias Leonhardt die Verhandlungen mit der Herrschaft, die bereits im Frühjahr 1653 zum Kauf des ersten Stück Landes führten. Leonhardt, ein geistig überragender und wohlhabend gekommener Mann, wurde zum Vertrauensmann, Wortführer und schließlich der erste Richter der späteren selbstständigen Gemeinde.

1656 kauften sechs Familien aus Seiffen Land in unmittelbarer Nähe des noch unbebauten Grundstückes Leonhardts. Die Ansiedler rodeten den lichten Wald und errichteten ihre Häuser am Hang zwischen der jetzigen alten Dorfstraße und dem früheren Schwimmbad. Spätestens Michaelis 1657 muss die neue Siedlung fertig gewesen sein, denn zu diesem Termin war erstmals ein Dienst– und Spinngeld zu zahlen, was nur von bewohnten Häusern erhoben wurde.

Bereits 1680 zählte die neue Siedlung, die anfangs noch „ufm Hörnel“ genannt wurde, bereits 21 Familien mit 73 Personen. Vom Hörnel aus breitete sich der Ort nach dem Schwartenberg und Ahornberg sowie nach Deutscheinsiedel hin aus. 100 Jahre nach der Gründung hatte die Bevölkerungszahl erheblich zugenommen. 1752 standen bereits 112 Häuser. Dies dürfte mit dem Aufblühen des Bergbaus bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zusammenhängen.

Wie auch in den anderen Exulantendörfern des Purschensteiner Gebietes wurde auch in Heidelberg gedrechselt. Wie in Seiffen war die Entwicklung stark von der Tendenz des Bergbaus abhängig. 1688 gab es in Heidelberg 3 Drechsler, 1753 2 Drechsler, 1816 bereits 59 und 1851 (Da war der Bergbau erloschen.) 99 Drechsler und 5 Drehwerksbesitzer.

Am 1. April 1939 wurde Heidelberg (nun 2053 Einwohner) mit den Orten Seiffen (1555 Einwohner) und Oberseiffenbach ( 639 Einwohner) und Teilen von Niederseiffenbach zur Großgemeinde Seiffen vereinigt. Die heutigen Einwohner leben hauptsächlich von der Spielwarenfertigung und dem Tourismusgewerbe.

(Text: Catrin Tolksdorf-Bilz, Seiffen)