"Die Bergstadt Sayda bietet Erholung und Entspannung“

Dieser Spruch grüßt Einwohner und Gäste schon seit vielen Jahren und steht am Giebel des Hauses, Dresdner Str. 64.

Im folgenden Artikel soll einmal auf den Ursprung des Namens „Bergstadt“ eingegangen werden.

Die historischen Wurzeln sind  im alten Bergbau zu suchen. Obwohl der Bergbau selbst für Sayda nie so eine große Bedeutung hatte wie z. B für die reichen Bergstädte Annaberg und Freiberg, wurde die Stadt am 19. Februar 1705 vom Kurfürsten Friedrich August zur „freien Bergstadt“ erhoben. Dieses Privileg war u.a. auch der Fürsprache des damaligen Kammerherrn und Obersteuereinnehmer des Erzgebirges, Wolf Rudolph von Schönberg zu verdanken und vermutlich auch der größte Vorteil, der sich für Sayda aus dem Bergbau ergab. Mit der Erhebung in den Stand der „freien Bergstädte“ waren einige Vorrechte verbunden. In der Chronik von Walter Göthe ist dazu folgendes zu lesen: „Als `freie Bergstadt` besaß nun auch Sayda eine Reihe sogenannter Bergfreiheiten. Was das bedeutet, geht aus den Freiheiten selbst hervor.“

So ist als erstes die „Geleitsfreiheit“ genannt, ....d.h. alle Lebensmittel und Waren, welche den Bergstädten für den eigenen Bedarf zugeführt werden, sind im ganzen Lande frei von der Abgabe des Geleits, sobald die Fuhrleute mit Pässen reisen, welche von einem Bergamt ausgestellt sind. Dagegen erstreckt sich die Freiheit nicht auf Vieh- und Getreidehändler. Geleite waren Straßen, auf denen sich die Handelsleute bewegten. Zur damaligen Zeit erfasste man in einem Kartensystem alle Geleitstraßen und Nebenwege. Es war bei Strafe verboten, wenn Händler auf Nebenwegen versuchten, die Geleitstraßen zu umgehen, um damit den Geleitzins zu sparen. Der Geleitzins richtete sich nach dem Warenwert und war in den Städten zu entrichten. Die Händler erhielten dafür auch eine Quittung. Die Einnahmen flossen uneingeschränkt der jeweiligen Herrschaft zu, die damit eigentlich für die bauliche Unterhaltung der Straßen sorgte.

Als zweites ist die Tranksteuerermäßigung zu nennen. Tranksteuer musste jeder brauberechtigte Bürger der Stadt zahlen. In den Bergorten floss nicht die gesamte Steuer in die Steuerkasse, sondern nur die Hälfte. Die andere Hälfte durften die Bergstädte zur Unterhaltung ihrer Bergwerke verwenden.

Drittens folgt die Ermäßigung der Landessteuer und viertens die Ermäßigung der Verbrauchssteuer. Eine Verbrauchssteuer wurde auf Verkaufserlöse von Branntwein, Bier, Getreide, Gemüse und Holz erhoben. Bürger und Handwerker „freier Bergstädte“ brauchten nur die Hälfte zu bezahlen.

All diese Vergünstigungen haben mit Sicherheit dazu beigetragen, dass Sayda seine schlimmsten Notzeiten besser überwinden konnte.

Im Jahr 1831 traten verschiedene neue Landesgesetze in Kraft. Die Bergfreiheiten kamen dadurch völlig zum Wegfall. Sayda hörte auf, eine Bergstadt im bergbaulichen Sinne zu sein.

In den darauffolgenden Jahren findet man in den Archivakten die unterschiedlichsten Bezeichnungen für unsere Stadt. So ist in einer Gewerbezeitschrift aus dem Jahr 1904 zu lesen: „Der Höhenkurort Sayda im schönsten Teile des östlichen Erzgebirges, 690 m über dem Meeresspiegel auf  freier Bergeshöhe gelegen...“

Der Begriff „Höhenkurort“ taucht bis 1937 immer wieder auf. Am 22.2.1937 trat eine Neuordnung des Kurwesens in Kraft, welche u.a. besagte, dass den Namen „Höhenkurort“ oder „Kurort“ zukünftig nur solche Orte tragen dürfen, die nachweislich ein gesundheitliches Heilklima besitzen. Ansonsten sind die  Begriffe „Sommerfrische“, „Winterfrische“, „Wintersportplatz“, „Erholungsort“ oder „Touristenort“ zu verwenden.

Die Bezeichnungen „Wintersportplatz Sayda“ oder „Sommerfrische Sayda“ findet man auf vielen alten Postkarten.

Am 1.9.1937 erschien in der Zeitschrift „Das Sächsische Erzgebirge“ ein Artikel mit folgender Überschrift „Im Spielzeugtal der Flöha“. Darin ist u.a. zu lesen: „Nach allen Richtungen strahlen von hier Waldtäler aus, zur hochgelegenen Bergstadt Sayda hinauf....“.

1927 wurde Sayda erneut zum anerkannten Erholungsort. Im Post- und Zeitungslexikon von Sachsen aus dem gleichen Jahr ist zu lesen: „Die Stadt liegt sehr rau und hoch ....“. Weitere Bezeichnungen wie „Kleinstadt auf der Höhe“ und „Erzgebirgsstädtchen“ tauchen immer wieder auf.

Am 15.2.1958 gründete man die LPG in Sayda. Sie trug den Namen „LPG Bergstadt Sayda“.

In alten Akten des FDGB-Feriendienstes erschien 1966 ein Flyer unter dem Logo „Die Bergstadt Sayda bietet Erholung und Entspannung“. Es ist anzunehmen, dass sich auch Namen wie „Die Saydaer Bergfinken“ oder „Bergfest Sayda“ vom Begriff „Bergstadt“ ableiten. Ein genaues Datum, ab welchem Zeitpunkt sich Sayda wieder Bergstadt nennt, ist im Stadtarchiv nicht ermittelbar. Sicher ist aber, dass die heutige Bezeichnung nicht im Zusammenhang mit dem Bergbau steht, sondern eher umgangssprachlich auf die Höhenlage des Ortes zurückzuführen ist.

Quellen: Chronik von Walter Göthe und Akten des Stadtarchivs

Text von Petra Berger, Stadtarchiv Sayda

Bergbau rund ums Saydaer Bergland

Dieser Fachartikel wurde von Herrn Burkhardt Förster, Most (Brüx) im Mai 2007 geschrieben.

Geschichtlicher Überblick
Es waren vor allem Bergleute aus dem Gebiet nordwestlich des Harzes, die in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts um Freiberg herum nach Erz suchten und 1168 die ersten reichen Silbererzfunde machten und damit das erste "Berggeschrei" im Erzgebirge auslösten. Um Freiberg herum entwickelte sich in rasendem Tempo ein Bergbau- und Hüttenzentrum, in dem Otto der Reiche, Markgraf von Meißen 1186, also nur 18 Jahre später, Freiberg, die Stadt "Auf dem freyen Berg" gründete. Das Revier um Freiberg, Halsbrücke und Brand-Erbisdorf wuchs ständig und von hier aus drangen die Bergleute im Verlauf der folgenden Jahrhunderte vor allem in Richtung Annaberg vor. Die Erze, die in die-ser Zeit die entsprechende wirtschaftliche Bedeutung hatten, waren Silber, Blei, Zinn, Zink und Kupfer. Auf dem Kamm des Erzgebirges hatten inzwischen die sogenannten Wanderglashütten so etwas wie eine Infrastruktur geschaffen. Das ist selbst ein sehr interessantes Thema, dem man sich einmal im Glashüttenmuseum Neuhausen widmen kann, das eine weitere Station des Wanderwegs darstellt. In der Zeit nach 1500 kam es zu einem zweiten regelrechten Berggeschrei in den oberen Regionen des Erzgebirges, unter anderem im Katharinenberger Revier, das nur ein paar Kilometer abseits der Wan-derrute liegt. Ein Besucherbergwerk lädt ein und zeigt alles, was typisch ist für den Bergbau dieser Epoche; die Erze, nach denen gegraben wurde, die Technologie, die Energieversorgung, selbst die Zeit, in der es betrieben wurde ist typisch und es zeigt Spuren der neueren Geschichte, die am Ende des Zweiten Weltkriegs ihren Anfang nahm ... In dieser Zeit ging der Bergbau auch im sogenannten Mortelgrund um. Ein Abstecher zur gleichnamigen Jugendherberge oder zur Mortelmühle lohnt, weil man sich hier sagen und zeigen lassen kann, was an bergbaulichen Zeugen links und rechts am Wege zu sehen ist. Dazu gehört auch ein Abschnitt des sogenannten Kunstgraben- und Röschensystems, mit dem das Freiberger Berg- und Hüttenzentrum über Jahrhunderte mit Aufschlagwasser versorgt wurde. In dieser Etappe der wirtschaftlichen Entwicklung wurde auch die Saigerhütte in Grünthal bei Olbernhau errichtet, die nach einem Verfahren arbeitete, das 1430 in Nürnberg in der Schmelzhütte am Frauentor entwickelt wurde. Mit diesem Verfahren konnte das Silber besser aus dem Kupfer herausgelöst werden. Es entstand ein Kupfer mit weit höherem Gebrauchswert und zusätzlich wurde reines Silber gewonnen. Viel interessantes dazu vermittelt das Saigerhüttenmuseum in Olbernhau, zum Beispiel, warum sie gerade hier errichtet wurde und woher sie den größten Anteil an Schwarzkupfer zu Verarbeitung erhielt. Der größte Teil der erzgebirgischen Bergwerke wurde jedoch noch vor dem Jahr 1900 in historisch kurzer Zeit wieder geschlossen. Man befand sich da an der Schwelle zum Industriezeitalter und es gab jetzt einen Weltmarkt, auf dem man das fertige Metall billiger kaufen konnte, als man im Erzgebirge des Erz dem Berg abrang und dann noch verhütten mußte. Die Bergwerke im oberen Erzge-birge wurden also im wesentlich in den 400 Jahren zwischen Hochrenaissance und der Schwelle zum Industriezeitalter betrieben. Es überlebten die Wende zum 20. Jahrhundert nur die Berg- und Hüttenanlagen, die groß genug waren, um industriemäßig weitergeführt zu werden. Das war in den Revieren Freiberg, Annaberg-Ehrenfriedersdorf und Altenberg-Zinnwald der Fall. Und diese Gruben und Hütten lebten wiederum bis zur nächsten Zäsur, bis im Prinzip eine Währung zur Verfügung stand, mit der man wiederum auf dem Weltmarkt das fertige Metall billiger kaufen konnte, als man es im Erzgebirge dem Berg abrang und dann noch Verhütten mußte. So ist es immer mit dem Bergbau. Nur in den seltensten Fällen wird der Bergbau eingestellt, weil die Lagerstätten restlos ausgebeutet sind. In der Regel entscheidet die konjunkturelle Situation, ob sich der Bergbau lohnt oder nicht und der Bergbau im Erzgebirge zeigt mit seinem ständigen Wohl und Wehe, seinem ständigen Auf und Ab, wie sich das im Laufe der Entwicklung fortwährend wiederholt. Insbesondere in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs war das Gebiet zwischen dem Wanderweg und der Grenze zu Böhmen eine Region, die von der SS sehr stark observiert wurde. Das galt dem Schutz der Sudetendeutschen Treibstoffwerke, in denen auf böhmischer Seite zwischen Most und Litvínov Treibstoff für die Wehrmacht nach dem von den deutschen Ingenieuren Fischer und Dropsch entwickelten Verfahren der Kohleverflüssigung hergestellt wurde, eine der ganz wenigen Produktionsstätten, in denen das Verfahren angewandt wurde. So nahm es kein Wunder, daß 1944 und 1945 von Einheiten der SS im direkt an der Grenze liegenden und 1881 eingestellten Bergwerk Fortuna-Fundgrube in Deutschkatharinenberg kulturhistorisch wertvolle Kulturgüter eingelagert wur-den, von denen Größen des Dritten Reichs nach dem "Endsieg" besser leben wollten, als andere Überlebende des Krieges. Unter diesen geraubten Kunstschätzen sind auch solche von den Trans-porten gewesen, die mit der Deklarierung "Bernsteinzimmer" durch Deutschland gingen, was immer sich auch darin befunden haben mag. Den bei der Einlagerung beteiligten Mannschaften der SS war das gleiche Schicksal beschieden, wie den Baumeistern der ägyptischen Pyramiden. Der Fortuna-Stollen in dessen Bereich die Kunstschätze versteckt wurden, ist seit dem Jahr 2001 ein Besucherbergwerk und ist täglich geöffnet.
Bergmännische Energiewirtschaft
Jeder weiß, daß es den Bergbau schon Jahrhunderte vor der Erfindung der Dampfmaschine und der Elektroenergie gab. Als Energiequelle waren neben Muskelkraft von Mensch und Tier das Wasser und der Wind bekannt. Wind steht im Erzgebirge nicht kontinuierlich zur Verfügung. Das Wasser der Bäche war kein großer Vorrat. Es konnte aber weitgehend kontinuierlich genutzt werden. Um seine Energie maximal ausnutzen zu können, brauchte man einen möglichst großen geodätischen Höhenunterschied. Den schafften die Bergleute, indem sie zum Beispiel Wasserräder und andere Mechanismen in den Berg hineinbauten. Zudem nutzen sie das einmal über Gräben herangeführte Wasser mehrfach. Über Tage wurden zunächst Pochwerke und Erzwäschen betrieben. Dann wurde das Wasser in den Berg hinein auf Kunstgezeuge geleitet. In sogenannten Radstuben arbeiteten riesige Wasserräder mit 10 m Durchmesser und mehr. Mit diesen Wasserrädern und anderen Mechanismen wurden vor allem Pumpen, die Wasser aus den tieferen Schächten hoben und Fördermechanismen angetrieben. Finden wir doch einfach einmal einen modernen, heute geläufigen Begriff dafür: es sind mechanische Kavernenkraftwerke. Im Molchner Stollen in Pobershau, damit etwas abseits des Wanderwegs, kann man ein funktionsfähiges Model eines solchen untertägigen Wasserrads besichtigen. Direkt am Wanderweg und zwar ganz in der Nähe des Kleinen Vorwerks bei Sayda und im Mortelgrund sind solche Anlagen zur Fassung und Zuleitung von Aufschlagwasser in Form von Teichen, Kunstgräben und Röschen erhalten. Im Kleinen Vorwerk, in der Mortelmühle und der Jugendherberge im Mortelgrund erhält jeder Wanderer darüber bereitwillig Auskunft. In Deutschneudorf wird unterhalb des sogenannten Schwarzen Teichs noch heute eine Drechslerei mit einem Wasserrad von fast fünf Metern Durchmesser mit Energie versorgt. Die Betreiber zeigen das jedem Besucher gern. Auch das riesige Berg- und Hüttenrevier von Freiberg wurde auf diese Weise mit Energie versorgt. Ein Grabensystem, das sogenannte "Kunstgraben-Röschensystem", daß über die Jahrhunderte hinweg bis in den Oberlauf der Flöha vorgestreckt wurde, versorgte das Freiberger Revier mit bis zu 25 Mio Kubikmetern Wasser pro Jahr. Im Mortelgrund und an der Straße von Neuhausen nach Sayda ist ein Teilabschnitt dieses Systems zu sehen, je zwei schön gestaltete Mundlöcher der Röschen und jeweils ein gut gepflegter Kunstgrabenabschnitt. Dieses System reicht hinauf bis in den heutigen Staubereich der Talsperre Rauschenbach, die später vom Wanderweg tangiert wird. Aus diesem Wasser wurde bis 1914 auf rein mechanischem Wege Energie erzeugt. Am 24. Dezember 1914 ging dann auf dem Dreibrüderschacht zwischen Freiberg und der Stadt Brand-Erbisdorf gleich hinter Gaststätte "Zum letzten Dreier" an der B 101 eines der ersten elektrischen Kavernenkraftwerke der Welt in Betrieb. Seit 1877 wird das Freiberger Revier über den sogenannten Rotschönberger Stollen in Richtung Meißen und damit in Richtung Elbe entwässert. Der geht unter dem heutigen Autobahndreieck Nossen hindurch. Die ersten Pläne dazu erstellte Georg Agricola um 1500. Georg Agricola, das ist ein Mann, ohne den die Kenntnis über den Bergbau und das Hüttenwesen in der Zeit der Hochrenaissance nicht so überliefert worden wäre, wie wir es heute kennen. Es ist der Name eines großen Humanisten und Wissenschaft-lers, Berg- und Hüttenmannes, Arztes und letztlich langjährigem Bürgermeisters von Chemnitz, dessen Wirken man links und rechts des Wanderweges ständig begegnet.
Die Klassischen Erze des Erzgebirges und die Herkunft der Erzgebirgler
Die "klassischen" Erze im Erzgebirge sind, wie eingangs erwähnt, die Erze der Metalle Silber, Blei, Zinn, Zink, und Kupfer, die in ihrer primären Vererzung fast ausschließlich als Sulfide innerhalb von Ganglagerstätten vorkommen. Das heißt, die Moleküle bestehen aus einem oder mehreren Metallato-men und Schwefel, sonst nichts. Wir allen kennen zum Beispiel das Katzengold, das ist FeS2. Die Sulfide sehen, wie wir das vom Katzengold her kennen, schon richtig metallisch aus und haben eine hohe Dichte, sind also augenscheinlich schon sehr schwer. Dann gibt es eine Reihe von Lagerstätten-formen, die sekundäre Bildung darstellen. Beides, primäre Ganglagerstätten und sekundäre Bildungen, kommen links und rechts des Wanderweges vor. Im Katharinenberger Revier handelt es sich um Gangerzlager in denen, einer Laune der Natur entsprechend, der Annteil der Kupfererze dominant ausgereicht wurde. Es gibt hier noch eine sehr interessante Erscheinung in der sogenannten Oxida-tionszone der Lagerstätte, in deren Folge Malachit entstanden ist. Hätte man als Tourist zwei bis drei Millionen Jahre Zeit, so könnte man das als Schmuckstein mit nach Hause nehmen. In der vorliegenden Form ist es nur eine Anreicherung des Erzes in einem bestimmten Lagerstättenbereich und damit ein Geschenk der Natur an die Berglaute, aber es ist sehr schön, sich das anzusehen. Der Ort Seiffen selbst ist bekanntgeworden durch Zinnseifen. Das sind sekundäre Lagerstättenformen, die in der Nähe von Bächen oder durch extra herangeführtes Wasser ausgebeutet wurden, wie es die Goldwäscher im Wilden Westen Amerikas betrieben. Im Kurort Seiffen gibt es diesbezüglich sehr viel zu sehen. In der Touristeninformation bekommt jeder eine Auskunft, was man sich heute noch an welcher Stelle ansehen kann. Einmal den Ort Seiffen betreten bedeutet außerdem, sich selbst im Hochsommer vom Zauber der Weihnachtswelt gefangen nehmen zu lassen. Seiffen steht exemplarisch für etwas, was den Bergbau im Erzgebirge immer begleitet hat, die Herstellung von Holzspielzeug und Schmuckge-genständen aus Holz. Der Bergbau war immer privilegiert, auch die Bergleute. Doch die konnten ihre Familien vom Ertrag ihrer Arbeit über die Jahrhunderte nicht ernähren. So brauchten sie einen Neben-erwerb. Das war eben die Herstellung von Holzspielzeug und anderem Schmuck aus Holz. Dabei griff man natürlich die Sorge des Bergmannes um das Licht auf. Seit Jahrhunderten schon gab es Vertriebsstrukturen, in deren Rahmen das hier produzierte in die Welt verkauft wurde. Eine ganz bedeu-tende Rolle spielten dabei Händler, die sich in Olbernhau niedergelassen hatten. Dieses Thema ein wenig am Rande des Wanderweges zu verfolgen, ist atemberaubend. Es handelt sich also beim Erzgebirge als Weihnachtsland nicht um einen folkloristischen Geck, sondern um die Überlebensstrategie eines ansonsten über die Jahrhunderte benachteiligten Landstrichs am Rande der Welt, zwischen Preußen und Habsburg gelegen. Eine höchst interessante Frage ist, woher die Bevölkerung des Erzgebirges kam und warum es keine erzgebirgische Tracht gibt. Es gibt eine typische Kleidung, die "blaue Schärz", die blaue Schürze, es gibt Uniformen der Berg- und Hüttenleute, die zu bestimmten Anlässen getragen wurden, aber es gibt keine erzgebirgische Tracht, wie man sie analog dem Spreewald, Schwarzwald oder aus den Regionen Norddeutschlands kennt. Der ursprüngliche Erzgebirgler ist zugewandert zu Zeiten des großen Berggeschreis im 12. Jahrhundert und dessen Pendant vor allem im 16. Jahrhundert und hat sich dann hier etabliert. Vielleicht ist der, der in diesen großen Wellen das Erzgebirge besiedelte, ein Landsmann der Touristen, die heute das Erzgebirge besuchen und damit auf den Pfaden ihrer Vorfahren wandeln, ohne es zu wissen?
Die Arbeit der Bergleute in Erzgebirge und aller, die in Gangerzlagerstätten Erz schlugen
Die Abbaumethoden haben sich im Verlauf der Jahrhunderte weiterentwickelt. Von einer bestimmten Zeit an war es üblich, daß die Bergleute von unten nach oben arbeiteten. Aus dieser Zeit stammt das Arschleder. Das war eine Lederschürze, die sich der Bergmann rückwärts umband, um seinen Hosen-boden zu schützen. Man führte einen "selektiven Abbau". Mit Schlegel und Eisen wurde zunächst das Gangmaterial herausgeschlagen und nach über Tage zur Scheidebank gebracht. Dort wurde es mechanisch mit Hämmern zerkleinert und geschieden in Erz und taubes Gestein. Das machten überwiegend Jungs, die eigentlich hätten auf der Schulbank, statt auf der Scheidebank sitzen sollen und Invalide, die nicht mehr einfahren konnten. Das Erz ging dann zum Pochwerk, zur Erzwäsche und danach in die Verhüttung. Wenn der Schlitz im Gang so tief geworden war, daß kein weiteres Erz herausgeschlagen werden konnte, schlug der Bergmann das taube Gestein neben dem Gang ab, bis er wieder einen glatten Stoß hatte. Dieses taube Gestein blieb auf der Sohle liegen. Es verschloß den Gruben-bau und schaffte somit Sicherheit. Es diente als Sohle, auf der die Förderung bzw. das Ein- und Ausfahren möglich war und Wasser konnte darin dem tiefsten Punkt zusickern. So arbeitete sich der Grubenbau von unten nach oben, bis keine Erz mehr gefunden wurde. Was war zu tun? Der Schacht war um eine Sohle weiter abzuteufen, eine neue Strecke war aufzufahren und das gleiche begann von vorn, bis man nach Jahrzehnten oder später den darüberliegenden, bereits abgebauten und verfüllten Abbaubereich anschnitt. Nun wiederholte sich das ganze immer und immer wieder. So kommt es, daß oben die alten Stollen liegen und sie immer jünger werden, je tiefer man in das Bergwerk eindringt. Als Lichtquelle diente über lange Epochen die sogenannte Froschlampe. Sie wurde mit Rübsöl betrieben. Sie war ein offenes Licht, das keine Arbeitsplatzbeleuchtung darstellt. Es diente der Orientierung und vor allem der Kontrolle darüber, ob noch ausreichend Sauerstoff in der Luft vorhanden war. Das Flämmchen selbst verbrauchte Sauerstoff und mußte deshalb möglichst klein gehalten werden. Es wurde gehütet wie der Augapfel, denn der Bergmann hatte keine trockene Faser an seinen "Klamotten", ge-schweige denn ein trockenes Streichholz, um die Lampe wieder anzuzünden, wenn sie erloschen wäre. Die Abbaue waren unbewetterte, geschlossene Räume, die nach oben führten und in denen sich die wärmere, verbrauchte Luft sammelte. Da war es lebenswichtig zu wissen, daß die Atemluft noch Sauerstoff enthielt. Bei der Arbeit mit Schlegel und Einsen brauchte man kein Licht. Am Klang am Stoß konnte der Bergmann unterscheiden, ob er im Erzgang arbeitete oder im Nebengestein. In der Antike wurde in solchen Lagerstätten auch Bergbau betrieben. Da waren Sklaven eingesetzt. Es war wohl um 368 n. Chr., da gab es in Laurion, wo sich einst die Heilige Barbara in einem Bergwerk versteckt hatte, einen Sklavenaufstand, der blutig niedergeschlagen wurde. Von Stund an wurden alle Sklaven, die zur Arbeit unter Tage eingesetzt waren, geblendet. Sie arbeiteten blind und konnten mit Schlegel und Eisen ohne Licht den Erzgang vom Nebengestein unterscheiden. Blind waren sie leichter zu beherrschen und verbrauchten keinen Sauerstoff für Lampen. Lebend kamen die Sklaven ja ohnehin nicht wieder aus dem Schacht. Die erzgebirgischen Bergleute hatten eine Lebenserwartung von 35 Jahren. Das war keine mittlere, sondern eine maximale Lebenserwartung. Es waren nicht unbedingt Unfälle und Staublunge, die das bewirkten. Sie sind einfach an den Folgen von Nässe und Kälte und Unterernährung eingegangen. Der Bergbau war immer privilegiert, nur die Bergleute nicht. Obwohl, mitunter hatten sie das Privileg, nicht zum Militär eingezogen zu werden. Was hätte man dort auch mit derart ausgemergelten und schwindsüchtigen Leuten anfangen sollen. Für sie wäre es gut gewesen - warm und trocken und einigermaßen gut zu essen und das Risiko war auch nicht größer, als unter Tage. Aber, das ist mehr der Zeit geschuldet als dem Bergbau, denn Fischer und sin Fru hätten nicht nach Buttje gerufen, wäre es ihnen besser gegangen.
So ist das Erzgebirge und sind seine Erzlagerstätten entstanden
Macht man angesichts der massiven Felsmasse, die man links und rechts des Wanderweges beob-achten kann, einen Ausflug in die Zeit vor 400 Mio Jahren, so landet man in einem Erdzeitalter, das man Devon nennt. Zu dieser Zeit war die Masse, die jetzt den kompakten Fels ausmacht, Sand am Grunde eines Ozeans in mehreren Tausend Metern Wassertiefe, der zu diesem Zeitpunkt seine größte Ausdehnung hatte. Vor 400 Mio Jahren setzt ein Gebirgsbildungsprozeß ein, in dessen Folge aus dem ehemaligen Ozean ein Gebirge herausgehoben wurde. Als der Meeresboden bis in die Höhe des ehemaligen Meeresspiegels angehoben war, standen da ausgeprägte, riesige Wälder. Aus diesen Wäldern sind die Steinkohlenlagerstätten entstanden von Wales bis zum Ural, auch die von Zwickau und Oelsnitz, von Freital und auch die Anthrazitlagerstätte von Brandov gleich ganz in der Nähe des Wanderwegs. Dieses Erdzeitalter bekam den Namen Karbon. Bis in das nächste Zeitalter hinein, das Perm, wurde das Gebirge dann zum Hochgebirge aufgefaltet. In diesem Gebirgsbildungsprozeß gerieten die ehemaligen Sedimente unter einen so starken Druck und wurden zusätzlich so stark erwärmt, daß sie eine völlig neue kristalline Struktur bekamen. Es entstand dieses feste, kompakte Umwand-lungsgestein, ein metamorphes Gestein, der Gneis. Und irgendwann war der so kompakt und fest, daß er sich nicht mehr falten ließ und so brach er im Zuge der weiteren Gebirgsbildung in mehreren Phasen auseinander. Man nennt das Bruchtektonik. Es entstanden Risse, die von der Erdoberfläche bis tief in die Erde hinein reichten, wo es heiß und flüssig war. Und in diese Risse hinein fauchten Gase und Dämpfe, in denen Mineralien gelöst waren, Quarz als Hauptbestandteil, Späte, Fluoride und eben auch die sulfidischen Erze, deren Abbau vor über 800 Jahren begann. Damit aber ist nur die halbe Wahrheit erzählt. Dieses Gebirge bildete den Grundstock unseres Kontinents. Die Landschaft selbst entstand viel später und zwar vor etwa 90 Mio Jahren, als die Alpen auf-gefaltet wurden und dabei das lange Gebirgsband bis jenseits des Himalaya entstand. Dabei bildete sich unsere Landschaft, indem das varistische Gebirge in große Platten zerbrach. Das Böhmischen Becken brach gegenüber dem Erzgebirge ab und senkte sich, während das Erzgebirge dadurch entstand, daß es als Pultscholle von Süden her angehoben wurde. Thüringen, der Harz, der Böhmerwald und weitere europäische Mittelgebirge entstanden ähnlich. Am Ende, als die Alpen so gut wie "fertig" waren, tat sich die Erde in unserer Ge-gend nochmals auf und brachte als Vulkane den Hirtstein, den Schwartenberg und andere sowie die Vulkankette des Böhmischen Mittelgebirges hervor, die von der tschechischen Stadt Most über die Lausitzer Berge bis hinter Zittau reicht. Der Wanderweg ermöglicht in seinem weiteren Verlauf viele Einblicke. Jenseits der Grenze, wo es hinunter geht nach Böhmen, weitet sich der Blick über das Moster Kohlebecken und es tauchen schon die Städte Osek und Duchcov auf, die das Ende dieses Wanderwegs in der unmittelbaren Region mar-kieren. Hinter diesen Städte erhebt sich wie eine Endzeitlandschaft das Böhmische Mittel-gebirge als beeindruckende ehemalige Vulkankulisse. Es lohnt, dort unten zu verweilen, dem Kloster Osek oder Casanova einen Besuch abzustatten oder der Dekanatskirche von Most, die 1975 in einer bisher in der Welt einmaligen Aktion um rund 850 Meter verschoben wurde, um sie vor dem herannahenden Braunkohlenbergbau zu retten ...