Alte Burg Zawidov
Alte Burg Zawidov

Das Leben auf einer Burg

Burgen waren zugleich Herrschafts- und Wohnsitz der Adligen, die dort mit ihrer Familie, ihren Dienstmannen und ihrem Gesinde lebten. Da der Herr gewöhnlich über ausgedehnte Besitzungen verfügte, waren die Burgen zugleich Mittelpunkt der Verwaltung.
Das Leben auf der Burg war eigentlich nur in der wärmeren Jahreszeit erträglich. Es gab oft noch keine Glasfenster und Öfen; die Böden aus Lehm oder Ziegelstein waren kalt. Nur im großen Saal und im Frauengemach brannte ein Feuer. Trotzdem feierte man fröhliche Feste, empfing Gäste, hielt Turniere ab oder ließ Minnesänger im Sängerwettstreit auftreten. Hier zeigte sich die mittelalterliche Gesellschaft des Adels und der Ritter in farbenprächtigen Gewändern.

Castrum et civitas Seydowe - Burg Sayda

Die Burg Sayda wurde 1289 erstmals urkundlich erwähnt. Entstanden war das "Castrum et civitas Seydowe" vermutlich weit früher, wohl schon zu Ende des 12. Jahrhundert, als die Besiedlung des Erzgebirgskammes begann.

Um das Jahr 1200 gehörte Sayda (Zawidov) zum Herrschaftsbereich der Hrabischitzer, einem bedeutenden nordböhmischen Adelsgeschlecht, das sich auch Herren „von Ossegg und Riesenburg“ (tschechisch: z Oseka) aber auch nach ihrer Burg Riesenburg „von Riesenburg“ nannte. Im 12. Jahrhundert gründeten die Hrabischitzer während der ersten Silberfunde im Erzgebirge das Kloster Osegg, in das sie Zisterziensermönche beriefen.

Ende des 13. Jahrhunderts gehörte zu ihren Besitztümern unter anderem Deutscheinsiedel, Seiffen, Neuhausen, Burg Purschenstein, die Dörfer Dittersbach, Heitersdorf und weiter westlich Reukersdorf, Hallbach, Schönfeld, Pfaffroda, Dittmannsdorf, Ullersdorf, Sayda, Friedebach und die Pfarrgemeinden Clausnitz und Cämmerswalde, Rechenberg, Hartmannsdorf, Haselbach und Ammelsdorf. 1253 kam es zum Tausch, als der böhmische König Přemysl Ottokar II. den Hrabischitzer Besitz gegen österreichische Ländereien des Meißner Markgrafen Heinrich den Erlauchten tauschte. Zum Rücktausch kam es zur Zeit Königs Wenzel II. und dem Markgrafen Friedrich. Nach dem Tod von Wenzel III. nutzte Friedrich der Freidige eine vorübergehende Vakanz in den böhmischen Machtverhältnissen und riss den Hrabischitzer Besitz wieder an sich.

Die Hrabischitzer waren dann seit 1307 dessen Markgrafslehnherren. 1350 wurde den Brüdern Boresch und Slavko von Riesenburg das Lehen an den Burgen Rechenberg, Sayda und Borschenstein übertragen. Bereits zwei Jahre später verkauften jedoch Bores und Slavko die sächsischen Güter an die Herren von Schönberg und verzichteten damit auf die sächsischen Ländereien.

Ab 1352 bis zur Reformation bzw. dem Dreißigjährigen Krieg hatte die Adelsfamilie von Schönberg hier ihren Wohnsitz. Später siedelte diese auf Burg Purschenstein um. Ein erhalten gebliebenes Relief auf einem Epitaph in der Kirche in Sayda zeigt die Burg mit dem eigentlichen Wohngebäude, einem großen runden Turm (23 m hoch, 8,40 m Durchmesser und 2,80 m dicken Mauern), einen kleineren sechseckigen Turm und die 1448 errichtete Michaeliskapelle.

Im Wohnhaus des Burgherrn gab es vermutlich einen großen Saal, der als Versammlungsraum und Sitzungssaal diente.

Der Bergfried war immer der höchste Turm in einer Burg. Die Eingangstür befand sich bei mittelalterlichen Burgen aus Sicherheitsgründen meist nicht zu ebener Erde, sondern im ersten Stock. Man gelangte dorthin über eine Einstiegsleiter, die bei Gefahr hochgezogen oder zerstört wurde. Im Innern des Turmes konnten sich ein weiträumiger Saal, der Brunnenschacht, die Vorratsräume und eine Sickergrube für Fäkalien befinden. Der Bergfried diente als letzte Zuflucht bei einem Angriff. In dem kleineren Turm befand sich vermutlich der Kerker.

Die Burg war mit einer hohen Mauer umgeben, die mit vielen Öffnungen versehen war, durch die man den Feind beobachten und Steine, brennbares Material (wie Pech und Teer) oder andere Gegenstände hinab werfen konnte, um die Angreifer zurückzudrängen. Diese Öffnungen nennt man daher auch Gusslöcher oder Pechnasen.

Die Burg war nur durch das Burgtor zu betreten, welche durch eine Zugbrücke gesichert war. Bei Gefahr wurde diese hochgezogen. Vorräte und Kriegsmaterial wurden auch in der Burg aufbewahrt.

Die Burgküche, die wegen der Brandgefahr oft in einem separaten Gebäude untergebracht war, blieb, wenn der Burgherr abwesend war, die meiste Zeit ungenutzt. Wenn jedoch der Burgherr sein Kommen ankündigte, wurden in der Küche die feinsten Gerichte zubereitet.

Der Gottesdienst und die Gebete spielten eine sehr wichtige Rolle im Leben der damaligen Zeit. Viele Burgen hatten daher eine Kapelle, die in der Nähe der Wohnräume lag. Die Kapelle, welche den schönsten Raum in der Burg darstellte, war meist der einzige Raum in der Burg, der Glasfenster hatte, da Glas sehr teuer war.

Ab etwa 1539 war die Saydaer Burg kaum noch bewohnt und die Michaeliskapelle verfiel. 1584 wurde auf deren Grundmauern ein Vorwerk errichtet, welches nach einer Quelle aus dem Jahre 1619 mit "25 melkenden Kühen"; jährlich 4 Gulden Nutzen brachte. Während des Dreißigjährigen Krieges, am 7. Oktober 1634, wurde die Stadt Sayda und mit ihr die Burg durch kaiserliche Truppen völlig zerstört. Die beiden Türme blieben noch bis in das 19. Jahrhundert erhalten, wurden dann aber abgetragen. 1877 brannte dann auch das alte Vorwerk ab, wurde nochmal aufgebaut und ist heute ein denkmalgeschütztes Wohnhaus.
Von den Saydaern wird dieses Gebäude "Altes Schloss" genannt.