Verdichterstation:

Verdichterstationen gleichen in Gastransportsystemen den Gasdruckabfall aus, der beim Erdgastransport durch Reibung und Entnahme entsteht.

Gastrocknung:

Erdgas nimmt ständig aus der Luft Feuchtigkeit auf. Würde diese Feuchtigkeit nicht entfernt werden, würde es zu Korrosionsschäden an den Leitungssystemen kommen. In Trocknungsanlagen, wie in der Verdichterstation Sayda wird das Gas deshalb, wie der Name schon sagt, getrocknet.

Sicherheit:

Am 4.Juli 1978, 19:25 Uhr kam es in der Verdichterstation Sayda zu einer schweren Havarie mit Explosionen und einem Großbrand. Der Himmel über Sayda war rot gefärbt. Der Feuerschein war Kilometerweit zu sehen. Selbst in einem Kilometer Entfernung gingen noch Fensterscheiben kaputt. Zwei Menschen (Ullrich Pilz und Frank Schubert) kommen ums Leben, zwei weitere werden schwer verletzt.  In Folge werden die Sicherheitsvorschriften verschärft und die Sicherheitseinrichtungen wurden seitdem ständig verbessert.

30 jähriges Jubiläum

2005 beging die Verdichterstation der Verbundnetz Gas AG (VNG) Sayda ihr 30-jähriges Jubiläum, eine von heute vier Übernahmepunkten für Erdgas nach Ostdeutschland. Die Anlage, die nach umfangreichen Sanierungsarbeiten heute zu den modernsten in Europa zählt, war fast 20 Jahre alleinige Importroute für Erdgas aus Russland. Seit 1973 gelangten darüber mehr als 185 Mrd. m3 Erdgas in die östlichen Bundesländer. Jährlich sind es 4 Mrd. m3
– rund ein Drittel der von der VNG abgesetzten Jahresmenge.



Erdgasleitungen entlang der Alten Salzstraße

Was früher die Alte Salzstraße für Sayda war, ist heute die Erdgasleitung mit der Verdichterstation. Der Gesandte Ibrahim ibn Jacob und andere Händler wählten vor über 1000 Jahren den Weg über Sayda und den Pass bei Deutschneudorf weil er der bequemste Übergang über das Erzgebirge war. Aus dem selben Grund wurde dieser Pass im 20. Jahrhundert für Erdgasleitungen ausgewählt.

1972 wurde eine Erdgashochdruckleitung mit 900 mm Durchmesser über diesen Pass bei Sayda gebaut. Sie kommt von Russland und Tschechien und führt weiter nach Leipzig. An dieser Erdgasleitung wurde 1977 in Sayda eine Verdichterstation gebaut und in Betrieb genommen.

Mit dem Bau dieser Verdichterstation erfuhr Sayda wiederum einen Aufschwung. Neue Arbeitsplätze entstanden. Viele junge Familien zogen nach Sayda. Mehrere Neubaublöcke mit knapp 100 Wohnungen, eine neue Kinderkrippe mit ca. 20 Plätzen, eine neue Schule (1976) und ein neuer Kindergarten wurden gebaut.

In den folgenden Jahren erfolgte ein ständiger Ausbau dieser Anlagen. Noch 1973 wurd eeine zweite Leitung mit einem Durchmesser von 600 mm über Lauchhammer nach (Ost-)Berlin errichtet. 1985 wurde diese Leitung nach West-Berlin verlängert und in Sayda drei Gastrocknungsanlagen eingebaut, 1989 zwei Gasverdichter für die Versorgung von Westberlin in Betrieb genommen.

Heute liegen mehrere Leitungen über den alten Pass, den schon im Jahre 964 Ibrahim Ibn Jakub benutzte, so dass inzwischen auch norwegisches Erdgas über Sayda nach Tschechien geliefert werden kann.

Im Jahr 2007 waren 17 Mitarbeiter direkt in Sayda, in der Verdichterstation tätig. Der Betreiber, die Verbundnetz-Gas AG (VNG) ist ein großer Gewerbesteuerzahler. Auch der Kauf eines neuen Feuerwehrautos wurde von der VNG AG im Jahr 2007 großzügig unterstützt.

Die nächste Leitung ist bereits in Planung. Im Jahr 2011 sollen durch eine 1000 mm starke Gasleitung jährlich weitere 3 Mrd. Kubikmeter Gas von Russland nach Westeuropa transportiert werden. Dazu soll in Sayda noch eine Verdichterstation gebaut werden.

Bei den heutigen Gaspreisen würde demnach Gas im Werte von mehreren Milliarden Euro jährlich über den alten Pass und durch Sayda fließen. (Schade nur, dass Sayda darauf keinen Zoll verlangen kann...so wie im Mittelalter, als alle Händler ihre Waren in Sayda zugunsten der Herrschaft und der Stadt verzollen mussten.)

Das Leitungsnetz der Verbundnetz Gas AG

Moderne Technik

Verdichterstation Sayda/Erzgebirge: Die modernisierte Verdichterhalle mit neuen Ansaug- und Abgasanlagen für die Gasturbinen, die 25 Prozent Treibstoff sparen.

Verdichterstation Sayda: Weniger Lärm, weniger Schadstoffe, trotzdem mehr Leistung
Die VNG-Vedichterstation Sayda im Erzgebirge gehört zu den der leistungsfähigsten und umweltschonendsten Europas. Sie ist für die ostdeutsche Ferngasgesellschaft die wichtigste Importstation für russisches Erdgas. Die VNG übernimmt dieses Gas bereits an der ukrainisch-slowakischen Grenze bei Ushgorod. Für den Transit durch die Slowakei und Tschechien hat sie entsprechende Verträge mit den zuständigen slowakischen und tschechischen Unternehmen geschlossen. Zwischen 1995 und 1998 führten zahlreiche Maßnahmen zu erheblichen Senkungen der Schall- und Schadstoffemissionen. So reduzieren der Umbau der Brennkammern sowie des Startsystems sowie die neu eingebauten Ansaug- und Abgasanlagen für die Gasturbinen den Brenngasverbrauch um mehr als 25 Prozent. Durch Umbau der Turbinen selbst steigt der thermische Wirkungsgrad der Anlage ab April 1997 von 27 auf 32 Prozent ­ ein erfolgreiches Ergebnis der Zusammenarbeit mit den tschechischen Partnern EKOL spol. s.r.o., Brno; CKD Kompressory, Praha und Skoda Turbiny, Plzen. Dadurch sinkt der jährliche Ausstoß der Anlage an Kohlendioxid (CO2) um bis zu 8.000 Tonnen. Außerdem erhalten alle Rohrleitungen eine dicke Schallisolierung, Ausblasvorrichtungen werden mit Schalldämpfern versehen und Armaturen komplett ausgetauscht. Bislang übertägig verlaufende Versorgungsleitungen sind über 150 Meter im Erdreich verlegt, die gesamte Elektroinstallation ist erneuert. Die gesamte Anlage ist dem Stand der Technik entsprechend schallisoliert. Der nach außen dringende Geräuschpegel liegt nachweislich im Rahmen der vom Bundesimmissionsgesetz zulässigen Höchstwerte für derartige Anlagen. Schließlich sorgt das modernisierte Heizhaus für einen noch sparsameren Energieverbrauch und damit geringere Emissionswerte der Station.