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Halle (Saale)

Giebichenstein
Giebichenstein
Siedehaus
Siedehaus
Marktplatz
Marktplatz
Saline
Saline
Moritzburg
Moritzburg

Halle - Zentrum des Salzhandels in Mitteleurope

Von Halle an der Saale führten die Salzstrassen quer durch Mitteleuropa. Eine davon führte über Leipzig quer durch Mittelsachsen, das Erzgebirge und weiter nach Prag. Auf dieser "Alten Salzstrasse" reiste bereits um 973 der jüdische Fernhändler Ibrahim Ibn Jacub.
Die folgenden Texte stammen von der Homepage www.halle.de. 

Castellum und Civitas Giebichenstein

Die Stadt Halle bildete sich in einem Jahrhunderte lang währenden Prozess aus mehreren Siedlungskernen heraus. Als die Franken 806 im Zusammenhang mit der Konsolidierung ihres Reiches bis an die Saale kamen, ließ König Karl zur Sicherung der Grenze und zum Schutz der Solequellen ein "castellum" bei dem Ort "Halla" bauen. Das Kastell am östlichen Ufer der Saale ist bis heute nicht eindeutig lokalisiert. Der Giebichenstein, ein massiver Felskomplex an der Saale, war schon in vorgeschichtlicher Zeit Siedlungs- und Kultstätte verschiedener germanischer und slawischer Stämme. Doch erst 961 wird der "Giuicansten" schriftlich erwähnt: Kaiser Otto I. schenkte dem Moritzkloster in Magdeburg die Abgaben des Gebietes Neletici, in dem sich die Burg Giebichenstein mit einer Salzquelle "urbs cum salingue" befand. Bald kristallisierte sich die Burg zum lokalen Zentrum heraus, denn schon 987 erhielt sie Zoll-, Bann- und Münzrecht zugesprochen.  

Das hallesche Salz

Das aus dem Keltischen stammende "halla" bedeutet Stätte der Salzbereitung. Unmittelbar neben der Saale, auf dem heutigen Hallmarkt, trat bereits in vorgeschichtlicher Zeit salzhaltiges Wasser an die Oberfläche. Archäologische Funde, wie Brunnenreste und Briquetagen (Geräte aus Ton zur Salzsiedung), belegen eine beachtliche Salzproduktion keltischer, germanischer und slawischer Stämme von ca. 2000 v. u. Z. bis ins Mittelalter. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts sind urkundlich vier Brunnen belegt, aus denen Solewasser gepumpt wurde. Salzarbeiter trugen die Sole in schweren Kübeln zu den kleinen, verrauchten Siedehäusern und schütteten diese in große Pfannen. Über dem Feuer verdunstete das Wasser; anschließend wurde das feuchte Salz in Weidenkörben getrocknet. Der gewinnbringende Salzverkauf, vorwiegend im mitteldeutschen Raum, begünstigte den weiteren Siedlungsprozess. Salzgewinnung und -handel prägten bis ins 18. Jahrhundert hinein die wirtschaftliche und soziale Struktur Halles.

Salzherstellung durch die Jahrhunderte

Die Salzarbeiter waren selbst nie im Besitz der Solequellen und der Siedestätten. Die Rechte am Solgut und den Siedehäusern, ursprünglich Eigentum des Erzbischofs von Magdeburg, wurden als Lehen an Klöster von Halle und Umgebung sowie an hallesche Bürger oder Adlige vergeben. 1276 schlossen sich diese zu einer Genossenschaft zusammen und bildeten mit den Fernhandelskaufleuten das städtische Patriziat. Die Salzherstellung war ein hochspezialisierter, arbeitsteiliger Prozess. Im 18. Jahrhundert kam es zu entschiedenen Änderungen im Produktionsablauf: die kleinen Hütten mussten zwei großen Siedehäusern weichen, statt des Holzes verwendete man Kohle zur Feuerung, der Pumpbetrieb wurde verbessert. Seit dem 18. Jahrhundert wurden die Salzarbeiter, die getrennt von den Hallensern arbeiteten, Halloren genannt. Sie besaßen unter anderem eigene Rechtshoheit, sprachen einen besonderen Dialekt, heirateten meist nur untereinander und trugen eine spezielle Tracht.

Vom Oppidum (Siedlung) zur Civitas (Stadt)

Um die Salzbereitungsstätte herum entstanden weitere Siedlungskerne. Nördlich davon gab es ein von Handwerkern, Gastwirten und Fischern bewohntes "suburbium". Im Südosten hatte sich neben den Hütten der Salzarbeiter ein Handelsplatz etabliert: der Alte Markt. Darum gruppierten sich die Häuser und Eigenbefestigungen der Kaufleute und Gewerbetreibenden, aber auch der Adligen. Das Gebiet war vermutlich schon im 11. Jahrhundert durch einen Mauerring geschützt. Hier stand auch mit St. Michael die älteste Pfarrkirche. Der Raum am Alten Markt wurde der prosperierenden Stadt bald zu eng, denn spätestens im 12. Jahrhundert bezog man den heutigen Markt. Marktrecht, Zoll und Münze gingen von Giebichenstein an das neue Zentrum über. Die Verwaltung oblag einem erzbischöflichen Präfekten, das Gericht übte der Schultheiß aus. Die wirtschaftlich erstarkten Handwerker schlossen sich erstmals in Innungen zusammen.

Halles Weg zu einer bedeutenden Handelsstadt

Im Mittelalter zählte Halle zu den bedeutendsten Handelsplätzen des römisch-deutschen Kaiserreiches. So ließ Bischof Otto von Bamberg die Tuche und Geschenke für seinen Missionszug nach Pommern 1128 auf dem halleschen Markt erwerben. Etwa zur gleichen Zeit entstand eine neue, großartige Verteidigungsanlage, die bis ins 19. Jahrhundert hinein das Stadtbild prägte. Eine Mauer mit Wehrgang, unterbrochen von vierzig Mauertürmen und sechs gewaltigen Torburgen, schützte die Bewohner. Das von der Mauer eingeschlossene Stadtgebiet, bis heute im Ringstraßensystem erkennbar, wurde allmählich mit stattlichen Wohnhäusern und kommunalen Gebäuden, großen Kirchen und Klöstern, aber auch ärmlicheren Hütten bebaut. Um 1300 lebten in Halle ca. 4000 Menschen: Patrizier, Kleriker, Handwerker und Arme. Die slawischen Hörigen waren in der halleschen Gemeinde aufgegangen. Die halleschen Juden bildeten, ebenso wie die Salzarbeiter, eine Sondergemeinde.