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Die Saydaer Judenstadt - jüdische Fernhändler

Der ersten Nachrichten über jüdische Händler, sind die Geschichten von Ibrahim ibn Jakub, welcher um 970 auch durch den Erzgebirgswald zog.

Die Ansiedlung von Juden hat wesentlich zur Vergrößerung der Stadt Sayda beigetragen. Der Handel mit Freiberger Silber hatte die jüdischen Händler nach Sayda gezogen. Der erste Handelshof wurde sicherlich bereits im 13. Jahrhundert eingerichtet. Um 1400 soll die Hälfte der Einwohner Juden gewesen sein. Sie wohnten im südwestlichen Teil der Stadt zwischen dem Schloss und den jetzigen Bad, in der so genannten „Judenstadt“. Einen Judenfriedhof gab es oberhalb des „Fleckens“.

Wann genau sich die ersten Juden in Sayda niederließen, lässt sich heute nicht mehr belegen. Sicher ist jedoch, dass der Anteil der jüdischen Bevölkerung zu Anfang des 15. Jahrhunderts gestiegen ist. Aus vielen Städten der Mark Meißen wird die Vertreibung der Juden gemeldet und es ist überliefert, dass Bernhard von Schönberg ihnen in Sayda Zuflucht gewährte.

Auslöser für die große Vertreibungswelle war oft Neid auf den wirtschaftlichen Erfolg und wirtschaftliche Konkurrenz. Man bezichtigte sie z.B. des Wuchers beim Silbereinkauf. Allgemein war die christliche Bevölkerung den Juden gegenüber misstrauisch. Von der christlichen Kirche propagiert, unterstellte man den Juden Missetaten aller Art. U.a. gab man ihnen gern die Schuld an Krankheiten oder Bränden.Oft wiegelten auch Diejenigen das Volk gegen die emsigen Handwerker und Händler auf, die bei selbigen hochverschuldet waren. Fand man einen Grund, sie zu bekämpfen, konnte man sich leicht aus Geldnöten befreien.

Von den jüdischen Händlern oder gar der Saydaer Judenstadt ist heute nichts mehr zu sehen. Erzählt wird aber, dass es im „Gasthaus zum Bade“ früher einen Brunnen gab, welcher "Judenborn" genannt wurde. Der Brunnen soll ein Bestandteil der Judenstadt gewesen sein, die sich außerhalb der Stadtwälle befand. (Wahrscheinlicher ist aber, das sich die Judenstadt innerhalb der Stadtbefestigung befand.)

Eine andere Überlieferung besagt, dass in jenem Brunnen einst ein jüdischer Händler geworfen worden sei. Dieser in Oederan lebende Jude soll verschiedene Geschäfte betrieben und als Makler und Geldverleiher aufgetreten sein. Außerdem lieferte er Silberstangen Freibergs zum großen Teil in das Kloster zu Oederan, wo diese verarbeitet und alsdann nach Nürnberg und Böhmen gepascht wurden. Daraus zog er großen Gewinn. Eines Tages, es soll um 1236 gewesen sein, als der Jude mit einigen Mönchen wieder einen Silbertransport nach Böhmen unternahm, schlichen ihnen etliche Oederaner bis nach Sayda nach. Hier verbündeten sie sich mit den Einwohnern und der damaligen Schlossbesatzung, überfielen und plünderten den Transport, ergriffen den Juden, schlugen ihn tot und warfen ihn in einen Brunnen, welcher von dieser Begebenheit seinen Namen erhalten haben soll.

Im Jahre 1465 (oder 1411?) wurden die jüdische Einwohner aus Sayda vertrieben, weil man sie der Brandstiftung bezichtigte. Nach dem Brand vom 31. März 1465 soll Sayda nur noch halb so groß aufgebaut wurden sein, da die Hälfte der Bevölkerung, die Juden, nicht mehr da war. Mit dieser Vertreibung der Juden aus Sayda, scheint der Schlussstrich unter die Geschichte des mittelalterlichen Judentums in der Mark Meißen gezogen worden zu sein, denn von dieser Zeit an schweigen die Quellen. Von Kurfürst August wird erzählt, er habe das "verfluchte unnütze Volk" nicht dulden wollen. Fast 200 Jahre lang war Sachsen daraufhin ohne Juden.

Viele Gesetze machten den Juden das Leben in Deutschland sehr schwer oder unmöglich. So verbot man in einer königlichen Verordnung aus dem Jahre 1835 den Juden strengstens den dauernden Aufenthalts in den Bergbauorten wie Sayda und Freiberg sowie ihre Zulassung auf Berg- und Hüttenwerken. Die "Handelsjuden" hatten sich nicht nur bei den Ortsobrigkeiten, sondern auch bei der Bergbehörde zu melden und durch Pässe zu legitimieren. Etwaiger Verkehr der Berg- und Hüttenleute mit diesen Juden wurde argwöhnisch beobachtet. Möglichst sollte ein Kontakt durch Wegweisung derselben von den Gruben und Hüttenwerken verhindert werden.

Einen weiteren Höhepunkt erreichte die Judenverfolgung im letzten Jahrhundert. Die Novemberpogrome 1938 (bezogen auf die Nacht vom 9. auf den 10. November auch Reichspogromnacht oder Reichskristallnacht genannt) waren eine vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Zerstörung von Leben, Eigentum und Einrichtungen der Juden im gesamten Deutschen Reich. Ab dem 10. November wurden ungefähr 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, wo nochmals Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben. Fast alle Synagogen und viele jüdische Friedhöfe in Deutschland und Österreich wurden zerstört. Die Pogrome markierten den Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später in den Holocaust (die systematische Ermordung fast aller Juden) im Machtbereich der Nationalsozialisten mündete.

Auch heute haben es Juden schwer, akzeptiert zu werden. Immer noch gibt es in der Bevölkerung Vorbehalte gegen andere Kulturen, wie islamische oder jüdische Gemeinden oder fremde Händler, wie z.B. Vietnamesen oder Afrikaner.