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Geschichte der Stadt Leipzig

Die Geschichte Leipzigs ist eng verbunden mit seiner Bedeutung als Handelsplatz. Bereits früh hatte es durch die günstige Lage am Schnittpunkt der Handelswege (u.a. der Alten Salzstraße) und durch Messeprivilegien eine herausragende Position im Warenhandel, später auch im Buchdruck und -handel inne. Hingegen war Leipzig nie Residenz oder Bischofssitz und stets städtebürgerlich geprägt. Seit 1409 ist die Stadt Leipzig Sitz einer der ältesten Universitäten im deutschen Sprachraum. In den letzten beiden Jahrhunderten wuchs Leipzig stark an und war zeitweise nach Berlin, Hamburg und Breslau und noch vor München die viertgrößte deutsche Stadt. Als industrieller Standort hat sie seit der Wiedervereinigung an Bedeutung verloren, behauptet sich aber als Messe- und Universitätsstadt und durch ihr kulturelles Erbe.

Ur- und Frühgeschichte

Erste Siedlungsreste aus dem Leipziger Stadtgebiet stammen aus der jungsteinzeitlichen bandkeramischen Kultur. Kaiser- und völkerwanderungszeitliche Funde elbgermanischen Typus in der Gegend in und um Leipzig lassen auf die Anwesenheit des suebischen Stammes der Hermunduren schließen. Bis 531 gehörte der Raum des späteren Leipzigs zum Königreich der Thüringer.

Mittelalter

Slawische Siedlung

Nach Grabungen von Herbert Küas wurden ca. 900 n. Chr. im Gebiet des späteren Matthäikirchhofs an beiden Ufern der Parthe slawische Siedlungen angelegt. Auf dem Matthäikirchhof fanden sich über einer Schicht mit Herdstellen und den Grundrissen von vier Grubenhäusern Reste eines Burgwalls, der aus übereinandergeschichteten Lagen von Baumstämmen bestand. Die Zwischenräume waren mit Erde verfüllt. Dieser Burgwall schützte den Sporn zwischen Elster und Parthe nach Norden und Osten als sogenannter Abschnittswall.

Stadtgründung

Die Marken Meißen, Lausitz, Merseburg und Zeitz um die Jahrtausendwende. Leipzig liegt in der Markgrafschaft Merseburg und ist als Lipzck bezeichnet. Leipzig wurde 1015 erstmals erwähnt, als Thietmar von Merseburg von einer urbs Libzi berichtet (Chronikon VII, 25). Als Gründungsjahr der Stadt gilt das Jahr 1165, in dem Markgraf Otto der Reiche von Meißen dem Ort an der Kreuzung der Via Regia mit der Via Imperii das Stadtrecht und das Marktprivileg erteilte. Die Lage der ältesten deutschen Burg ist umstritten. Wegen des Flurnamens „Alteburg“ vermuteten viele Forscher, dass sie in der Partheaue, in der Nähe der heutigen Lortzingstraße gelegen habe. Im Matthäikirchhof ist eine Burg erst 1216 durch die Pegauer Annalen bezeugt. Eine mit einem Graben befestigte Vorburgsiedlung (Suburbium) befand sich zwischen Großer Fleischergasse und Hainstraße. Die älteste Keramik stammt hier aus dem ausgehenden 9. Jahrhundert. Im Jahre 1190 wurden die Oster- und Michaelismärkte bestätigt, 1268 das Geleitschutzprivileg erlassen, was den Grundstein für den Beginn des Fernhandels legte. Leipzig gilt als älteste Messe der Welt. Seit sie 1497 zur Reichsmesse erhoben wurde, also durch Kaiser Maximilian I. das Messerecht erhielt, stieg die Bedeutung der Leipziger Messe im Laufe der Jahrhunderte ständig vom eher lokalen beziehungsweise regionalen Handelsplatz zum internationalen Messestandort. Vor allem im Ost-West-Handel machte sie sich einen Namen. An der Spitze der Stadt standen ursprünglich Vögte als Vertreter des Landesherrn. Seit dem 13. Jahrhundert übernahm ein einheimischer Schultheiß (scultetus) die Leitung der Stadt. Ihm standen Beisitzer (consules) zur Seite. Ab 1301 übernahmen Bürgermeister und „Rat“ die Regierung. Der Rat bestand aus 12 bis 15 Mitgliedern, die jährlich wechselten. Seit dem 15. Jahrhundert wurden die Ratsämter auf Lebenszeit vergeben. Die älteste erhaltene Stadtpfarrkirche, St. Nikolai, wurde seit 1165 erbaut. 1212 kam die Thomaskirche hinzu, gleichzeitig wurde der Thomanerchor gegründet. Im Lauf des 13. Jahrhunderts wurden auch mehrere Klöster gegründet, darunter das Thomaskloster als Chorherrenstift der Augustiner und das Zisterzienserinnenkloster St. Georg. Im Jahre 1409 wurde die „Alma mater Lipsiensis“, die Universität Leipzig, als eine der ältesten deutschen Universitäten gegründet. An der Prager Karls-Universität waren die Stimmrechte der Universitäts-Nationen verändert worden und es gab Spannungen zwischen traditionellen und hussitisch eingestellten Theologen, weshalb die deutschen Professoren und Studenten nach Leipzig auszogen. Durch die 1485 unterzeichnete Leipziger Teilung fiel Leipzig zusammen mit den östlichen wettinischen Besitzungen der albertinischen Linie zu.

jüdische Händler in Leipzig

Quelle: www.uni-leipzig.de

In Leipzig wurden Juden erstmals im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Auch in anderen sächsischen Städten bestanden im Mittelalter jüdische Gemeinden, teilweise schon um das Jahr 1000. Da ihnen der Erwerb von Land und die Ausübung christlicher Berufe nicht erlaubt war, mussten sich die Juden auf Geldgeschäfte verlegen. Das war auch für die fürstlichen Landesherren von Vorteil: die Juden waren einerseits Kreditgeber, von denen sie andererseits hohe Abgaben und Schutzgelder verlangten. Im 14. Jahrhundert gab es im Zusammenhang mit der Pest, deren Ursache man in der Brunnenvergiftung durch die Juden sah, Pogrome und Vertreibungen. Auch andere Verbrechen, wie Kindesmord und Hostienschändung, wurden ihnen vorgeworfen. Jedoch schon um die Mitte des 14. Jahrhunderts ist die Existenz der Leipziger Gemeinde wieder nachweisbar. Die Folgezeit war sowohl von der Inanspruchnahme als Geldgeber als auch von Schikanen gekennzeichnet. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts soll es in Leipzig keine sesshaften Juden mehr gegeben haben. Im Widerspruch dazu und trotz ständiger Repressalien und antisemitischer Anfeindungen durch die städtischen Behörden und die Leipziger Kaufmannschaft kam eine ständig zunehmende Anzahl jüdischer Kaufleute zu den Messen nach Leipzig. Trotz vielfältiger Diskriminierungen stieg deren Anzahl ständig, z.B. kamen im Jahre 1695 jeweils 450 bis 500 Juden zur Oster- und Michaelismesse nach Leipzig. Im 18. Jahrhundert gab es in Europa und in einigen deutschen Ländern eine fortschreitende Emanzipation der Juden, besonders von Wissenschaftlern und Künstlern. In Berlin trug vor allem der jüdische Philosoph und Schriftsteller Moses Mendelssohn als Vertreter der Aufklärung dazu bei, das Ansehen des Judentums zu erhöhen. Er besuchte mehrfach die Leipziger Messe (1769, 1773). Unverändert blieb jedoch auch bis in das 19. Jahrhundert die Beschränkung beim Sesshaftwerden in Leipzig, das nur in Ausnahmefällen mit Zustimmung des Hofes möglich war. Der Rat der Stadt wies auch unmittelbar nach dem Frieden von Hubertusburg 1763 die Juden aus, die während der preußischen Besetzung im Siebenjährigen Krieg ansässig geworden waren - allerdings offenbar nur mit teilweisem Erfolg. Durch die restriktive Ansiedlungspolitik waren 1766/67 sechs Familien, in der Regel als Schutzjuden, und etwa 10 Einzelpersonen ansässig und noch um das Jahr 1800 lebten nur 40 bis 50 Juden ständig in Leipzig. Bei dieser geringen Anzahl befanden sich darunter kaum solche mit wissenschaftlicher Bildung. Genannt werden lediglich ein Schuldiener (Moses Hirsch) und Elkan Wolf als Kantor der zu den Messen nach Leipzig kommenden polnischen Juden. Erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts konnten sich Söhne jüdischer Familien an der Universität immatrikulieren. Als erster Student jüdischen Glaubens wird Elkan Herz genannt, der 1767 sein Studium an der Universität aufnahm, das er mit großem Erfolg und guten Kenntnissen in den mathematischen, philosophischen und schönen Wissenschaften absolvierte. Durch den frühen Tod des Vaters im Jahre 1775 musste Elkan Herz die väterliche Handlung übernehmen und auf eine wissenschaftliche Laufbahn verzichten. Die Familie Herz war entfernt mit Moses Mendelssohn verwandt. Als weiterer Student aus einer jüdischen Familie wird Isaac Levy genannt, der in den 80er Jahren immatrikuliert war. In der Ausstellung "Juden an der Universität Heidelberg" (Juni - August 2002 in Heidelberg, November - Dezember 2002 in Jerusalem) wurde eine Tabelle gezeigt, nach der in Leipzig in der Zeit von 1752 bis 1800 insgesamt 22 jüdische Studenten immatrikuliert waren. Im Universitätsarchiv Leipzig gibt es eine Akte mit dem Schriftwechsel zur Bewerbung des konvertierten Rabbiners (Rabbinus conversus ex Judais) Johann Recht um eine Stelle als Talmudlehrer (Lector Talmudicus) an der Universität vom Januar 1755. Er schreibt an den Kurfürsten, dass er an einer jüdischen Universität studiert habe und drei Jahre Rabbi der Mannheimer Juden gewesen sei. In dem Bewerbungsschreiben wird darauf verwiesen, dass es früher eine solche Stelle in Leipzig gegeben habe und es wird vorgeschlagen, sie wieder einzuführen. Unterschrieben ist die Bewerbung mit "Johan Recht Rabbi Conversus". Der Kurfürst forderte dazu ein Gutachten der Universität an. Ob die Anstellung zu Stande gekommen ist, geht aus der Akte nicht hervor. 2 Im Vergleich zu den restriktiven Bedingungen für die Betätigung jüdischer Intellektueller in Leipzig und Sachsen gab es in anderen Ländern, besonders in Preußen - dazu gehörten auch Halle und Dessau -, einen liberaleren Umgang. Auch an der Universität Heidelberg gab es bereits von 1652-1674 mit Jacob Israel einen Juden als ordentlichen Professor für Physiologie, Anatomie und Chirurgie. Er wurde vom reformierten Kurfürsten Karl Ludwig auf den Lehrstuhl berufen, war mehrmals Rektor der Universität und Stadtphysikus von Heidelberg. Trotz erster Ansätze größerer Toleranz gegenüber den Juden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird erst auf der Grundlage der sächsischen Verfassung von 1831 auch den Juden Gleichstellung gewährt. 1839 erhält Salomon Veith als erster Leipziger Jude das Bürgerrecht.