Vermessung der Straßen und Aufstellung der Postmeilensäulen

Am 12. April 1713 beauftrage Kurfürst Friedrich August I. Adam Friedrich Zürner mit der Vermessung der Poststraßen und der Anfertigung einer Post-Karte: „Aemter samt denen darinnen befindlichen Herrschaften, Rittergütern, Städten, Dörfern und dergleichen mehr in mappas geographicas bringen“.

Die damals in Karten schon vorhandenen Entfernungs-angaben waren sehr ungenau, weshalb diese von Zürner neu ermittelt werden mussten. Dazu konstruierte er den "Geometrischen Messwagen“, ein in einer Kutsche ange-brachter Mengenzähler, bei dem das Hinterrad über ein Schneckengetriebe ein Zählwerk antrieb.

Auch die Maßeinheit für die Entfernungen wurde am 17. März 1722 vereinheitlicht zur "Kursächsischen Postmeile“, wobei 1 Meile 9,062 km entsprach. Auf der Grundlage Zürners Vermessungen verfügte der Sächsische Kurfürst 1721, dass an jedem Stadttor eine steinerne Distanzsäule aufgestellt werden sollte. Für deren Bau mussten allerdings die Untertanen selbst aufkommen. Aus Ersparnisgründen wurden aber in einigen Städten statt der Distanzsäulen vor jedem Tor nur eine im Zentrum der Stadt aufgestellt.

Bei den kursächsischen Postmeilensäulen handelt es sich um Distanzsäulen, Viertel-meilensteine, Halbmeilensäulen und Ganzmeilensäulen, die entsprechend der Entfernung an der jeweiligen Poststraße aufgestellt wurden und fortlaufende Nummern trugen. Auf diese Weise entstand ein für seine Zeit außergewöhnlich genaues System, welches sich vor allem durch die landes-weite Umsetzung, die hohe Präzision der Entfernungsangaben und natürlich durch die zum Teil prunkvolle Säulengestaltung als Sächsische Glanzleistung auszeichnet.

Warum Sayda keine Postmeilensäulen hat

Der Kurfürst hatte 1721 verfügt, in allen wichtigen Städten in Sachsen, an allen Stadttoren wappengeschmückte Steinsäulen errichten zu lassen, die Wegrichtung und Entfernung zu den nächsten bedeutenden Städten in Meilen und Wegstunden angeben sollten. Eine große Aufgabe, die bei vielen Städten, so auch in Sayda, jedoch auf wenig Begeisterung stieß. Schließlich sollten die Städte diese Säulen bezahlen! Immerhin 40 Taler kostete eine solche Säule.

Gegen diese Ausgaben wehrte sich Sayda, wo auch mindes-tens zwei Säulen errichtet werden sollten. Die Bürger wandten sich an ihren Gerichtsherren Wolf Rudolph von Schönberg. Dieser verfasste dann auch um-gehend einen entsprechenden Antrag, der vielerlei Gründe angibt, dass die Bergstadt Sayda überhaupt keine Postmeilensäule aufzustellen habe. So schrieb er:"...daß die Straße bei Sayda ... nichts weiter als Getreide und etwas Holz und andere schlechte Waren aus Böhmen nach Walthers- und Großhartmannsdorf und Freiberg, welches doch nicht oft geschieht, herausführt...". Sein Einfluss bei Hofe war ausreichend, schließlich gehörten die Schönbergs über viele Generationen zu den ein-flussreichsten Edelleuten in Sachsen. Und Sayda brauchte keine Postmeilensäulen errichten. Für heutige Besucher eigentlich schade. Wer heute nach Sayda kommt, wird trotzdem immerhin mehrere, später aufgestellte Meilensteine vorfinden und im Heimatmuseum kann man die nicht aufgebauten Säulen als Model besichtigen.