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Die Salzstraßen im Muldenland

...Das Salz wurde vor allem zum „Einpökeln" gebraucht.

Salzstraßen waren die ersten festen Verkehrswege im Muldenland

(Artikel von Adolf Böhm aus "Rundblick", 1996, Seite 129 - 131)

Im gesamten Gebiet des ehemaligen Kursachsen, dem heutigen Freistaat Sachsen, in südlichen Teilen Brandenburgs und Sachsen-Anhalts wie in Teilen Thüringens treffen wir häufig auf den Begriff Salzstraße. Welche historischen Gründe gibt es dafür?

Der Salzhandel

Der frühmittelalterliche Handelsverkehr bestand hauptsächlich in Form eines Wanderhandels, bei dem die Händler Kaufund Verkauf und den Transport ihrer Waren selbst übernahmen. Meist waren es friesische, niedersächsische und jüdische Kaufleute, die in geringem Umfang das Erbe des römischen Handels angetreten hatten. Der Salzhandel, der bereits im 8. Jh. in unserem Heimatgebiet nachgewiesen werden kann, stellte für die damalige Zeit einen Massenguthandel dar. Er stand damit am Beginn des Straßenverkehrs.
Salz wurde nicht nur zum Wurzen der Speisen verwendet, sondern hauptsächlich als Konservierungsmittel. Der Mensch mußte seine Vorräte an Fleisch und Fisch „einpökeln", d.h. in eine Salzlauge einlegen, um sie vor dem Verderben zu schützen. Dazu wurden wesentlich größere Salzmengen benötigt als heute im Umlauf sind.
Nun ist Salz, geologisch bedingt, nicht überall verfügbar. Dieses Mineral mußte daher von den Salzgewinnungsstätten bereits seit früh-geschichtlicher Zeit in die salzlosen Gebiete transportiert werden. Meister auf diesem Gebiet waren in Europa zuerst die Kelten, die als erste die damals bekannten Salzgewinnungsstätten ausbeuteten und mit einem schwunghaften Salzhandel reich wurden. Ein Zentrum der Salzgewinnung in unserer Region war das Saaletal bei Halle. Diese Stadt verdankt bekanntlich ihre Entstehung dem Salz. Hier trat das begehrte Mineral in flüssiger Form als Sole aus dem Gebirge. Schnell hatte man etwas nachgeholfen und mehrere Solequellen erschlossen. Die Sole wurde in Pfannen über Holzfeuern erhitzt. Dabei verdampfte das Wasser, und das Salz lag in kristalliner Form vor.

Der Salztransport

Halle belieferte hauptsächlich den obersächsischen Raum, die Lausitz, Böhmen und Schlesien. Es entstanden daher von Halle aus bald feste Verkehrswege in diese Regionen, die von Salzhändlern regelmäßig benutzt wurden. Das gewonnenen Salz wurde in Körbe aus Weidenruten verfrachet und auf den Rücken von Eseln und Pferden transportiert. Zu einem Salzhandelszug gehörten 10 bis 20 Tragtiere, die von Knechten beaufsichtigt wurden. An der Spitze des Zuges ritt der Salzhändler, dem noch bewaffnete Männer zur Verfügung standen. Später wurden hauptsächlich zweirädrige Karren für den Salztransport verwendet. Daher stammt der damals geläufige Begriff Salzkärrner.
Auf dem Rückweg nach Halle mußten die Salzhändler Scheitholz mitbringen, denn der Brennholzbedarf der Sudpfannen war groß und das Saaletal in der Umgebung von Halle bald abgeholzt. Ein Tragtier konnte zwei Körbe mit je etwa 50 kg Salz transportieren. Die Salzkarren waren schon mit 200 bis 300 kg beladen. Die Reisegeschwindigkeit betrug dabei etwa 20 bis 30 km pro Tag. Die Salzhändler benötigten von Halle bis an die Mulde etwa zwei Tage. Rast- und Übernachtungsplätze wurden in der Regel vor der Passage von Hindernissen, das waren Flüsse und größere zusammenhängende Wälder, gesucht. Hier war das die Mulde, an deren Ufer sich befestigte Rastplätze herausbildeten. Dort wurde auch das Salz zum Verkauf angeboten. Damit konnte der Salzbedarf der ortsansässigen Bevölkerung gedeckt werden. Das nutzten die feudalen Grundherren, aber auch die Städte zur Einnahme von Wegezoll. Es kann daher angenommen werden, daß Püchau dem Salzhandel seine Entstehung verdankt.

Die Salzstraßen

Während der Wanderhandel nicht an feste Wege gebunden war, erforderte der Salzhandel von Halle aus sichere und feste Landverbindungen, die möglichst ganzjährig benutzbar waren. Derartige Wege mußten hauptsächlich drei Kriterien entsprechen. Sie mußten möglichst immer trocken passierbar sein, denn Sumpfgebiete verzögerten die Reisegeschwindigkeit. Außerdem bargen sie allerhand Gefahren. Weiterhin mußten die Wege einigermaßen sicher vor räuberischen Überfällen sein. Das war am besten gewährleistet, wenn nach allen Seiten ein freier Blick zur Verfügung stand, um die Feinde rechtzeitig zu erkennen. Daher benutzte man möglichst Erhebungen in der Landschaft. Schließlich mußten die gewählten Wege nach Möglichkeit waldfrei sein, denn Wald behinderte den Verkehrsfluß. Im frühen Mittelalter verlief im westlichen Teil des Muldengebietes die nördliche Waldgrenze etwa auf einer Linie Leipzig-Taucha-Püchau. Nordwestlich davon war eine steppenartige Freilandschaft. Die Salzhändler hatten daher wenig Mühe, das westliche Ufer der Mulde zu erreichen.
Eine der wichtigen Salzstraßen führte von Halle über Schladitz nach Liemehna. Hier gabelten sich die Wege. Während der nördliche bei Eilenburg die Mulde passierte, um bei Torgau bzw. bei Beigem die Elbe zu erreichen, führte der südliche Weg nach Püchau. Eine weiterer Straßenzug führte über Taucha nach Brandis - später als Töpferstraße benannt - und dann über Polenz und Altenhain zum Muldenübergang bei Trebsen.

Der Muldenübergang Püchau-Wurzen

Der wohl älteste Muldenübergang in jener Zeit war vermutlich der zwischen Püchau und Wurzen. Hier, wo die Mulde aus dem Tal in die Ebene hinaustritt, war sie am leichtesten zu passieren. Püchau, das bereits 924 urkundlich erwähnt wird, ist daher nicht von ungefähr der älteste bezeugte Ort in Sachsen. Zwischen Püchau und Wurzen gab es zwei Passagen, die es dank der Verzweigungen der Mulde in mehrere Flußarme erlaubten, fast ganzjährig zu passieren. Die kürzere war die Verbindung zwischen Püchau und Canitz/ Nischwitz. Zwei Hohlwege führten vom Terrassenrand in Püchau hinab in die Flußaue. Der eine, wohl ältere, befindet sich nördlich der Ortslage, wo die Salzstraße von Gotha her (Sachsenmühle) das Steilufer erreicht. Der etwas jüngere spurt zwischen der Burg (heute Schloß) und Kirche in das Unterdorf. Dieser wurde sicherlich zur besseren Kontrolle des Verkehrs von den Burgvögten angelegt. Östlich der Mulde ging es dann entlang der Steiluferkante im Zuge der Alten Nischwitzer Straße nach Wurzen. Ein älterer Abzweig, der Wurzen nördlich umging, ist der Rasenweg von Nischwitz entlang des Breiten Berges nach Körlitz. Daraus kann geschlossen werden, daß die Burg Püchau wohl älter als die in Wurzen ist.
Später benutzte man vermutlich eine neue Trasse, die von Püchau über Nepperwitz nach Grubnitz ging, dort in östlicher Richtung über den Trauschkenwerder, der hochwasserfrei war, nach Wurzen. Am heutigen Gerhardt-Hauptmann-Platz ist wohl das älteste Verkehrszentrum Wurzens zu suchen. Die Hohe Salzstraße führte nun durch die Altstadt, Jacobsplatz, Martin-Luther-Straße zur sogenannten Hohle in Richtung Körlitz und von dort über Dornreichenbach und Dahlen zum Elbeübergang Strehla.

Am Gerhardt-Hauptmann-Platz zweigte die Böhmische Salzstraße ab, die über die Wenceslaigasse, Bahnhofstraße nach Süden in Richtung Neichen und dann weiter über die Deditzhöhe nach Pöhsig, Dürrweitzschen und Böhlen nach Leisnig führte.

Die Fuhrleute orientierten sich dabei auch an natürlichen Wegmarken, wie dem Oschatzer-Collm und den Hohburger Bergen, die weithin sichtbar waren.
Ab dem 14. Jh. bildete sich ein völlig neues Straßennetz heraus. Im mittleren Muldengebietwaren es die Flußübergänge in Eilenburg, Wurzen, Grimma und Colditz, die den Verkehr an sich zogen. Die alten natürlichen Straßenzüge der Salzstraßen verloren an Bedeutung und sind heute nur noch als Relikte erkennbar.