Salzfuhrmann Kluge

In den Kirchenbüchern von Seiffen findet man einen Salzfuhrmann namens Johannes Kluge. Dieser lebte von 1633 bis 1712 und war Knecht beim damaligen Richter, Berg– und Bingensteiger und Mühlmeister Johannes Langer. Während sich das Gehöft des Richters (heute: Hotel Erbgericht „Buntes Haus“) unmittelbar am Hauptkreuzungspunkt der wichtigsten Wege und Straßen Seiffens lag, befand sich das kleine Haus Johannes Kluges nur wenige Meter talabwärts. Auch der Enkel Johann Kluges, Johann Christoph, war noch Salzfuhrmann. Die Familie hatte sich im neu gegründeten Oberseiffenbach auf einer Bauernwirtschaft niedergelassen. Neben der Feldtätigkeit verdiente sie mit dem Transport verschiedener Frachten, unter anderem Salz, ihren Lebensunterhalt.

Kaufmann

Salzschank - Salzhandel

Der Stadt Sayda wurde im Jahre 1442 wiederholt das "Salzprivileg“ verliehen. Sie hatte damit das Recht, Salzmärkte abzuhalten und den „Salzschank“ (=Verkauf) durchzuführen. Auch die Errichtung einer Stadtwaage war in das Privileg einer Marktstadt inbegriffen. Das Recht sagte damals, dass alle Waren, die in der Stadt zum Verkauf kamen oder eingekauft wurden, auf der Stadtwaage abgewogen werden mussten. Für das Nachwiegen verlangte die Stadt eine Gebühr. Alle Dörfer der Herrschaft Purschenstein mussten ihr Salz in Sayda einkaufen.

Anfangs bezog man das Salz direkt von den durchfahrenden Hallischen Salzfuhrleuten. Später, genauer nach den Befreiungskriegen der Jahre 1812 und 1813, wurde das Salz von heimischen Fuhrleuten aus Leipzig herangeholt. Denn als Folge des Krieges hatte Sachsen als Verbündeter Napoleons über die Hälfte seines Territoriums an Preußen abtreten müssen und damit auch seine Salzvorkommen verloren. In Leipzig schuf man darauf eine königliche Salzniederlage, von der das Salz abgeholt werden konnte.

Mehrmals jährlich machten sich Fuhrleute auf den weiten Weg. Eine gute Woche werden sie für den Hin– und Rückweg gebraucht haben. Die Kosten für den Fuhrmann, seinen Knecht, die Pferde, Straßen-, Wege– und Brückenzolle, Aufladelöhne u.a. trug die Stadt. Bei der Berechnung des Salzpreises legte sie diese dann auf die Bevölkerung um.

Der Salzfuhrmann erhielt in Leipzig nur gegen Vorlage eines „Salzpasses“ seine Ware, welcher von der hiesigen Stadtverwaltung ausgestellt werden musste. In den Pass wurde die Menge des transportierten Salzes, sowie die in der Salzniederlage einbehaltene Steuer eingetragen. Dieser Salzpass war bei Grenz– und Zollkontrollen und nach Ankunft in Sayda der Stadt zur Kontrolle vorzulegen.

Wenn ein Salztransport angekommen war, wurde ein Salzmarkt abgehalten. Im Auftrag der Stadt überprüfte ein „Salzschankwirt“ die Lieferung. Er wog das Salz auf der Stadtwaage und verglich das Ergebnis mit den Eintragungen im Salzpass. Ebenso prüfte er, ob unterwegs alle Steuern bezahlt worden waren. Nachdem die Kosten für die Fracht feststanden, legte der Stadtrat den Salzpreis fest, der dann den Bürgern öffentlich bekannt gemacht wurde. Dieser Preis durfte nicht überschritten werden. Somit sollte Wucher verhindert werden.

Die Abgabe des Salzes erfolgte je nach Anzahl der im Haushalt lebenden Personen. Anteile, die von Minderbemittelten bei Ankunft des Transportes nicht auf einmal bezahlt werden konnten, wurden zurück gehalten. Die Dorfgemeinschaften der Herrschaft Purschenstein wurden über Sammeltransporte versorgt. So ist ein Beauftragter des Richters oder der Richter selbst zum Saydaer Salzmarkt erschienen sein, kaufte dort den Gesamtbedarf des Dorfes ein und verkaufte ihn dann in Anteilen an die Dorfbevölkerung. Der Salzschankwirt bzw. die Beauftragten in den Dörfern hatten darauf zu achten, dass der vom Stadtrat Sayda festgelegte Preis eingehalten wurde.

Das Salz war trocken zu halten und trocken zu verkaufen. Wer das Salz anfeuchtete, um mehr Gewinn zu erzielen wurde mit dem Entzug des Salzverkaufes und Gefängnis bestraft. Auch die Salzabgabe an Unberechtigte, also alle Menschen, die nicht zur Herrschaft gehörten, stand unter Strafe.