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Halle-Leipzig-Praha

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Salzwege und Salzstraßen

Mit Salz wurde weltweit gehandelt. Straßen und Wege, auf denen Salz transportiert wurde, erhielten die Namen Salzweg, Salzstraße oder auch Hellweg bzw. Salaria.

Reisebericht des Ibrahim ibn Jacub

Der Weg von Magdeburg nach Prag
"Der Weg von Magdeburg nach dem Land des Büyisläw: von dort (Magdeburg) nach der Burg Calbe sind es 10 Meilen und von da nach Nienburg 2 Meilen; das ist eine Burg aus Steinen und Mörtel gebaut, und sie liegt am Fluß Saale, in den der Fluß Bode mündet. Von der Nienburg bis zur Salzsiederei der Juden, welche ebenfalls an der Saale liegt, sind es 30 Meilen. Von da nach der Burg Würzen - sie liegt am Fluß Mulde ... und von da bis zum Rande des Waldes (Waldheim) 25 Meilen. Dieser mißt von seinem Anfang bis zu seinem Ende 40 Meilen und erstreckt sich über unwegsame Gebirge. Von dort (dem Wald) bis zur hölzernen Brücke (Most/Brüx) über den Morast etwa 2 Meilen. Vom Ende des Waldes betritt man die Stadt Prag."
Zitiert nach:
G. Jacob, Arabische Berichte von Gesandten an germanischen Fürstenhöfen aus dem 9. und 10. Jh.; Berlin-Leipzig 1927

Die Salzwege von Halle

"Die ältesten Wege in Sachsen" von Finanz- und Baurat H. Wiechel, erschinen in "Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS" in Dresden / Jahrgang 1901 Jan.-Juni / aus Seite 26 und 27 der Abhandlung:

Von Halle ist deutlich eine alte Wegrichtung nach der Mudenfurth Trebsen erkennbar. Aus der alten Salzstraße 2 über Hoheneida löst sich dieser Zweig los, führt über Mochern, Leutitz oder über Gerichshain, Brandis, Polenz nach Trebsen.
Hier setzen zwei bemerkenswerte Richtungen an:

  • Die eine östlich am Rodaer See als Bischofsweg nach Wermsdorf und nun mehrfach verästelt als Hoher Weg, das alte Q, die Trift, die Breite Allee, der Oberweg lautend, mit einem gründlicherern Parallelweg über Lampertsdorf, Thaalheim, Kreicha als - Kaiserweg - östlich bei Oschatz vorüber durch Borna nach Strehla.
  • Die andere Hauptrichtung wendet sich von Trebsen über Nerchau nach Südost und bildet in ihrer Fortsetzung den alten Oederaner - Brüxer Gebirgsübergang (Alte Salzstraße durch das Erzgebirge über Oederan, Sayda, Most(Brüx) nach Prag), der auch durch einen rechtsmuldischen Hochuferweg nördlich über Trebsen hinaus an die Übergänge Wurzen (Püchau), Eilenburg angeschlossen ist.

Diese alte böhmische Straße, (auch Alte Salzstraße genannt ) scheint sich in der Tat an diese ältesten Muldenfurthen der Halle´schen Wege anzuhaften, wozu auch der bekannte Reisebericht des Ibrahim ben Jakubs, von 973 stimmt, der vom Hoflager Kaiser Otto´s II in Magdeburg nach Prag zurückreiste über Qualiwa (Kalbe), Nubgrad (Nienburg), die Saline al Sahüd, Halle am Flusse Salawa, von da nach Nurnchen, was als Wurzen (W. Schulte, in der wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung 1892 Nr. 14) oder Nerchem gedeutet worden ist. Es folgen die Angaben: von da (Nurnchin) bis zur nördlichen Grenze des Waldes 25 Meilen, vom Anfang bis zum Ende des Waldes über Berge und durch Wildnisse 40 Meilen vom südlichen Ende des Waldes (Litvinov/Oberleutensdorf) bis zum Sumpf (Seewiesen) bis zur hölzernen Brücke durch den Sumpf (Most/Brüx) 2 Meilen dann geht man eine in die Stadt Braga (Prag).
Der alte Weg mißt von Oberleutensdorf (Litvinov) bis Wurzen 100 km, bis Nerchau 95 km, so daß bei 65 (arabischen) Meilen sich für jede Meile 1,6 bzw. 1,5 km errechnet, was beides nicht unwarscheinlich ist, da diese Meilen 1000 Doppelschritte umfassen, wie die römische Meile von 1,4785 km Länge, bei dem Schritt der kleineren Italiener sich auf 0,74 m stellt.
Ermittelt man den Waldumfang nach dem Verhältnissen von 25 zu 40 Meilen, da fällt er von Wurzen gerechnet auf die Wegstelle am Vorwerk Masaney, von Nerchau gezählt, auf die Striegisfurth dicht bei Hainichen.
Die dortigen Localnamen, besonders der Name Hainichen selbst machen die letzteren Annahmen recht wahrscheinlich; es sind somit weder aus der Richtung der ältesten Wege noch aus der Lage des Urwaldeinganges Einwendungen gegen die Deutung auf Nerchau zu entlehnen.
Der alte böhmische Weg selbst lief über Nerchau, Pöhsig, Dürrweitzschen am "Zetsch" vorbei durch die Muldenfurth bei Altleisnig auf dem Rücken über die Flurstelle "Vogelsang" (Wohnungen oder Wachposten auf Bäumen, ähnlich Wachhalterbaum), Hartha, bei Waldheim die Zschopau kreuzent, Vorwerk Maßanei (gegenüber der Wacholderberg) den Nonnenwald westlich berührend, durch die jetzigen Orte Hainichen, Cunnersdorf, oder wahrscheinlicher auf dem etwa 0,8 km nördlich parallel laufenden Rückenweg über Ottendorf sich nach Bockendorf und durch die Waldstelle "die Beutha" nach Oederan wendend. Der weitere Verlauf über Mittelsaida als "alte böhmische Herrstrasse" und Sayda und Purschenstein ist bekannt. Von hier spaltet sich der Weg in die Richtung über Einsiedel, Kreuzweg, östlich Georgenthal nach Brüx und in die ältere Richtung über Göhren, Rascha oder Zeltl, Oberleutensdorf, Rosenthal, Kopitz, Brüx.

Straßenzwang - der Weg über Freiberg

Der Legende nach finden Goslarsche Fuhrleute bzw. Hallenser Salzhändler auf ihrem Weg von Halle nach Prag, im 1168 in Christiansdorf, im Münzbachtal, dort wo sich deshalb heute die Bergstadt Freiberg befindet, Silber. Damit wird das erste Berggeschrei im "Böhmerwald", dem heutigen Erzgebirge ausgelöst.

Freiberg, welches um 1185 das Stadtrecht bekam, gelangte außerordentlich schnell zur Blüte und wurde wichtiger Handelsplatz, dem Salz, Heringe und Getreide zugeführt wurden.

1318 erteilte Markgraf Friedrich von Meißen der Stadt Freiberg den böhmischen Straßenzwang. Damit erlangten die Freiberger das Recht, daß alle nach Böhmen fahrenden Kaufmannswagen den Weg über ihre Bergstadt nehmen mußten. Trotz des heftigen Widerstandes der Leisniger Burggrafen (und sicher auch zum Ärger der Öderaner Herren) setzte sich der neue Straßenzug Waldheim - Etzdorf - Nossen - Freiberg (weiter über Rechenberg - vorbei an der Riesenburg nach Osek oder von Freiberg über den alten Weg über Sayda nach Brüx/Most) mit der Zeit doch durch. Der Straßenzwang litt es nicht anders.
Um 1350 kamen statt der zweiräderigen die vierräderigen Wagen auf. Da mußten die Straßen breiter werden. Um 1449 wurde verordnet, daß diese mit "Baumen, Strüchern, uffgeworfenen Graben oder anderen Zeichen, uff beiden Seiten gereihet, vormerket werden sollten". Zwei große Wagen mussten sich ausweichen können.
Außerhalb der Stadtmauern waren die Wege sehr weich und schlecht. Außerordentlich schwierig war das Fortkommen. Bei schlechtem Wetter konnte der Händler nur wenige Wegstunden zurücklegen und war froh, wenn er von Leisnig bis nach Waldheim oder von Freiberg bis Sayda kam.