Sayda um 1800

Stadtbauern

Sayda verdankte seine Entwicklung der Lage an der wichtigen Handelsstraße, der Alten Salzstraße, zwischen Sachsen und Böhmen. Handel und Handwerk dominierte. Obwohl Sayda auch Bergstadt war, hatte der der Bergbau rund um Sayda wenig Einfluss auf die Stadtentwicklung. Sayda hatte eine große Einwohnerzahl und gehörte vom 12. bis 16. Jahrhundert zu den größten sächsischen Städten. Die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln war aufgrund des rauen Gebirgsklimas jedoch schwierig.

Eine Besonderheit von Sayda, als eine der höchstgelegenen Städte am Osterzgebirgskamm waren die sogenannten Stadtbauern bzw. Ackerbürger. Sayda war vom 16. bis 19. Jahrhundert auch durch seine vielen Stadtgärten (Möhren- und Krautgärten, Grasgärten) und durch die großen Scheunen außerhalb der Stadtbefestigung geprägt.

Hinter fast jedem Haus befand sich ein kleiner Stall, mindestens jedoch ein kleiner Garten, der für die Selbstversorgung der Bewohner lebenswichtig war. Bessergestellte Bürger besaßen außerhalb der Stadtbefestigung ihre Felder und einige von Ihnen auch Scheunen. Diese dienten vor allem der Lagerung von Heu.
Die Einwohner von Sayda waren überwiegend Handwerker, die zur Selbstversorgung Landwirtschaft betrieben.

Die Stadt Sayda um 1800 mit Ihren Kraut-, Möhren- und Grasgärten

Ein Spaziergang durch und um die alte Stadt Sayda vor dem großen Stadtbrand 1842

Im Stadtarchiv Sayda befindet sich eine Akte, die Auskunft über alle Grundstücke in und um Sayda gibt. Sie ist angelegt worden, um sämtliche Grundsteuerpflichtigen zu erfassen.

Der damalige Erzgebirgische Kreissteuereinnehmer Christian Friedrich Möckel listet im Jahr 1799 alle Grundstücke genau auf. Dabei ist sehr viel Interessantes über unsere Stadt zu erfahren, auf das in diesem Bericht eingegangen werden soll. Vielleicht verfolgen Sie gedanklich oder auch zu Fuß einmal die einzelnen Etappen.

Häuser innerhalb der Ringmauern (Stadtmauern):

„Vom Freyberger oder niedern Thore bis zum böhmischen oder obern Thore. Im Rücken den Markt,  rechter Hand das böhmische und linker Hand das Freyberger Thor durch die Hauptstraße getrennt“.  Beginnen wir bei der Apotheke mit der Nr. 9 bis zur Nr. 19, weiter geht es: „Folgende Häuser auf der genannten Hauptstraße sind hinter derselben, Mitternachtswärts (N) aufn sogenannten Plan.“ Bei der Hausnummer 34 endet der Plan „hier hat der so genannte Plan geendigt. Nun folgt der Teil vom Kirchgäßchen linker Hand bis zur Pfarrgasse rechter Hand, so Front auf den Markt macht. Die no. 36 ist eine alte Wüstung aus dem Jahre 1705. Sie liegt am so genannten Leichentor, hinter no. 35 und ist derzeit ein Grasgarten.

No. 43 ist die Kirche und der Kirchhof mit der Mauer.“  Nun werden weitere Häuser der Pfarrgasse aufgeführt. Interessant ist die Erwähnung der Nr. 50a dies „ist das Pfarrhaus mit Ställen und Garten“, die Nr. 50b „diese Wüstung, welche von der Pfarrwohnung linker Hand und an das Schulgässchen anliegt, ist dem Herrn Pfarrer zu einem Garten bis zum Aufbau eingeräumt worden. … Das Schulgebäude no.51 befindet sich gegenüber dem Haus no.52.“

Weiter werden nachfolgend aufgezählt: „Ein Stückchen Garten jenseits des um die Stadtmauer, nun urbar gemachten so genannten Schloß- Ochsen-Weg, worinnen sich 4 wüste Hausstellen enthalten, deren eigentliche Grenzen nicht mehr zu erkennen sind.“ In der Nr. 53 befindet sich die Diaconatswohnung. Insgesamt werden auf der einen Hälfte der Stadt 84 Hausstellen aufgeführt.

Auf der anderen Hälfte, Mittag (S) und Abendwärts (W) durch die nehmliche Straße von der anderen Hälfte abgeschieden, vom hintern oder böhmischen Thor linker Hand, gegen das fordere oder Freybergsche Thor rechter Hand zu, im Rücken besagte Hauptstraße und im Gesicht Mittag (S). Es werden nun die Besitzer der Häuser bis zur Nr. 91 aufgezählt. Die Nr. 92 befindet sich „ an der so genannten Hirten- eigentlich Webergasse (Heidersdorfer Gasse). Gehen wir ein Stück auf der Webergasse. „No.94b ist eine Wüstung diesseits des hintern nach dem Wasserthor zugelegenen Weg. Die Nr. 99 gehört der  Stadt. In diesem Haus wohnt der Stadthirte. „ Folgende Häußer der no.116-no.124 (,Goldener Löwe’) machen Front auf die erwähnte Hauptstraße, von der Webergasse an bis an die Gasse wo der so genannte Judenborn lieget, die keinen Namen hat, grenzt an die Gerbergasse(auch heute noch Gerbergasse). Nun folgt eine Aufzählung der Grundstücke an der Gasse ohne Namen bis zur „Judenbrunngaße“. Es handelt sich um die Nr. 125 – 136, die Nr. 137 befindet sich „Eingangs von der Judenbrunngaße in die Badergasse linker Hand“. Die Grundstücke 139-143 sind Wüstungen und werden als Grasgärten genutzt. Die Häuser 145 -151 stehen mit der Front zum Markt (jetzt Rathaus bis Geschäft M. Braun). Die „no. 153 ein wüster Platz, zur Gerichtsherrschaft gehörig, woselbst vormals die Fleischbänke (Stände für den Fleischverkauf) gewesen seyn sollen, wird dermalen mit Vieh behütet. Die Nr. 155 war die „Communale Frohnveste“ (städtisches Gefängnis). In der Nr. 158 befand sich eine Baderei. „No. 164 das Communale Rathaus, gelegen an der Fahrstraße (Straße zum Pl.d.O.d.F.) und dem Topfmarkt (Standort: etwa vordere Hälfte des Parks gegenüber dem Ratskeller). „Die Hausstellen 165 -167 liegen mit der Front zum Topfmarkt. Die no.168 und 169 stehen beym Freyberger Thor. Dann folgt eine wüste Hausstelle. Die no.170, das Gerichtsherschaftliche Schloß, wovon nur die Überreste an alten Thürmen und Gemäuern zu stehen übrig aber weder Herrnhof, noch einige Zimmer mehr vorhanden sind und nur ein Wirtschaftsgebäude (Gebäude, das heute als „Schloss“ bezeichnet wird) mit nöthigen Ställen und Schuppen anzutreffen ist. Worauf der Voigt mit dem Gesinde wohnet samt zweyer Gärten rechts und links dem vom Rathaus dahingehenden Weg (Schlossweg).

Grundstücke außerhalb der Ringmauern:

Im zweiten Teil der Auflistung sind alle Grundstücke außerhalb der Ringmauer aufgelistet:

„Erste Hälfte – Vom vordern (Freiberger) Thor, Ausgang rechter Hand Mitternacht (N) und linker Morgen (O) fort bis zum hinteren (böhmischen) Thor und zwar von und bis zu der durch beyde Thore gehenden  Hauptstraße (Nr. 171-204). No. 181 ist eine Cavillerey (Reitstall) mit zwey davor und dahinter liegenden Gärten. Bei den weiteren Grundstücken handelt es sich vorwiegend und Scheunen, Gärten oder wüst liegende Stellen. Es befanden sich hier nur zwei Häuser. Die Nr. 204 war der so genannte Gasthof „Zschockenthal“ „… von diesem wird versichert, dass dieser sogenannte Zschockenthal von jeher mit dem Gasthof sub No 124 combiniert gewesen sey  ( Nr. 124 = Gasthof „Goldener Löwe“ damaliger Besitzer Johann Gottlob Schneider)

„Andere Hälfte – Vom hintern oder böhmischen Thor Eingangs linker Hand, oder von der Landstraße an, in Mittag (S) und Abend (W) fort, bis wieder zum Freybergschen Thor, und zu der nemlichen Landstraße und zwar zwischen Landstraße und Heydersdorfer Weg.

Auf dieser Seite lagen die Grundstücke ab Nr. 205. Bis zum Grundstück Nr. 220 handelt es sich wiederum um Scheunen (Scheunen an der alten Heidersdorfer Straße). Die Nr. 221a war ein Haus, Besitzer Carl Gottlieb Weise, hier schloss sich die Nr. 221b an, ein kommunaler Garten längs des Stadtgrabens „4 Schritte breit und 40 Schritte lang. ... Es folgen die sogenannten Möhrengärten, von halb Morgen bis halb Mittag, in Abend gegangen, dergestalt dass im Rücken der Heydersdorfer Weg mit Krautgarten, im Gesicht das Herrschaftliche Schloß an den Krautgärten, rechter Hand die nichteingegangene Stadtmauer, linker Hand der Stadtgraben befindlich. Die No. 222 ist der Communale Garten auch Schießplatz (in etwa Platz hinter dem alten Ferienheim) genannt, links der Stadtmauer im Gesicht das sogenannte Wasserthor.“  Bei folgenden Grundstücken bis zur Nr. 249 handelt es sich um Gartengrundstücke entlang des alten Stadtgrabens. Interessant ist die Erwähnung nach Nr. 238b. „… Hier gehen die sogenannten Möhrengärten, welche von Alters her die Judenstadt ausgemacht haben soll, aus und folgende haben ihre besondere und andere Benennung so die No. 239 – Communaler Garten ‚die Grube’. In dem Stadtgraben zwischen dem im selbigen gehenden Weg im Gesicht der Wasserweg (Wassergasse), die Gärten 240 – 243 werden als ‚Wassergärten’ bezeichnet. Die Nr. 249 wird als „sogenannter Juden-Kirchhof bezeichnet. Er grenzt an den Stadtgrabenweg. Diesen Garten dürfen der hiesige Pfarrer und der Diaconus nutzen.“

Die Nr. 250 ist der „Gerichtsherrschaftliche Garten an der Stadtmauer“  und die Nr. 251 eine dazugehörige Scheune sowie der Schlosshof. Ab Nr. 252 -276 sind ebenfalls Gartengrundstücke Scheunen und wüst liegende Stellen benannt.

Der Schreiber weist zum Schluss seines Berichtes auf die Bepflanzung mit Bäumen hin „um die Stadt herum zwischen den Stadtmauern und den Scheunen oder dem Stadtgrabenwege“.

In einem Extrateil werden noch das Hospital, die Hospitalskirche und das Totenbettmeisterhaus erwähnt.

Quelle: Akte des Stadtarchivs „Consignation derer Häuser, Scheunen und Gärten des zum Rittergute Purschenstein gehörenden Städtleins Sayda 1799

Bearbeitung: Petra Berger

Stadtarchiv Sayda